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Sonntags-Bildgedanken

21. 12. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

59. Märtyrer heißt Zeuge. Johannes-Seitenaltar in St. Clemens Wissel 1880

Evangelium Mt 10,26-33 oder Mt 14, 1-12/Mk 6, 14-29  oder von Johannes 24.06.: Apg 13,22ff. und Lk 1,57-66.80

Im Bild

Im Jahre 1730 gründete sich in Wissel zur Clemens-Gilde die Junggesellen-Bruderschaft mit Johannes dem Täufer als Patron, die sich später auch Verheirateten öffnete und heute das öffentliche Leben im Ort gestaltet. Wie der gegenüberliegende Marienaltar mit der Darstellung der Gründung der Rosenkranzbruderschaft wird dieser Flügelaltar mit den drei Johannes-Themen 1880 entstanden sein: Die Ankündigung des Engels bei dem stumm werdenden Zacharias, er werde spät noch einen Sohn bekommen, die Taufe Jesu am Jordan mit der Bestätigung des Vaters als seinem „geliebten Sohn“ und die Enthauptung des Johannes im Gefängnis auf Wunsch der mit der Schale im Hintergrund abgebildeten Herodias. Johannes hatte sich öffentlich dagegen geäußert, dass Herodes Herodias, die Frau seines Bruders, zur Frau nahm.

Man hatte Herodes die Kunde gebracht, in Jesus sei Johannes von den Toten auferstanden, den er doch hatte töten lassen. Nun wird der Tod des Täufers eigentlich Herodias zur Last gelegt. Wie Pilatus bei Jesus wollte Herodes bei Johannes nicht das Risiko der Kritik des Volkes auf sich ziehen. Immerhin wird Markus deutlich: „Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Wenn er ihm zuhörte, geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu.“ Mk 6,20

Die Mittelachse des Bildes stellt die Herabkunft des Geistes des Vaters auf den Sohn Jesus dar und dessen Zeugnis für ihn. Jesus wird im Rücken von Engeln vorgestellt wie auf der linken Tafel das göttliche Zeugnis sich an Zacharias richtet. Im rechten Bild öffnet sich das vom Vater ausgehende göttliche Licht dem sterbenden Täufer. So sind die drei Tafeln inhaltlich verbunden. Und durch die Blickrichtung des Zacharias, die Handbewegung des Täufers sowie die Gebetshaltung des sterbenden Johannes wird d e r Zeuge Gottes, Jesus Christus, uns präsentiert. Im von Alfred Sabisch darunter gestalteten Tabernakel wird gemäß des Wortes des Täufers (Joh 1,29) „das Lamm Gottes“, der „Leib Christi“ genauso aufbewahrt wie er oben himmlisch und irdisch vorgestellt wird. So ist dies also nicht wirklich ein „Johannes-Altar“, sondern präsentiert im Hauptthema den Zeugen Gottes Christus, auf den der Täufer wie in der Bibel verweist.

 

Die Botschaft: „Auch ihr seid Zeugen!“

„Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Christus, sondern nur vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, ist voller Freude über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude hat sich nun bei mir vollendet. Er muss wachsen, ich aber geringer werden.“ Joh 3,28ff

Der Täufer nimmt die fragenden Apostel als Zeugen, die später selbst einmal zu Zeugen Jesu ausgesandt werden. Die Märtyrer konnten nur zu Zeugen Jesu wie dieser mit dem eigenen Leben werden, weil sie zu „Freunden des Bräutigams“ geworden sind. „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“ (Mt 10,28) Es ist schon spannend genug, wie oft hier vom „zeugen“ die Rede ist. Das Zeugen hat kreative Kraft. Das Zeugen verweist auf den Schöpfer. Das Zeugen verhilft zur Geburt. Ein Zeugnis ist ein Zur-Welt-Bringen. Wie Johannes weiß der gute Zeuge, dass das Bezeugte nicht sein Eigenwerk ist, sondern auf den Größeren verweist. Das entlastet. Das lässt demütig bleiben. Das überfordert nicht. Das macht weniger angreifbar oder im Streitfall doch standfest. Die Geschichte der jungen Kirche ist voll von Lebenszeugnissen für den, der zum Zeugnis für den Vater am Kreuz sein Leben einsetzte. Johannes der Täufer ist vor den Aposteln der erste. Es folgt ihm Jakobus, der dadurch den Namen „der Große“ erhielt. Wir dürfen heute solche Zeugnisgeschichten des Glaubens nicht verschweigen, weil sie zum Entstehen des Christentums wesentlich sind. Christsein geht nicht ohne ein Neu-Zeugen in jeder Generation. Kirche ist dadurch glaubwürdig geworden. Es ist schon erstaunlich, dass das Sterben der Märtyrer Glauben an Gott aufleben lässt. Aber genau das ist die Botschaft Jesu: Im Tod wird Leben gezeugt.

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22. 13. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

60. Der Mann mit dem Kreuz. Apostel Philippus im Antoniusaltar in St. Nicolai, Kalkar, ca. 1480. Fest 3. Mai Evangelium 13. So. im Jahreskreis A: Mt 10,37-42; Joh 1,43-51; 6,5-7; 12,20-22; 14,1-21

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Der Antoniusaltar zeigt als der älteste in St. Nicolai die Zwölf Apostel beim Tod Marias, der Patronin der Liebfrauen-bruderschaft. Diese war für die Ausstattung der Bürgerkirche nach dem Brand am Beginn des 15. Jh. zuständig. Somit zeigt sie Philippus weinend mit überkreuzten Händen und erhobenen Armen: Das Kreuz ist ihm wie Andreas und Petrus der Legende nach zum Marterwerkzeug und Erkennungszeichen geworden. Das von Eusebius um 300 benannte Grab will ein Forscher 2011 in Pamukkale/Türkei gefunden haben. In der Türkei und bis in die Ukraine soll er missioniert haben. Das blaue Untergewand der Treue und das rote Übergewand der Liebe kennzeichnet den Fünften in der Reihe der Apostel, der die Beziehung zwischen Natanael und Jesus hergestellt hat, bei der Brotvermehrung seine Zweifel hatte, für Griechen bei Jesus zum Mittelsmann wurde und im Gespräch mit Jesus auch seine Nachfragen formulieren konnte (Joh 14). Der Goldhintergrund des Himmels weist in die Gotik und ist in dieser Technik nur an wenigen Stellen in Deutschland bekannt. Er könnte der Trauer des Apostels eine neue Blickrichtung geben, auch mit einer Reminiszenz an den Paradiesbaum … Oder verharrt er in der das Unheil abwehrenden oder sich vor seinen Folgen versteckenden Bewegung?

 

Die Botschaft

„Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.“ Wenn in der Darstellung der Zwölf Andreas und Philippus ihre Kreuze zeigen, dann ist auch auf diese Jüngerbeauftragung zur Kreuzannahme angespielt, auch wenn darin gleichzeitig diese Martyriumswerkzeuge an ihren christusähnlichen Übertritt in die Welt Gottes erinnern. Eine ähnliche Stelle gibt es im Johannesevangelium kurz vor dem Abendmahl: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“

Kreuzesnachfolge war ein großes Thema zur Entstehungszeit des Bildes in der „devotio moderna“, der „modernen Frömmigkeit“ der intensiven Betrachtung der Passion des Herrn in der Folge von Heinrich Eger von Kalkar, Gerd Grote und Thomas von Kempen. Aus der Zeit stammen solche Gedanken: „Warum fürchtest du dich, das Kreuz auf deine Schultern zu nehmen, wenn doch der Weg vom Kreuz zum Himmel geht? Es gibt keinen anderen Weg zum Leben als den des täglichen Sterbens – das Loslassen des Alten und auf sich nehmen des Neuen.“ „Wenn du dein Kreuz trägst, wird dein Kreuz dich auch tragen. Wenn du es aber abschüttelst, wirst du dir womöglich ein anderes auf den Hals laden, das schwerer ist als das vorige.“ „Jesus hat viele Nachfolger, die im Himmel mit ihm herrschen wollen, aber wenige, die auf der Erde sein Kreuz tragen wollen.“

Die Selbstannahme ist der goldene realistische Mittelweg zwischen dem Dauerpessimismus, der sich von Sorgen, Ängsten und Negativerfahrungen herunterdrücken lässt und der Verdrängung von Tatsachen durch Flucht in Schönfärberei, Spaßwelten und Luxusleben. Nicht der ist glücklich, der viel Frohmachendes erlebt, sondern der, der mit dem Mix von Plus und Minus eines normalen Lebens kreativ und wertschätzend zurechtkommt.

Dabei wird beim Wort Jesu das „und mir nachfolgt“ zu leicht übersehen: Glück entsteht aus der alltagstauglichen Jesusbeziehung, aus der gelebten Freundschaft mit dieser uns zugewandten Seite Gotte. „Trautes Heim, Glück allein“ gibt es nicht: Jesus führt in Beziehungen und Begegnungen. Sowohl mit sich und seinem Vater als auch mit Menschen im eigenen Umfeld. Und da eher mit dem Blick nach unten zu Menschen der einfachen Art, zu Menschen, die bedürftig, schwach, krank oder leidend sind. Kreuze anderer zu sehen und mit zu tragen bringt mehr Zufriedenheit als egoistischer Genuss für sich allein. Einsatz im „Ehrenamt“ für andere bringt Erfüllung. Jeder macht die Erfahrung, dass bewusst gutes soziales Verhalten langfristiger Freude bringt als der Blick auf den Spaßfaktor. Realistische Selbsteinschätzung kombiniert mit gewollter Gottesbeziehung fördert sozialen Blick und Selbstbewusstsein. Philippus bringt Jesus dazu, es vor dem Kreuzweg auf den Punkt zu bringen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Joh 14,6

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23. 14. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

61. Kleine groß machen. Der Zwölfjährige und seine Familie. Schiff-Fenster in St. Regenfledis Kalkar-Hönnepel. Entwurf Friedrich Stummel 1903. Evangelium 13. oder 14. So. A Mt 10,41f; Mt 11,25f

Im Bild

Manchmal sind mehr die Darstellung des fünften Gesätzes vom freudenreichen Rosenkranz („den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast“), manchmal mehr die Vorstellung eines bestimmten Familienidylls als pädagogisches Vorbild Grund für die Aufnahme eines solchen Bildes in den Fensterzyklus einer Kirche: Der Gehorsam des auf nach seiner Bar Mizwa ersten Jerusalem-Wallfahrt spät wiedergefundenen Zwölfjährigen wurde gegenüber der Messias-Präsentation unter den jüdischen Gelehrten im Tempel mitten im jüdischen Volk oft überbetont. Immerhin steht Jesus hier erhöht wie auf Stufen eines gekachelten Thronpostaments zentral als Bildmittelpunkt, hervorgehoben mit dem weißen Gewand wie ein Kommunionkind und zudem mit Kreuznimbus im Vorblick auf sein Schicksal. Maria und Josef haben links und rechts sowohl hinweisende Funktion in der je ausgestreckten Hand, die aber gleichzeitig Stütze für den Gottessohn ist. Die irdische Familie erhält unter einem gotischen Kirchengewölbe oben die göttliche Erweiterung durch die herniederschwebenden Engel sowie die herabkommende Taube und die ausgebreiteten Segenshände des göttlichen Vaters. Während die Blickrichtung des Himmels sich auf den Sohn richtet, blicken Maria, Jesus und Josef auf einen Punkt, der fast unterhalb des Bildes zu liegen scheint und somit die Betrachter einbezieht in die Heilige Familie. Weiß steht als Farbe für die göttliche Reinheit und die Freiheit von Erbsünde, so also beim Vater, den Engeln, in Marias Übergewand und bei Jesus und der Lilie des Josef. Maria trägt das blaue Untergewand der Treue, während das Orange die Innenseite der Gewänder von Maria, Jesus und Josef die Familie verbindet. Den Ausblick auf ein niederrheinisches Bauernhaus im Fenster hinter Josef findet man ähnlich schon in Bildern von Jan Joest um 1510.

 

Die Botschaft

Allein der Ort des Fensters neben der in St. Regenfledis noch vorhandenen Kanzel lässt an den erst fragenden und hörenden, dann aber auch lehrenden Jesus im Kreis der Gebildeten des Judentums im Tempel erinnern. Zum Glück ist hier Jesus nicht „seinen Eltern untertan“, sondern die Eltern dem Messias Gottes. Dieser will im Heiligen Geist und im Auftrag des Vaters die Menschen zur Gotteskindschaft einladen und zur Erneuerung des Taufzustandes der „heiligmachenden Gnade“ (wie man damals in der Christenlehre formulierte) führen. Dabei verweist dieser Lehrer Christus auf die Hilfe, die Christen in der Anrufung Marias und im Vertrauen auf die Mitsorge und Fürbitte des heiligen Josefs erhalten. Die sorgende Nähe der Familie des Himmels ist ohne große Trennungssymbole stark mit der irdischen Familie verwoben. Das durch die Gesichter über der Bildfläche gezeichnete „Chi“ bzw. „X“ kennzeichnet den Beginn des Wortes „Christus“ genauso wie den des Wortes „Christ“: Dabei heißt das griechische Christus auf Hebräisch Messias.

Aufs Ganze kommen folgende Punkte in den Blick:

1. Ein Kommunionkind nannte als Grund seines Wunsches, sich im Kommunionalter jetzt taufen zu lassen: „Ich will ein Gotteskind sein“. Die zunächst kindlich oder vorgesagt anmutende Formulierung sollte mich aber eingedenk der Mahnungen Jesu zur Glaubensaufnahme wie ein Kind zur dankbaren Wahrnehmung meiner eigenen Position unter Gottes Augen einladen.

2. Auch wenn Eltern unter hohem finanziellen Aufwand ihre Kinder oft zu kleinen Prinzessinnen und Prinzen erziehen, gilt es in heutiger Gesellschaft Kinder stark zu machen, sie fit zu machen für eine andere Zukunft und sie vor allem als „Geschenke von Gott“ mit diesem Gott so nachdrücklich in Verbindung zu bringen, dass sie ihr ganzes Leben davon zehren können. Benedikt empfahl, im Kloster auf die Jüngsten zu hören: Wir sollten die Jugend befragen.

3. „Dem Himmel so nah“ ist ein gut gehender Werbespruch für malerischen Urlaub: Vielleicht denken wir selbst einmal mehr darüber nach, dass wir nicht erst später dem Himmel nah sind, sondern jetzt. Und dies wahrscheinlich genauso intensiv, wie wir es nach dem Tod vielleicht nur einfacher wahrnehmen können. Wir haben für das Göttliche drei ausgezeichnete Anknüpfungspunkte: Die Schönheit der Natur und des Menschendaseins aus der Hand des Schöpfers und Vaters; die um Menschen besorgte Lebens- und Redeweise Jesu mit dem eigenen Körpereinsatz; und die innere Stimme unserer Seele mit dem leisen Wind oder dem inspirierenden Feuer des Heiligen Geistes.

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24. 15. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

62. Fruchtbares Leben aus dem Tod. Geheimnis des Glaubens. Fronleichnamsbild in St. Hubertus Kalkar-Kehrum Evangelium 15. So. A: Mt 13,1-23: Gleichnis vom Sämann

Im Bild

Das vor vielen Jahren als Fronleichnamsbild entstandene Werk wird heute als Trockenblütenbild jährlich wieder in St. Hubertus zur Fronleichnamszeit am zweiten Sonntag nach Pfingsten gezeigt. Das unten von roten Blütenblättern (für das Blut Christi) umgebene Kreuz aus Gerstenähren ist umgeben von den Symbolen des als Taube auf Christus herabkommenden Heiligen Geistes, des „Chi-Rho“ oder „PX“ für die Anfangsbuchstaben des Wortes Christus, dem Fish für das urchristliche Glaubensbekenntniszeichen („Jesus Christus ist Gottes Sohn, Erlöser“ für die griechischen Initialen I-CH-Th-Y-S = Fisch) und dem Eucharistiesymbol Kelch mit Hostie. Der durch das Foto golden strahlende Christus-Corpus erinnert in der Form auch an das Kind in der Krippe, das schon in der Barockzeit auf Ähren gebettet gemalt wurde mit Blick auf die Eucharistie als Nahrung für den Menschen, hier einmal Nahrung aus anderem Blick in der Futterkrippe von „Bethlehem“ , was sinnigerweise „Haus des Brotes“ bedeutet.

Um dem Christus(Kind) eine weiche Unterlage und auch eine Art Gloriole zu geben, wurden die langen Grannen der Gerste bei den Ähren auf den „Balken“ abgetrennt und neu um den Kopf gelegt. Es entsteht der Eindruck, dass diese Grannen zu dem einen Korn Christus gehören. Somit kommen dann die Körner in den vielen anderen Ähren noch deutlicher zur Geltung: Aus einem Korn, das absterbend in der Erde einen eigenen Halm hervorbringt, wächst „Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach“.

 

Die Botschaft

Aus einem Christus wuchsen viele Christen. Christen dürfen daraus leben, dass die göttliche Botschaft nicht Theorie, sondern Mensch geworden ist. Jesus selbst ist das Wort des Vaters an die Menschen, gesprochen und der Welt eingeschrieben in der ureigensten Sprache des menschlichen Leibes und Geistes. So ist die Menschheit nicht von oben, sondern von innen erlöst, nicht überfremdet, sondern in der eigenen Materie durchgeistigt.

Dem Sämann-Gleichnis ist das Weizenkorn-Gleichnis voran zu stellen: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Joh 12,24 Beim Sämann-Gleichnis verdeutlicht Jesus seinen Freunden, dass sie im Vorteil sind gegenüber früheren Generationen, weil sie ihn live sehen und erleben und leichter das Evangelium vom Reich aufnehmen können. Von allen anderen Menschen, also denen vor ihm u n d denen nach ihm, sagt Jesus, dass viele zwar das Wort hören, aber nicht wahr-nehmen, 1. weil äußere Einflüsse („der Böse“) die Deutungshoheit gewinnen, 2. weil die Botschaft nicht betätigt wird und so verödet und der Glaube verdunstet oder 3. weil andere Aufgaben und Sorgen sich stärker „zu Wort“ melden und mehr Raum beanspruchen als das unscheinbare Korn des Gotteswortes. Auch bei dem fruchtbaren Samen gibt es Verluste von 40 oder gar 70%! Dies erinnert aber auch an das Gleichnis von den Talenten (5,3,1), dass jeder nur aus dem Anvertrauten Neues in gleichem Wert entwickeln soll und nicht überfordert wird mit den eigenen kleinen Kräften. Ich denke, wir müssen alle vier Stufen im Blick behalten, sonst gibt es eine Kirche der „Reinen“.

Insgesamt dürfen wir dankbar wahrnehmen, dass beim Glücklich-Werden und Leben-Finden uns die Hardware sowohl des menschlichen Leibes, Verstandes und Herzens geschenkt ist wie die Software der Wachstumsenergie und die Entfaltungskräfte, so sie denn dann von uns betätigt und zielgerichtet eingesetzt werden. Oder müssen wir uns das „Allein mir fehlt der Glaube“ vorhalten lassen? Unser niederrheinischer Dialekt kennt für „hören“ zwei Vokabeln: „höören“ und „lüstern“: Da steckt das Wort „Lust“ drin, eine Suchenergie, die uns manchmal fehlt. „Lössen“ ist im Dialekt das „Mögen“, oder „Geschmack finden“. Finden wir Geschmack an den Weisungen Jesu, an dem Einsatz für die Menschen? Kann ich wirklich wie das Weizenkorn und wie Jesus davon sprechen, dass ich tatsächlich und ohne Verlustangst „mich“ einsetzen will, auch wenn ich dabei „drauf gehe“ oder etwas oder mich verliere?

Wenn ich die vier Stufen des Gleichnisses anschaue und versucht bin, nur die letzte als erfolgreich und anerkennenswert zu erachten: Kann ich die Menschen verstehen, bei denen die Glaubensenergie weggepickt wird, oder wo sie vertrocknet oder überwuchert wird? Vielleicht kann ich helfen, den „Bösen“ zu verscheuchen, die Körner zu bewässern oder den Wildwuchs der Sorgen und Fremdbestimmtheiten zu mindern? Jedes Korn der Wahrheit ist kostbar. Jeder einzelne Mensch. 2019 und 2020 haben gelehrt: In trockenen Zeiten haben Bäume reiche Fruchtentwicklung …

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25. 16. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

63. Heulen und Zähneknirschen. Das Gerichtsbild in St. Nicolai Kalkar, urspr. um 1450, nach 1850 und 1908 (Bardenhewer) stark übermalt

Evangelium Mt 25,31 oder Mt 13,24-43 16. So. A

Unkraut unter dem Weizen

Im Bild

Guido de Werd bezeichnet im Kalkarer Kirchenführer die Anbringung der Zwölf Apostel rund um das Gerichtsbild als selten in der Kunstdarstellung. Das „naheliegende“ Gerichtsbild im Kalkarer Rathaus ist nach alten Quellen dort schon das Zweite an seiner Stelle. Auch hier sitzt Christus auf einem doppelten Regenbogen, zeigt seine Wunden zwischen Lilie und Schwert, die auf ihn deuten. In St. Nicolai wird er fürbittend angerufen von Maria, Johannes dem Täufer und den Zwölfen. Dabei nimmt der Lieblingsjünger und Apostel Johannes mit dem Kelch eine vergrößerte Stellung ein. Unten scheidet sich die Gruppe der aus den Gräbern Emporsteigenden zur Aufnahme in die Himmelstür unter der Aufsicht des schlüsselführenden Petrus. Der Rachen des Bösen kann dagegen die Zahl der Bösen, darunter Bischof, Pastor und Könige, fast nicht mehr umfassen. So stellen zwei Drittel des Bildes die Anbetung des auferstandenen, aber immer noch verwundeten Erlösers dar. Im unteren Drittel wird die Auferstehung zum Leben oder zum Gericht präsentiert, wobei der Himmelszugang leicht frauenlastig und der Höllenschlund von kirchlichen und weltlichen männlichen Amtsträgern überladen erscheint.

 

Die Botschaft

„Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten.“ (Mt 13,43) Das Gerichtsbild ist im Nordschiff der Nicolai-Kirche vor der damaligen Sakristei (Gerfkamer) angebracht auf der nun auch durch die Kirchenfenster so gekennzeichneten dunklen Seite der Kirche, der „Abendseite“: Wie die Heiligen in der Ausmalung der Decke treten hier die Apostel neben Maria und Johannes dem Täufer als Himmelsheilige stark vor den Auferstehenden hervor. So erhellen sie das bedrohliche Ambiente durch ihre großen Darstellungen.

Vier Engel blasen oben zum Jüngsten Gericht, zwei begrüßen „zu seiner Rechten“ die Geretteten und ziehen sie in den Bereich des Himmels. Anders als im Evangelium ziehen hier Teufel die Verlorenen in das Unglück des Feuerofens. Die Androhung von Heulen und Zähneknirschen kennt Matthäus vier Mal, während es nur noch einmal bei Lukas vorkommt. Ebenso ist das Wort vom Satan oder Teufel fast einzig bei Matthäus vorkommend, wie es im Alten Testament nur bei Hjob und Sacharja auftritt. Dennoch haben solche Titel und Bilder stärker als der biblische Gesamtbefund unser Denken und Sprechen der Vergangenheit geprägt.

Dass Christus Gericht hält, ist so bei dem Judenchristen Matthäus prägnant formuliert; die Verwendung des Wortes Menschensohn leiten die Synoptiker in diesem Zusammenhang aus den späten Büchern Ezechiel und Daniel ab. Johannes kennt das Gericht nicht als Vollzug des Richters Christus, sondern aus dem Verhalten des Menschen selbst: „wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.“ Joh 3,18) Es könnte sein, das das Heulen und Zähneknirschen im Ende unsere tiefe Reue ist, nicht geliebt zu haben.

Also ist festzuhalten: Die Bibel ist ein Buch, dass auf eine Gerechtigkeit im Ende deutlich immer wieder hinweist: Gott verschafft Recht den Armen. Gott verschafft Recht denen, die ihr Leben lang sich ans Recht gehalten haben. Gott sieht auf das kleinste Samenkorn und den kleinsten guten Willen der Menschen.

Der verwundete Christus stellt sich selbst als Garant dieses rechtschaffenen und Recht schaffenden Gottes hin. „Durch seine Wunden sind wir geheilt“: Das greift 1 Petr 2,24 als Zitat aus Jes 53,5 auf. Christus selbst bringt das Recht der Menschen in die Waage, die der Erzengel Michael mittig auf Gerichtsbildern zeigt.

Aber es ist auch das Wesen und Mitwirken des Menschen selbst entscheidend: Dostojewski erzählt in „Die Brüder Karamasow“ von dem Schutzengel einer bösen Frau, die dieser trotz allem vor die Himmelstür bringen wollte. Gott bewilligte ihm, die Frau an dem kleinen Zwiebelchen in den Himmel zu heben, das sie als eine der wenigen guten Taten in ihrem Leben einer Bettlerin gegeben hatte. Als sie aber spürte, dass sich nun viele Menschen sich an sie dranhängen wollten, stieß sie mit den Füßen nach ihnen: „Mein Zwiebelchen, nicht das eure!“ – und fiel in den Feuersee hinunter „und brennt in ihm bis auf den heutigen Tag. Der Engel aber brach in Weinen aus und ging davon.“

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26. Jakobustag am 25. Juli

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

28. Der uns die Bibel am Stab hinhält. Jakobusaltar in St. Nicolai Kalkar, Dries Holthuys, Kleve, 1510, Eiche

(Evangelium 25.07. Mt 20,20-28;  Apg 12,2)

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Der Bruder des Johannes unter den Zebedäus-Söhnen war laut Apg 12,2 der erste unter den Aposteln, der für seinen Glauben das Leben ließ und wird deshalb „der Große“ genannt. Er soll in Spanien missioniert haben. Sein Grab wird seit dem 9. Jh. in Santiago de Compostela verehrt, wo diese Figur 1994 zur Ausstellung war. Die Bibel im Buchbeutel mittelalterlicher Prediger hält er am Stab, auf den er sich stützt (Ps 23,4). Er ist eingehüllt in „den Mantel der Gerechtigkeit“ (Jes 61,10; Bar 5,2), gut „behütet“ (Ps 97,10; 121,7f.) und sitzt vor der Himmelstür in Erwartung der Pilger am Ende der (damals bekannten) Welt bzw. am Ende ihres Lebensweges. Die Muschel am Pilgerhut kennzeichnet den Pilger, der diese als Beweis von der galicischen Küste mitbrachte oder damit eine Berechtigung zur gastlichen Aufnahme erbat. Die beiden Stifter Elisabeth und Johannes Becker sind urkundlich im Stadtarchiv bekannt als Pilger mindestens nach Einsiedeln in der Schweiz, wenn nicht sogar nach Santiago ähnlich wie der Klever Graf 80 Jahre zuvor. Nicht einer frommen, für Küche, Kinder und Kirche tätigen Frau gilt die segnende Hand auf der Stifterin. Sein sinnender Blick gilt tröstend, mittrauernd und dankbar der Ehefrau, die nach dem Tod ihres Mannes aus dem reichen Erbe diesen Altar und seine fortdauernde Bedienung durch einen Priester gestiftet hat. Mit der neuen Aufstellung dieses Altars am hinteren Pfeiler begrüßt Jakobus nun alle Eintretenden der Kirche wie im Himmelshaus.

 

Die Botschaft

Der sinnende Jakobus lädt zum Sinnen über den Sinn des Lebens ein. Man wird auch den Namen seines „Namenspatrons“ in den Blick nehmen, Jakob, den Stammvater der zwölf Stämme Israels. „Israel“ war ja Jakobs Zweitname wie bei Simon Petrus. Also ist die Person Jakobs wie Abraham oder Mose zentral in unserer Glaubensgeschichte. Gerade das Buch des Alten Testaments gibt er uns als tragendes Fundament mit dem Stab an die Hand. Er hatte das „Neue Testament“ noch nicht, das wir zu oft nur allein als Glaubensquelle verwenden.

Zum Hinsetzen und gelassenen Nachdenken und Beten lädt er uns ein. Zum Aufstehen und Weitergehen ermuntert uns der Pilgerpatron. Den Himmel im Blick zu behalten leitet er uns an. Zur Gerechtigkeit ruft uns der Apostel im Pilgermantel. Zur Freundschaft mit Jesus reizt uns der energische „Donnersohn“ (Mk 3,17), zum Gebet wie auf Tabor oder am Ölberg könnte er uns viel sagen (Mk 9,2; 14,33). Auch eine Extrapredigt Jesu für ihn über das Ende der Welt ist uns weniger bekannt (Mk 13,3-37). Anknüpfungspunkte genug für lange Fußwege. Aber Pilger sollten auch singen:

 

Jakobus   (Strophen nach GL/MS 796 Dem Herzen Jesu singe. Kehrvers nach Vorspiel Santiago Hymne)

Ref.: Du, Jakobus, weist der Pilger Ziel: Menschenfischer, knüpfe Netze viel!

1. Mit Petrus und Andreas zu sich der Herr rief dich. Zur Stille des Gebetes wählt’ er die Freunde sich.

Ob Tabor oder Ölberg, du warst für ihn stets da. Auf Bergen und in Kirchen hilf uns, dass wir Gott nah.

Ref.: Du, Jakobus, Beter, Beistand, Freund: Schenk uns Stille, Zeit mit Gott vereint!

2. Du, Bruder des Johannes, erfasstest gleich sein Wort. Dich trieb das Evangelium hinaus von Ort zu Ort.

Hilf uns hier in Europa den Pilgerweg zu gehn, die Liebe tatfest leben, des Himmels Spur zu sehn!

Ref.: Du, Jakobus, Apostel für den Herrn: Hilf, Gott glauben, lieben Menschen gern!

3. Als ungestüme Brüder wart allen ihr bekannt, ihr wolltet mächtig streiten für Christi Sach’ im Land.

Ihr „Donnersöhne“ suchtet im Himmel schon den Platz. Schenk Einsatzkraft und Feuer, zu suchen Gottes Schatz.

Ref.: Du, Jakobus, Mann voll Mut und Kraft: Energie gib unsrer Jüngerschaft.

4. Als erster der Apostel gabst du dein Leben preis, früh Märtyrer und Zeuge in Christi Heil’gen Kreis.

Am End des Erdenkreises wurd’st früh du schon verehrt. Zum Lebensend hilf wahren den Glauben unversehrt.

Ref.:Du, Jakobus, Zeuge für das Kreuz: Lebenszeugnis lass uns geben heut!

5. Mit Stab, Hut, Buch und Muschel gehst du stabil voran: Lass spür’n die Kraft der Bibel, die gut behüten kann!

Im Haus des Herren sitzend erwartest du uns all: Tritt ein für Sucher, Sünder! Ruf uns zur Heil’gen Zahl!

Ref.: Du, Jakobus, dort in Himmels Höh’n: Hilf, zu Menschen, hilf, zu Gott zu gehn!

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27. 17. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

64. Ein Netz, das trägt. Fenster im Südschiff von St. Nicolai Kalkar. Karl-Martin Hartmann

Evangelium Mt 13,44-52; 17. So. A. Gleichnisse vom Himmelreich: Schatz, Perle, Netz

Im Bild

Aus allen 22 Fenstern des Künstlers Karl-Martin Hartmann in St. Nicolai fällt dieses im Südschiff vorn durch die gleichmäßige Rasterstruktur heraus. Der „Teppich von Licht“ breitet sich gleichmäßig von oben nach unten aus und ist durch den weißen Rahmen herausgestellt. Die runde, goldene Scheibe steht, passend im Maßwerk des Spitzbogens nach Größe und Farbe, im Gegensatz zu den variierten Rastervierecken und den Rechtecken der Fensterrippen. 1999, nach Erstellung dieses Entwurfs, fand man in Nebra/Sachsen-Anhalt die „Himmelsscheibe“, eine vergoldete Kupferscheibe mit Symbolen aus der Sternwelt, die offensichtlich vor 4.000 Jahren religiösen Kulten entsprang. Die Forscher streiten sich, ob es sich mehr um astronomische Zeichen und Erklärversuche oder um ein Instrument der Zeitrechnung im Mond- oder Sonnenkalender handelt. In diesem Fenster sehen wir wie der Künstler selbst schlicht die inneren Sonnenbewegungen und die Sonnenflecken verbunden mit der mit den Augen lange sichtbaren Erscheinung des Hale Bopp-Kometen 1997. Die aus roten Halbkreisen gebildeten Netzelemente wirken wie kostbare Perlen in Mt 13, 46.

Gleichwohl stellt dieses Fenster eine Abgrenzung dar zwischen den den Sieben-Schmerzen-Altar umspielenden marianischen Themen um das Haus von Loretto bzw. die Gedanken zur „Morgenröte des Heils“ und zum „Aufgang der Sonne“ oder dem „Aufgang aus der Höhe“ und den im weiteren Südschiff ausgebildeten floralen Schöpfungsanklängen. Rot und Weiß bzw. Goldgelb und Weiß sind die Kirchenfarben als Farbe des Göttlichen und der (bei Jesus und den Märtyrern) mit dem eigenen Blut bezeugten Liebe. Der Künstler schreibt: „Das Fenster zur/aus der Sakristei hat als einziges Fenster in seiner Rasterung eingebettet, mit großer Stringenz ein weiteres Netz-Raster als Thema: Matth. 4,19: Ich will euch zu Menschenfischern machen. Und über allem ist die Sonne, mit ihrer heute verstehbaren und erkennbaren Struktur. Dies war meine, für mich im künstlerischen Entwurfsprozess als Richtschnur wichtige Gefühlslage.“ Auch erinnert der Künstler an die Menschen, die in die Sakristei gehen oder aus der Sakristei kommen, als Netzwerker des Glaubens.

 

Die Botschaft

Der Kreis als Bild des unendlichen Göttlichen und das Viereck als Zeichen des in Länge und Breite messbar Weltlichen stehen für das, was im Kirchenraum sich immer neu ereignet: Wo Gott und Menschen zusammenkommen und zusammenwirken, wo Gottes Gegenwart in der Schöpfung dankbar gefeiert wird, da ist Kirche. Der Architekt Dieter Baumewerd reduzierte in Kevelaer seine Architektenaufgabe beim Neubau der St.-Antonius-Kirche 1987 in der Gestaltung des äußerlich ganz vergoldeten Tabernakels in der Antoniuskapelle. Aus Dreieck und Viereck bildete er das Tabernakelhaus: Drei für das Göttliche und Vier für das Menschliche ergeben addiert bzw. multipliziert die heiligen Zahlen Sieben und Zwölf als Hinweise für das Geschehen in der Kirche mit sieben Sakramenten, hervorgehend aus den zwölf Stämmen Israels und den zwölf Aposteln als Grundlage der biblisch begründeten Gottesgemeinschaft.

Das Bild des Teppichs wirkt auch wie ein geknüpftes Netz, das im Gleichnis vom reichen Fischfang (Mt 13,47) oder der Osterbegegnung am See (Joh 21) seine biblische Quelle hat. Paulus spricht im Korintherbrief davon, dass er seine Anhänger in ein Netz gelockt hat (2 Kor 12,16). Er kennt auch das Netz des Teufels, aus dem man die Verirrten befreien soll (2 Tim 2,26).

Im Blick auf die biblischen Quellen sollten wir beim Netz nicht zu leicht an das bergende und verbindende Netzwerk denken. Die Bibel spricht deutlich vom Allerlei und vom „Gemischtwarenladen“, aus dem erst unter Gottes Augen aussortiert werden muss. So ist die Lebensrealität der Gemeindemitglieder gesehen, die sich im Alltag im „Trüben“ verschiedenster Lebensauffassungen und gar feindlicher Elemente und Umgebungen befinden. Dennoch bleibt uns der tröstende, aber auch warnende Gedanke an die rettende Bergung, an die Hilfe der „Engel Gottes“ und die Bewahrung gerade am Ende des Lebens und der Welt.

Das Fenster lässt auch denken an Mt 5,44-48: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“

Und natürlich fällt uns das Lied GL 481, 1,4 ein: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit, brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr!“ „Tu der Völker Türen auf, deines Himmelreiches Lauf hemme keine List noch Macht, schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr!“

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28. 18. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

65. Kleine Gabe, große Wirkung. Hostienschale St. Barnabas Kalkar-Niedermörmter. Silber-vergoldet, Griff Bronze, wahrscheinlich Kevelaer Goldschmied ca. 1970. (Evangelium Mt 14, 13-21 18. So. A Fünf Brote und zwei Fische)

Im Bild

Die nach Schlichtheit rufende Neuschaffung liturgischer Gefäße der Nachkonzilszeit brachten gleichwohl inhaltsvolle Hostienschalen hervor mit biblischem Hintergrund. Bei aller verschiedenen äußeren Formgestalt ist die Vergoldung für das Innere von Kelch und Hostienschale eher Pflicht im Blick auf das Göttliche, was uns darin geschenkt ist. „Nach oben offen“ bezeichnet hier nicht eine Mangelerscheinung, sondern eine Sehnsucht des Menschen und ist vergleichbar der Handhaltung beim Kommunionempfang. Der bronzene Stiehl und die ovale Form der Schale geben dem Äußeren die Form eines Fisches. Damit erinnert die Schale an die einfachen Menschen, die Jesus zur Glaubensweitergabe ausgewählt hat: Die Apostel waren Fischer am See Genesareth.

 

Die Botschaft

Die Messdienerinnen und Messdiener bringen in Vertretung der Gemeinde Brot und Wein zum Altar. In der Messe bekommen wir nicht einfach das „Himmelsbrot“ von oben: Es ist unsere Gabe, das, was wir aus der Woche mitbringen, das, was wir erlebt haben, das, was wir geleistet haben, das, was wir mit irdischen Mitteln erstellt haben, das, was wir vor Gott bringen wollen, abgeben wollen, opfern wollen, IHM hinhalten, dass er es wandelt, verändert, vervollkommnet: „Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir“! Damit sind wir ernst genommen. Damit sind wir nicht Objekte von Gottes Liebe, sondern Subjekte, die aktiv werden, die gefragt sind, die mitarbeiten an dieser Welt. Darum fragt Jesus auch nach und fordert dazu auf: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Auch wenn es nur wenig ist, was wir einbringen: Dieses Wenige wird zur Grundlage. Gott will die Welt nicht ohne uns retten. Gerechtigkeit nicht ohne uns wirken. Armut nicht ohne uns lindern. Sehnsucht nicht ohne uns stillen. Und dabei sollten wir die „Kleinen“ einbeziehen, nicht allein auf die Großen, Schlauen, Mächtigen, Wissenden, Regierenden setzen.

Ein Zweites dieses Evangeliums ist der Fisch, der zum doppelten Symbol wurde, einmal zur Erinnerung der Geschehnisse des Ursprungs, all der Wunder und Gespräche am See, all der Begegnungen und Heilungen, der Diskussionen und Streitgespräche in Kapharnaum und anderswo: Einfache Fischer und eine ganz normale Weltgegend wurden zum Ausgangspunkt einer großartigen Weltbotschaft und dieser unserer Weltkirche.

Der Fisch, griechisch „Ichthys“ wurde zum frühchristlichen Credo-Symbol, durch seine fünf Anfangsbuchstaben zu einem urchristlichen Glaubenssatz: Ivhsouß Cristoß Jeou Uioß Swthr: „Jesus Christus ist Gottes Sohn, Erlöser.“ Jedes Auto vor uns auf der Autobahn mit Fisch-Symbol kennzeichnet einen Christen am Steuer. Des Lesens unkundige frühe Christen aus einfachem Milieu erkannten die Häuser der Mitchristen an diesem Geheimzeichen.

 

Das Leid und das Mitleid (zu Mt 14,13ff) Im Brot die ganze Passion

Still ruht der See, ein Boot fährt dort, drauf Jesus sucht im Schweigen IHN.

Die Herzenslast bedrückt an Bord die Seel: „Mein Freund, wo bist du hin?“

Der Täufer tot durch Königsmord – wund wendet Klage er an Gott.

Da kommen Menschen an den Ort, die hungern sehr, nicht nur nach Brot.

Zum Mitleid Leid bestärkt nun ihn, vielleicht auch hilft’s, jetzt hinzusehn,

zu heilen, helfen, geben hin, zu predigen Gott, statt heim zu gehn.

In eben diese Lebensart, zu schenken grad aus Leid-Passion,

führt ein er so die Jünger zart, doch deutlich dann im Liebeston.

Reich, trotz der Ausweglosigkeit, an Nahrung reichen können sie
vielfältig mehr als für den Leib: Im Geben erst erfährt man wie.

Beim Abendmahlstisch steht blutrot das Kreuz im Hintergrund bereit.

Die Lebens-Leidensgabe Brot stärkt Helfer, schenkt Passion im Leid.

Der leidenschaftlich reichlich gab, gibt unsrem Mittun reichen Sinn.

Der uns zum Liebeszeugnis warb, führt uns zu Mensch und Himmel hin.

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29. 19. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

66. Kraftfinden im Widerstand. Taufbefehl, Glasmalerei nach Friedrich Stummel, ca. 1900, W. Derix Kevelaer und Goch, restauriert H. Derix 2001)

(Evangelium Mt 14,  22-33 Seesturm oder Mt 28,19f.)

Im Bild

Vergleichbar der Situation in Hönnepel wird in St. Peter und Paul in der hinteren Griether Kapelle des linken Seitenschiffs das Fenster passend zum dort in früheren Jahrhunderten aufgestellten Taufstein gestaltet worden sein: Dargestellt ist die Abschiedsszene vor der Himmelfahrt mit dem Taufbefehl und der Sendung in die Welt. Die verängstigte Jüngerschar ähnelt hier der Situation im Seesturm auf dem Meer aus Mt 14 sowohl in der räumlichen Enge als auch in der Zuwendung Christi zu Petrus (erkennbar an der typischen Stirnlocke), der im einzigen goldenen Gewand seinen Blick und seine Hand Jesus zuwendet. Dieser scheint auch hier segnend und zugreifend den „Felsen“ und Menschenfischer stärken zu wollen, während auch die übrigen Jünger dort ähnlich sich verhalten, sie „… fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du!“ (Mt 14,33)

Das Griether Fenster zitiert unten den Taufbefehl Mt 28, 19f. und zeigt mittig Christus deutlich hervorgehoben und im roten Gewand des Königs mit dem Kreuz im Nimbus. Die Apostel scharen sich als furchtsame kleine Herde vor der Jerusalemer Skyline eng und ängstlich um ihn, zu kleinen Gruppen geschart oder knieend. Die Fischblasen zeigen reiches gotisches Maßwerk und ein Alpha und Omega in Anklang an Offb 1,8 bzw. 21,6 und 22,13: „der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“

 

Die Botschaft

Lk 22,32 sagt: „Simon, Simon, siehe, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder! Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Jesus aber sagte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.“ Der immer wieder als „wankelmütig“ bezeichnete „Fels“, wie der Apostel Simon mit dem Zweitnamen Petrus ja von Jesus benannt wurde, wird mehrfach in den Evangelien regelrecht „vorgeführt“. Stärker kann die Zuversicht Christi in die Entwicklungskraft menschlicher Glaubensnatur nicht dargestellt werden als in solchen Kontrasten, wie es auch in der berühmten „Schlüsselszene“ in Mt 16 ist: Jesus beauftragt seinen „Vize“ und versieht ihn mit den beiden Schlüsseln zum Binden und zum Lösen (daher die Darstellung!), wonach sich gleich danach bei der ersten Ankündigung des Kreuzes die Szene mit „Tritt hinter mich, du Satan!“ (Mt 16, 23) anschließt. „Da wäre der Fels der Kirche fast zum Stolperstein für Jesus geworden“, meint Franz Kamphaus. Dagegen wirkt die dreifache Fragestellung „Liebst du mich?“ und die dreifache Beauftragung bei Johannes 21 fast zahm. Dennoch kennt auch Paulus einen unentschlossen in der Öffnung für Heiden agierenden Juden Petrus bis es beim Apostelkonzil in Apg 15 zum Handschlag zwischen Heidenchristen und Judenchristen auf die Vermittlung des Apostelschülers Barnabas kommt.

Blaise Pascal (1623-1663), der selbst seine „zweite Bekehrung“ als französischer Naturwissenschaftler beschreibt, spricht in seinen „Pensées“ am Ende des 17. Jh. von der „Größe und dem Elend des Menschen“ …

 

Stell dich in den Sturm: Du bist Petrus, der Fels (Mt 14,22-33)

 

Entsteigen will Petrus dem Boot Kirchenschiff. Und Jesus sagt „Komm!“ Nur: Das Wasser ist tief.

Der Mut sinkt schnell hin und genauso der Mann. An Jesu Hand Halt er zurückfinden kann.

Der Gegenwind gleich ihm den Glauben zerschlägt, den Jesus dann handfest im Boot neu bewegt.

Vertrauen wächst dort in Gemeinschaft ihm zu, mit Jesus im Boot hat der Zweifel schnell Ruh.

Geh, stell in den Sturm dich! Standhalten macht Sinn. Vertraue! Kehr gern dich zu Jesus tief hin!

Gen Geistwehn wend hin dich, zu Gott geh hinaus! Begegnung in Sehnsucht: Verlass dein Ich-Haus!

Sei mutig, nicht scheue der Zeit Gegenwind! Du folgst Gottes Ruf, du bist immer sein Kind.

Lass locken dich! Neugierig greife den Tag! Ideen setz um, gib der Welt deine Gab!

Was immer im Innern verseucht Hirn und Herz, fern Resignation halt, den bohrenden Schmerz!

Stell stets in den Sturm dich, gestalte die Welt! Der „Komm!“ ruft, erfrischend auf dich täglich zählt.

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