Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt von Pastor Alfons Wiegers

Warum es an Himmelfahrt wirklich geht, das wird uns vielleicht klarer, wenn wir einmal das letzte Kapitel der vier Evangelien miteinander vergleichen. Dann stellen wir nämlich fest, dass als einziger der Evangelist Lukas von einer Himmelfahrt Jesu schreibt.

  • Matthäus berichtet nur von einer letzten Erscheinung Jesu auf einem Berg.
  • Das Markus-Evangelium endete ursprünglich schon mit dem Entsetzen der Frauen am leeren Grab. Erst später wurde ein Schlusskapitel angefügt, das die Erscheinungsberichte der anderen Evangelien zusammenfasst. Zuletzt erscheint Jesus den Jüngern beim Mahl und gibt ihnen den Auftrag, der ganzen Welt die Frohe Botschaft zu verkünden.
  • Für Johannes ist die Kreuzigung bereits die Erhöhung Jesu zur Rechten des Vaters, und die nachfolgenden Erscheinungsberichte ermuntern zur Nachfolge und zum Glaubenszeugnis.

An diesen verschiedenen Darstellungsweisen lässt sich ablesen, dass es den Evangelisten nicht darum ging, einen historischen Bericht vom Abschied zu schreiben. Was ihnen wirklich wichtig war, das finden wir in den beiden Grundaussagen, die allen Evangelisten gemeinsam sind: Der gekreuzigte Jesus ist in der Herrlichkeit Gottes. Und bei allen lautet das Vermächtnis Jesu, seine Aufforderung an seine Jünger: Sagt diese Frohe Botschaft allen Menschen!

 

Der gekreuzigte Jesus ist in der Herrlichkeit Gottes. Das kann man auch anders umschreiben und sagen:

  • Das Leben Jesu ist in den Augen Gottes das wahre Leben gewesen; es hat bleibende Gültigkeit vor Gott.
  • Im gestorbenen und auferstandenen Jesus begegnet uns Gott selbst.
  • Jesu Worte und Taten sind für uns deshalb das absolute Maß, an dem wir unser Leben messen und ausrichten müssen. Nur in seiner Nachfolge können wir wirklich Mensch werden.
  • Jesus ist für uns der ragende Grund geworden, auf dem wir unser Leben aufbauen können.

 

Die Ikonenmaler des Frühen Mittelalters haben alle ihre Figuren auf einen Goldgrund gemalt. Der sollte den Himmel, die ewige Herrlichkeit andeuten, die uns von allen Seiten umgibt, die Nähe Gottes, in der wir geborgen sind. Wenn wir nun glauben, dass Jesus in dieser Herrlichkeit seinen Platz hat, dann bedeutet Christi Himmelfahrt: Er ist der tragende Grund für uns geworden. Er ist jeder und jedem nahe und umgibt uns alle.

Auch die Wolke bei Lukas und der Berg bei Matthäus sind nichts anderes als Symbole für die Nähe Gottes, für die ewige Herrlichkeit.

 

Sagt diese Frohe Botschaft allen Menschen! Das heißt:

  • Wir haben diese Welt zu gestalten im Geist Jesu.
  • Wir sollen zeigen, dass man in der Nachfolge Jesu ein glücklicherer, ein erlösterer, ein erfüllterer Mensch sein kann.
  • Wir brauchen auch im Angesicht von Krankheit, Leid und Tod die Hoffnung nicht aufgeben.
  • Wir können leben aus der Nähe des auferstandenen Jesus Christus.

 

Himmelfahrt richtig feiern heißt also einmal: in Jesus den Sinn meines Lebens erkennen;

Und es heißt weiter: Anderen bezeugen, dass auch sie in diesem Sinn wirklich leben können.

 

Meditation

 

Christi Himmelfahrt –

Eine Spur führt von Jesus in den Himmel

Zu seinem Vater, der uns Menschen Wohnung und Heimat bereithält.

 

Christi Himmelfahrt –

Eine Spur führt vom Himmel zu uns Menschen,

die Spur des Geistes Gottes,

mit dem wir in wenigen Tagen getauft werden.

 

Christi Himmelfahrt –

Der Anruf an uns Menschen, den Gekreuzigten und Auferstandenen

„bis an die Grenzen der Erde“ zu bezeugen,

in seine Fußstapfen zu treten und viele Menschen auf diesen Weg zu führen.

 

 

 

Meditation: „Jesus hauchte sie an und sprach: Empfangt den Heiligen Geist!“

 

Den Heiligen Geist empfangen jene,

die selber den ersten Schritt wagen,

die einander beim Namen rufen und gemeinsam aufbrechen,

ihr Urvertrauen wird wachsen.

 

Den Heiligen Geist empfangen jene,

die ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken,

die mit anderen lachen und weinen,

ihre Lebenskraft wird Hoffnung verbreiten

 

Den Heiligen Geist empfangen jene,

die miteinander Toleranz üben

im gewaltfreien Widerstand gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit,

ihr Engagement wird durch Gottes Phantasie begleitet.

 

Den Heiligen Geist empfangen jene,

die ein großes Herz haben

für eigene Schwächen und Grenzen

und dies auch anderen zugestehe,

ihre Ehrlichkeit wird sie zur Offenheit bewegen.

 

Den Heiligen Geist empfangen jene,

die trotz allem an das Gute im Menschen glauben,

den göttlichen Kern im Menschen entdecken,

ihre Geborgenheit in diesen verbindenden Geist Gottes

wird lebensspendend sein.

 

Feiert das Leben,

schwimmt gegen den Strom der Gleichgültigkeit,

tanzt, feiert, erzählt einander Hoffnungsgeschichten

und erahnt im Puls des Lebens Gottes Heiligen Geist.