Vorweihnachtskonzert blickte nach Uganda

Der Samstag vor dem vierten Advent wird auch 2020 der ideale Termin für d a s Kalkarer Konzertgeschehen bleiben: Wann sieht man sonst nahezu zahlenmäßig gleich über 60 Sängerinnen und Sänger aus der Kantorei und dem Pankratius-Chor und 65 Instrumentalisten von Fagott über Bass-Saxophon bis Xylophon aus der Bläserklasse und dem „Musikverein von Calcar“ 90 Minuten gekonnt die gotische Nicolai-Kirche mit wunderbarer internationaler Musik füllen? Jan Szopinski und Wolbert Baars konnten überaus zufrieden hunderten dankbaren Besuchern in die Augen schauen: Nicht ein einziger Platz auf der letzten Kinderbank war in der großen Hallenkirche frei geblieben.
Passend zum sehr international aufgestellten Programm begrüßte vom Seelsorgeteam Pastor John Rwabunyoro mit seinen fröhlichen Augen die erwartungsvolle Runde und lenkte den Blick auf die vier Kerzen: „Die vierte Kerze füllt den Kreis, der wie das Erdenrund aussieht. Vielleicht stehen vier verschiedene Kerzen auch für die Verschiedenheit der Menschen. Nur gemeinsam kann die Welt Armut bekämpfen, Klima verbessern oder Kriege verhindern. An Weihnachten will alle Welt Frieden. Wichtig ist mir dafür auch immer die Bildung der Kinder.“ Und er berichtete von der stetig wachsenden weiterführenden Schule, die er in seinem Heimatort nahe am Victoria-See im Westen Ugandas gegründet hat. Über 1.600 Euro sollten am Ende für sein in Kalkar unterstütztes Projekt zusammenkommen.
Und so begann das Konzert umrahmt von Gemeindeliedern mit „The willow tree“ von Pádraigín Ní Uallacháin, „Valley of the pinios“ von Kevin Houben, „The zest“ von Ilari Hylkilä, „Christmas at the movies“, arrangiert von John Moss und endete im ersten Teil mit einem Weihnachts-Liederkranz-Potpourri von Jonec. Anja Speh begleitete mit sichtlicher Freude am Klavier „O Heiland, reiß die Himmel auf“ im Chorsatz von Heinrich Laup und die beiden John-Rutter-Stücke „Die wunderbarste Zeit ist nah“ und „Weihnachts-Wiegenlied“. Jan Szopinski zeigte sich wieder als für die Chöre passgenau wirkender Komponist bei seinen Sätzen zu „Vom Himmel hoch“ und „Schlaf mein Kindlein“, die unterbrochen wurden von Peter Cornelius „Die Könige“.
Im zweiten Teil herrschten bei dem mit zwei Riesenpauken und wunderbarer Schlagwerk-Breite besetzten Orchester zunächst ernste und gar nicht so leicht darzustellende Stücke vor. Einmal mehr wurde den Besuchern die Tiefe des weihnachtlichen Geschehens auch im Blick auf den Erlöser aus Schuld und Tod deutlich, als zunächst Johann Sebastian Bachs hier gar nicht vermutetes „Bist du bei mir geh ich mit Freuden“ wahrscheinlich in einem Weihnachtkonzert Premiere erlebte. Und einmal mehr zeigte sich die Holzbläserbank gut in Form und wohldosiert in der Stimmung. Robert Sheldons “Requiem to a Land Forgotten” könnte auf Afrika gemünzt sein, das bei wachsender Kinderzahl gerade im Süden wirtschaftlich aus China, Indien und Europa nicht immer nur gefördert wird. Die beiden äußerst gelungenen letzten Stücke „Shakin‘ STEVENS Merry Christmas Everyone“ und gemeinsam mit allen „Yorkshire Ballad“ leiteten zu den weihnachtlichen Gemeindeliedern über, die ein tiefsinniges und akustikreiches Konzert schlossen. Wer genau hinsah, konnte im Musikverein eine Reihe eigentlich sehr junger Nachwuchstalente agieren sehen, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Und wie sagte Pastor John am Beginn über die Bläserklasse: „Seit einigen Jahren hat der Verein sehr erfolgreich und gesellig Spätzünder an die Blasmusik herangeführt. Gerd Plageman leitet diese Truppe mit viel Freude und Einsatz.“ Weltliche und kirchliche Musik in Kalkar haben Zukunft! Die nächste Geistliche Abendmusik ist bereits am 19. Januar.