Kalkarer Pfarrgemeinden in der Ostervorbereitung

Kalkar. „Auf die Fürbitte deiner Heiligen, des heiligen Josef, Sebastian, Antonius und Rochus behüte und bewahre die Bewohner unserer Gemeinde, unserer Stadt und unseres Bistums vor aller ansteckenden Krankheit. Wir bitten dich, erhöre uns!“ singen die Beter der Freitagsmesse in St. Nicolai seit dem Mittelalter. Und dies auch zu Corona-Zeiten um die gleiche Uhrzeit in der stillen Messe. Der Altar der „Sieben Schmerzen Marias“ des Hendrik Douvermann gehört zu den ausdrucksvollsten ungefassten, also holzbelassenen Schnitzaltären, den er fast baugleich auch für Kleve und Xanten geschaffen hat. Die pestgeplagte Nicolai-Stadt hatte Grund genug, ihr Gnadenbild „Maria in der Not“, ein Vesperbild mit Maria und ihrem vom Kreuz abgenommenen Sohn mit den sieben Leidensmomenten der Gottesmutter zu umgeben. Für viele Christen ist es stärkend und ermutigend, dass die Corona-Zeit nun eine andere „Fastenzeit“ und eine Passionszeit ist, die Jesus ganz nahe bei den Menschen sehen lässt. Mittlerweile singt der Kalkarer Priester Jürgen Jamin die Freitagsbitte auch in der nördlichsten Pfarrei Islands in Akureyri und ist mit seiner Messe auch bei You-tube unterwegs: youtu.be/jR1BwJ0imgw.

Die beiden Kalkarer Pfarreien St. Clemens und Heilig Geist bereiten sich dank digitaler Technik auf die Karwoche vor: Informationen, Orgelmusik mit Impulsen von Jan Szopinski und Erich Mülder und Predigten der Priester zu den einzelnen Tagen gibt es auf der neuen Internetseite „katholisch-kalkar.de“. Neben dem Aktuellen bietet die Seite Spirituelles dort viele Hilfen wie auch die Corona-Seelsorge-Seite des Bistums Münster: www.bistum-muenster.de/seelsorge_corona/, die von vielen Pfarreien des Bistums gespeist wird. Dort finden sich auch drei Kalkarer Kreuzwegtexte.

Pastoralreferent Jens Brinkmann hat für die jungen Familien Unterlagen versandt, wie sie zuhause die Karwoche gestalten können. Zudem hat er für die gläsernen Kästchen gesorgt, in denen an den Schaukästen der Kirche in allen Orten die Pfarrnachrichten in diesen Tagen wöchentlich präsentiert werden. Die Kindergärten entwickeln weitere Möglichkeiten. Pastor John nimmt die unter „fuerbitten@katholisch-kalkar.de“ übermittelten Anliegen in die tägliche Zelebration. In allen neun Kirchen werden in diesen Tagen wie auch von Gründonnerstag bis Ostermontag abwechselnd stille Messen in Stellvertretung für die Gemeinden gefeiert und der Verstorbenen gedacht. Die Bewohner der Seniorenheime, die alle keine Außenbesuche bekommen können, erhalten einen Gruß von der Pfarrgemeinde. Die Mitglieder der Pfarreiräte und Ortsausschüsse werden in der Karwoche über 500 Briefe an ältere frühere Gottesdienstbesucher in den Briefkasten stecken, die auch einen kleinen Palmzweig enthalten. Am Palmsonntag werden für alle Ortsteile genügend Palmzweige gesegnet, die wie die Osterkerzen bis Ostern angeboten werden. Die Kirchtürme (in Kehrum der Sakristei-Eingang) stehen dafür zur Verfügung. Leider kann in St. Pankratius der Turm und die Orgelbühne nicht abgetrennt werden, so sollten sich die Altkalkarer nach St. Nicolai wenden. Die Kirchen von St. Clemens und die Nicolai-Kirche sind nur im Turm zum stillen Gebet für Einzelne bei aller Abstandswahrung möglichst täglich geöffnet.

Pastor Alois van Doornick beschreibt bei allem Corona-Stress hier die Sorge um die Menschen in fernen Ländern als sein besonderes Anliegen: „Misereor-Projekte befähigen Menschen zur Selbsthilfe und entwickeln Dorfgemeinschaften, starten Hygieneprojekte oder kümmern sich um Lebensgrundlagen und Landwirtschaft. Unser Fastenopfer verhilft zu Lebensqualität, Bildung und Gesundheit, zu beruflicher Förderung und politischer Sicherheit.

Neu ist aber nun folgende Entwicklung, die auch Pastor John aus Uganda bestätigt: Wenn die Regierung Ausgehverbot erteilt und Firmen schließen, haben Familien sofort kein Geld mehr, um ihre Familie zu ernähren: Kurzarbeitergeld, Rettungsschirm, Lohnfortzahlung, Krankenversicherung gibt es nicht! Wir bitten alle, deren Bezüge in diesen Zeiten nicht geschmälert sind, sich über eine deutliche Fastenspende in diesen Tagen bis Ostern Gedanken zu machen. Vielleicht können Sie einen Teil der persönlichen Minderausgaben in dieser „anderen Fastenzeit“ dafür erübrigen. Wir haben ja weniger Gelegenheiten zum Geldausgeben jetzt, obwohl auch andere Kosten neu auftauchen. Man sollte Name und Anschrift angeben für eine Spendenquittung. Da die Kollekte entfällt, kann man am besten die Spenden Misereor direkt (IBAN: DE 75 3706 0193 0000 1010 10) überweisen. Dies ist auch per Überweisung möglich auf das Konto der Zentralrendantur Emmerich-Kleve IBAN: DE04 3246 0422 0315 3470 17.“

Die Seelsorger in Kalkar sind telefonisch oder per Mail erreichbar und helfen gern innerhalb der aktuellen Regeln. Mit den Gemeindemitgliedern entzünden sie beim Abendläuten um 19.30 Uhr eine Kerze in Solidarität mit allen, die gute Sorge tragen um unsere Sicherheit und mit allen, die gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind. Und Ostern werden alle Glocken um 9.30 Uhr das Halleluja und die Freude über das Lebensgeschenk Gottes in alle Häuser tragen.