Kirchenvorstand Ludger Braam, der für die Gemeinde Heilig Geist die Besucher zum 3. Konzert der „Geistlichen Abendmusiken“ im Jahre 2026 in St. Nicolai Kalkar begrüßte, konnte in ein voll besetztes Mittelschiff blicken. Der gute Besuch war sicherlich auch der Tatsache zu verdanken, dass an diesem Abend mit dem Kammerchor Haldern und dem Orchester „Opus m“, beide unter der musikalischen Leitung von Heiner Frost, zwei Ensembles zu Gast waren, die seit Jahrzehnten für eine hohe musikalische Qualität in der Interpretation von Werken „von der Renaissance bis zur Jetztzeit“ stehen.
Die sorgfältig zusammengestellte Werkauswahl in der Abendmusik zeigte einen Querschnitt von Werken aus dem Barock bis zur Gegenwart. Einen Schwerpunkt bildeten dabei Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Gleich zu Beginn musizierte „opus m“ dessen Contrapunctus I aus der Kunst der Fuge, einem Beispiel für die hohe Bachsche Kompositionskunst. Souverän zeichneten die Streicher die anspruchsvollen Stimmführungen mit einer Vielzahl von „Überbindungen“. Nahtlos schloss sich das von John Williams (*1932) komponierte Hauptthema zum Film „Schindler´s Liste“ an. Eine berührende und ergreifende Melodie, bedenkt man den Kontext des Films, die vom Orchester ausdrucksvoll musiziert wurde.
Der rund 20 Stimmen zählende Kammerchor Haldern schloss sich mit einer Komposition des Amerikaners Ralph Carmichael (1927-2021) an. Fein zeichnete der Chor die Stimmung des Werkes: Es gibt einen stillen Ort, wo Gott meinen unruhigen Geist besänftigen kann, dort finde ich neue Kraft und neuen Mut! Sehr beeindruckend war auch das Zusammenspiel von Kammerchor und Orchester „opus m“. Hier merkte man deutlich, dass die beiden Ensembles regelmäßig zusammenarbeiten. Gerade die Eingangschöre zu den Bachkantaten, exemplarisch sei hier der Eingangschor aus der Kantate BWV 17 „Wer Dank opfert, der preiset mich“ genannt, „glänzten“ im barocken Glanz. Neben den Streichern trugen dazu im besonderen Maße die beiden Oboistinnen Heidrun Hoffmann und Sabine Kroeze bei.
Im Kontrast dazu stand das Chorwerk „Earth Song“ des Amerikaners Frank Ticheli (*1958), so sehr passend in unsere Zeit und eindringlich interpretiert vom Kammerchor Haldern: „Die verbrannte Erde schreit vergebens: O Krieg und Macht, du blendest und verwischst. Das zerrissene Herz schreit vor Schmerz.“ Aber es gibt die Hoffnung: „Durch Dunkelheit, Schmerz und Streit, werde ich singen, sein, leben, sehen...Frieden.“ Hohe Anerkennung verdient die Tatsache, dass der Kammerchor mit seinen „nur“ rund 20 Stimmen die Bach-Motette für Doppelchor „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ zu Gehör brachte. Gerade der „Ich lasse dich nicht“ Teil (alla breve) verlangt ein besonderes Maß an rhythmischer Präzision von jedem und jeder Einzelnen.
Es war eine mit viel Sorgfalt zusammengestellte geistliche Abendmusik, die in ihrer Werkauswahl mit ihrer Vielseitigkeit überzeugte. Kammerchor und „Opus m“ zeigten ihre hohen musikalischen Fähigkeiten. Einen hohen Anteil daran hatte der künstlerische Leiter beider Ensembles, Heiner Frost. Er führte mit klarem und präzisem Dirigat Kammerchor und Orchester durch die teils sehr anspruchsvollen Konzertwerke. Anja Speh als versierte Begleiterin am Cembalo sowie Gudula Franken (Stimmbildung) und Henning Schmeling (Chorrepetition) hatten großen Anteil am Gelingen des Abends.
Bild und Text von WOLFGANG DAHMS

