AvD-Schatzkiste

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Sonntags-Bildgedanken

Archiv Sonntagsbildgedanken 2020/2021

01. 5. Fastensonntag
02. Palmsonntag
03. Gründonnerstag
04. Karfreitag
05. Karsamstag
06. Ostern
07. Ostermontag
08. Weißer Sonntag
09. 3. Ostersonntag
10. 1 Mai
11. Marienmonat Mai
12. 4. Ostersonntag
13. 5. Ostersonntag
14. 6. Ostersonntag
15. Christi Himmelfahrt
16. 7. Ostersonntag
17. Pfingstsonntag
18. Pfingstmontag
19. Dreifaltigkeitssonntag
20. 11. Sonntag im Jahreskreis
21. 12. Sonntag im Jahreskreis
22. 13. Sonntag im Jahreskreis
23. 14. Sonntag im Jahreskreis
24. 15. Sonntag im Jahreskreis
25. Jakobustag am 25. Juli
26. 16. Sonntag im Jahreskreis
27. 17. Sonntag im Jahreskreis
28. 18. Sonntag im Jahreskreis
29. 19. Sonntag im Jahreskreis
30. 20. Sonntag im Jahreskreis
31. 21. Sonntag im Jahreskreis
32. 22. Sonntag im Jahreskreis
33. 23. Sonntag im Jahreskreis
34. 24. Sonntag im Jahreskreis
35. 25. Sonntag im Jahreskreis
36. 26. Sonntag im Jahreskreis
37. 27. Sonntag im Jahreskreis Erntedank
38. 28. Sonntag im Jahreskreis
39. 29. Sonntag im Jahreskreis
40. 30. Sonntag im Jahreskreis
41. 31. Sonntag im Jahreskreis Allerheiligen
42. 32. Sonntag im Jahreskreis
43. 33. Sonntag im Jahreskreis
44. 34. Sonntag im Jahreskreis, Christkönigsfest
45. 1. Advent
46. 2. Advent
47. 3. Advent
48. 4. Advent
49. Heiligabend
50. Weihnachten
51. 1.Sonntag nach Weihnachten
52. Neujahr
53. 2. Sonntag nach Weihnachten
54. Heilige Dreikönige
55. Taufe des Herrn
56. 2. Sonntag im Jahreskreis
57. 3. Sonntag im Jahreskreis
58. 4. Sonntag im Jahreskreis
59. 5. Sonntag im Jahreskreis
60. 6. Sonntag im Jahreskreis
61. Aschermittwoch
62. 1. Sonntag der Fastenzeit
63. 2. Sonntag der Fastenzeit
64. 3. Sonntag der Fastenzeit
65. 4. Sonntag der Fastenzeit

21. 17. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

133. Jakobus mit der Muschel. Die beiden Hälften und das Innere. (Ev.: Jakobustag 25.07.; 17. So. B)

 

Im Bild

Die Kamm-Muschel ist als Pilgerzeichen älter als die Santiago-Wallfahrt. Schon früh werteten die Buddhisten die Muschel als Symbol für gutes Geschick und eine glückliche Reise. Die Griechen wurden durch sie an die Geburt der Venus erinnert. Im Christentum gilt sie seit alters als Pilgersymbol. Und Gastfreundschaft wird auf dem Jakobsweg groß geschrieben. Der wirkliche Pilger erhält manchmal noch Geld und Brot für den Weg.

Die Jakobsmuschel diente auf der Wallfahrt dem praktischen Zweck als Schöpf- und Trinkgefäß.

  • stellte den Träger unter einen besonderen Schutz. Härteste Strafe hatte zu erwarten, wer Pilger antastete.
  • dient den Pilgern als gegenseitiges Erkennungszeichen für herzliche und fröhliche Gespräche.
  • erinnert als „Seezeichen“ an den Fischer Jakobus.
  • trägt man am Rucksack, auf der Brust, auf dem Herzen oder oben am Hut.
  • galt als Zeichen einer überstandenen Pilgerfahrt. Es war der Beweis: Ich war am „Ende der Welt“.

Warum trage ich eigentlich immer nur die eine Muschelhälfte? Die mit der Wölbung. Fasziniert mich die offene Schale? Suche ich Geborgenheit und Schutz „unter“ der Muschel? Nicht alle wissen, dass die obere Hälfte eben ist. Wie ein flacher Deckel. Der fehlt. Er bleibt im Meer eher im Boden stecken.

So fehlt oft schmerzlich manches im Leben. Manchmal bräuchte ich Deckung. Manchem fehlt die „bessere Hälfte“.

Ein Pilger übt sich ein: Ich brauche nur wenig. Ich gehe schutzlos, nicht nur gegen Regen und Kälte. Ich bin offen. Ich bin nicht „zu“ mit allem. Ich bin so frei.

Offen für viele Erlebnisse und Erfahrungen. Offen für viele Menschen und ihre Anliegen. Offen für Gott, der füllt.

„Was fehlt dir?“, fragen wir manchmal schnell dahin. Wenn ich selbst offen bin, kann ich vielen anderen das Leben füllen. Mit dem, was ihnen fehlt. Rundum schön.

„Schön bist du. Und so schlicht. Du strahlst so viel Ruhe aus. Ich drehe dich nach außen und schaue. Ich sehe die Rillen zusammenlaufen zu einem Punkt hin. Wie gemalt. Bei Milliarden Muscheln. Auf beiden Seiten Linien, die zur Mitte gehen. Viele haben den flachen Deckel nie gesehen. Alle Linien sammeln sich wie die Jakobswege. Viele Wege aus vielen Ländern nach Paris, Vézelay, Le Puy und Arles. Vier Hauptwege zum einen „Camino Francés“ ab Puente la Reina gleich hinter Pamplona. Viele Wege und ein Ziel. Viele Gespräche und ein Thema. Viele Pilger und ein Jakobus. Viele Sprachen und eine Gemeinschaft. Viele Motivationen und ein Weg. Viele Menschen und ein Gott. Alles kommt auf den Punkt.

ER ist das Alpha und das Omega. Zielpunkt und Ausgangspunkt. Ruhepol und Neubeginn. Mitte und Anfang. Deine Form, Muschel, bringt mich in Form. Deine Ruhe, Muschel, bringt mich zur Ruhe. Deine Linien, Muschel, weisen mir Wege. Deine Festigkeit gibt mir Halt. Deine Herkunft öffnet mir Horizonte. Deine Offenheit weitet mein Herz.“

 

Die Botschaft

Jakobus war der erste Märtyrer unter den Zwölf, nur darum heißt er „der Große“ oder „der Ältere“. Seine Verkündigung in Spanien muss wenig Erfolg gezeigt haben, die Gottesmutter (als „Madonna del Pilar“) musste ihn in Zaragossa trösten, dass die Saat aufgehen wird. Das von Jesus den Boten vorausgesagte Schicksal erleidet er wie später Paulus:

„Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.“ (2 Kor 4,7–10)

Auch die dünneren Jakobsmuscheln scheinen nur zerbrechlich, sind aber sehr stabil und halten viel Druck aus. Im Innern bildet der weiße Muskel, der sich gegen den Wasserdruck beim Ein- und Ausatmen stemmt, später eine Delikatesse.

„Da liegt ihr vor mir. Ihr seid stark und zerbrechlich. Ihr seid stabil und hauchdünn. Ihr seid steinhart und verwundbar. Ihr glänzt und seid vergänglich. Ihr seid uralt und springt schnell in Stücke.

So ist es mit mir: Ich habe starke und schwache Tage. Ich bin außen hart und innen weich. Ich bin obenauf und dann wieder geknickt. Einmal hab ich alles – und dann ist alles nichts. Mein stabiles Leben ist ganz plötzlich brüchig. Da gibt es manchmal Bruchstellen und Knackpunkte. ER fügt meine Scherben so oft wieder zusammen. ER heilt die zerbrochenen Herzen. Muschel, gib mir Mut, zu IHM zu gehen. Ich bin ja noch Pilger!“

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22. 18. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

134. Fünf Brote und zwei Fische. Tabernakel St. Peter und Paul Grieth: Pyxis aus Silber mit Emaille-Arbeit ca. 1975, Wilhelm Polders, Kevelaer (?); Ziborium ca. 1890 mit Kelchvelum und Engelzeichnungen. (Evangelium: Brot-Rede Joh 6; 18. So. B)

 

Im Bild

Unter dem bedeutenden, im 15. Jh. in Eiche ausdrucksvoll geschnitzten Mittelteil des Griether Passionsaltars befinden sich im Tabernakel in der Regel das von einem Velum umhüllte Ziborium mit den geweihten Hostien aus der heiligen Messe sowie eine eigens für die große Hostie der Monstranz gefertigte Hostiendose (Pyxis), die schon einen Einschub enthält für die Schauhostie zum Einbringen in die Griether Turmmonstranz. Die Engel auf der Tabernakel-Tür und als Schmuck auf dem Velum sprechen vom „Brot des Himmels“, von der „Himmelsspeise“ oder vom „Brot der Engel“: Letzterer Titel (lat. „panis angelicus“) entstammt der fünften Strophe eines Sakramentsliedes des Thomas von Aquin. Während der Kreis von der Unendlichkeit Gottes spricht, können die drei roten Fische auf der Pyxis einen Hinweis geben auf das Zueinander innerhalb der Dreifaltigkeit Gottes. Auch im Innern bilden sich drei kleine ineinander gelegte Kreise.

 

Die Botschaft

Vom 17. bis 21. Sonntag wird im Jahreskreis B der Leseordnung der Sonntage das große Kapitel 6 der so genannten „Brotrede“ des Johannesevangelium eingefügt, was der zeitgleichen Erntezeit bei uns entspricht und der Tatsache geschuldet ist, dass das Markus-Evangelium mit seinen 16 Kapiteln gegenüber den beiden anderen Matthäus und Lukas zu wenige Textstücke für alle Sonntage außerhalb der Festkreise um Weihnachten, Ostern und Pfingsten enthält. Johannes berichtet dort die Brotvermehrung aus den fünf Gerstenbroten und den zwei Fischen eines kleinen Jungen, den der Apostel Andreas entdeckt hat, sowie dann die Auseinandersetzung und das „Murren“ über die göttliche Bedeutung des von Jesus gestifteten Bundesbrotes, das dem Murren der Israeliten über das Wüstenmanna entspricht.

Fisch und Brot aus der Brotvermehrung wurden schon früh auf die Eucharistieversammlung gedeutet: Christen versammelten sich zum Brotbrechen nach dem Auftrag Jesu in mit einem Fisch als Geheimzeichen gekennzeichneten Haus. Dabei bedeuten die fünf Buchstaben des griechischen Wortes „Ichthys-Fisch“: „Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Retter“. Zu diesem Credo bekennen sich vielleicht unbewusst alle die, die mit einem Fisch-Zeichen am Heck ihres Autos auf den Straßen unterwegs sind.

1. Die Pyxis und das Kelchvelum „verbergen“ die Brotgestalt, die ja in sich schon ein verborgenes heiliges Zeichen (Sakrament) ist: Gott immer neu zu suchen, ist der Christen Auftrag. Keiner kann sagen: Ich habe Gott gefunden. Der kleine Knabe Jechiel, erzählt Martin Buber, kam enttäuscht vom Versteckspielen zum Rabbi zurück: „Keiner will mich suchen.“ „Ja“, sagte der Rabbi, „das sagt Gott auch: Ich verberge mich und keiner will mich suchen!“

2. Die Pyxis zeigt Hinweise auf die Dreifaltigkeit und das Ziborium auf die Engelwelt: Christus in der Eucharistie zu begegnen, heißt die Himmelswelt sich zu eröffnen. Jesus will gerade durch ein Lebens-Mittel Mittler sein zwischen irdischem und himmlischem Denken, zwischen Mensch und Gott. Welch ein Horizont öffnet sich uns!

3. Wieder einmal erden die Fische die heilige Handlung: Jesus sucht die Welt der Arbeit am See auf. Jesus nutzt nicht Studierte, sondern Fischer: Die Gottesnähe ist jedem angeboten, der sein Herz öffnet, vorrangig sogar den Armen und den Sündern. Jesus traut der Netzwerkkraft einfacher Leute mehr zu als den Schriftgelehrten und Pharisäern.

4. Was werden die zwölf Jünger mit den zwölf Körben gemacht haben? Eucharistiefeier muss einen „Überfluss“ an Liebe haben, einen Mehrwert für andere außerhalb der Kirche (und das vielleicht im doppelten Sinn des Wortes).

Die Kollekte für andere, das Fürbittgebet für die Welt, das Gedenken für die Verstorbenen, der Vorsatz zum Handeln aus Liebe aus der Predigt: „Geht hin in Frieden!“ meint nicht: „Geht aufs Sofa mit fromm gefalteten Händen.“

5. „Eucharistie“ heißt: Dankfeier für alle guten Geschenke Gottes in der Woche. „Kommunion“ heißt „Gemeinschaft“ auch mit denen, die unsympathisch, jünger oder älter, ärmer oder reicher sind. „Hostie“ heißt „Gabe“ im Gedenken an die passionsreiche Hingabe Jesu am Kreuz. „Heiliges Brot“ weist auf die wöchentliche Stärkung, die Jesus uns im Sonntagsgottesdienst anbietet. „Allerheiligstes“ im Tabernakel neben dem „ewigen Licht“ lässt uns mit der Kniebeuge das Göttliche im Alltag unterscheiden und verehren. „Himmelsspeise“ lässt uns hören auf die Worte Jesu: „Ich bin das Brot des Lebens“ und „Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel“: Der Bezug zum Mannaregen in der Wüste klingt an aus den Hungerzeiten der Wüstenwanderung, damit wir uns nicht mit Vorläufigem „abspeisen“ lassen, sondern ewig Gültiges suchen. Wie war das mit dem Fisch: „Jesus Christus ist Gottes Sohn, unser Retter.“

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23. 19. Sonntag im Jahreskreis

24. 20. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

47. Umgang mit Toten. Marientod, Hochaltar St. Nicolai Kalkar, Jan Joest, ca. 1508

(Schrifttexte Jak 5, 14f; 1 Thess 4, 13-18; 1 Kor 15, 20-27; 2 Kor 5, 1-10; Messtexte 15. August: Mariä Himmelfahrt)

 

Im Bild

- Ins Bild gebracht ist die Glaubensüberzeugung, dass Maria nach Christus als Ersterlöste „mit Leib und Seele“ in den Himmel aufgenommen wurde.

- Die Apostel kommen nach der Legenda Aurea aus aller Welt zurück ins (mittelalterliche) Sterbehaus Marias.

- Maria , leichenblass im blauen Gewand auf einem roten Totenbett, wird hier fast als Auf(er)stehende dargestellt. Im Querformat-Bild aus dem Kalkarer Antonius-Altar von 1460, das Jan-Joest kannte, ist dies noch anders.

- Die kostbare Agraffe über Maria enthält das „Lamm mit der Siegesfahne“ als Zeichen für Christus, der ihre Seele entgegennimmt wie es die Legende berichtet.

- Die Jünger zeigen, was man bei Sterbenden tut: Sie halten das christliche Sterbegebet zur Begleitung der Seele in den Himmel: Petrus mit kostbarem Chormantel leitet das Gebet. Einer bringt ihm gesegnetes Weihwasser. Johannes reicht die Sterbekerze. Bartholomäus pustet ins Weihrauchfass. Einige vergießen Tränen, andere beten, zeigen ihre Nähe. Einer mit Brille liest aus der Bibel.

- Im Bildvordergrund sind drei verschiedene Trauerformen in den größeren Apostel dargestellt, während wie im Pfingstbild die anderen Köpfe im Bildmittelgrund wieder fast auf einer Höhe stehen.

- Zwei vorne beten Rosenkranz:  Der rechts am kostbaren Gewand (Hirsche/„Herten“) erkennbare Klever Herzog verehrt fromm die Patronin seiner Liebfrauen-Bruderschaft (vgl. Mose-Bild). Der Apostel mittig uns zugewandt im grünen Gewand ist Jacob de Ridder, internationaler Dominikaner-Theologe aus Kalkar und 1506 zum Weihbischof geweiht und 1529 im Dominikanerkloster beigesetzt: Er zeigt demonstrativ den Rosenkranz. Bis heute heißt eine Form des Nachbarschaftsgebets am Vorabend der Beerdigung „Rosenkranz“. Es war der Kartäuser-Prior und weit gereiste Theologe aus Kalkar Heinrich Eger (1368-1408), der die 5x10 Gegrüßet-seist-du-Maria als Rosenkranzform ausbildete. Kalkar schloss sich 1500, also kurz vor der Entstehung der Hochaltarflügel, den Rosenkranzbruderschaften an, die in Köln 1475 entstanden. Gerade die Dominikaner propagierten stark das Laiengebet: Maria persönlich habe Dominikus den Rosenkranz überreicht. Rosenkranz war also „modern“!

Gerade der glorreiche Rosenkranz spricht von Auferstehung und Himmelfahrt, aber insbesondere auch von der Aufnahme und Krönung Marias. Dieser „Jünger“ „Jacob de Ridder“ scheint (durch das Rosenkranzgebet) stärker getröstet als die anderen weinenden Jünger und schaut nach oben „zum Licht“.

 

Die Botschaft

Man muss die Hervorhebung der Patronin Maria im Hochaltar der Liebfrauenbruderschaft neben den Darstellungen der Christusgeheimnisse wahrnehmen: Auch das Fest Mariä Himmelfahrt soll als letztes nach den Bildern der Verkündigung, der Heimsuchung, der Geburt, der Beschneidung, der Darstellung, der Passion und Kreuzigung, der (nichtbiblischen) Teilnahme bei der Himmelfahrt Jesu und des Gebets der Jünger mit Maria am Pfingsttag präsentiert werden. So gab es zu allen Jahresfesten der Bruderschaft entsprechende Bilder im Hochaltar.

Zwei weitere wichtige Bezüge sind die Darstellung christlicher Sterbebegleitung sowie die Empfehlung zum Rosenkranzgebet mit Sterbenden und Trauernden.

Erinnert sei dabei an diese beiden Schriftstellen neben allen Auferstehungsdeutungen der Apostelgeschichte und der Apostelbriefe:

Mk 3,31-35: „Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

Jak 5,14f : „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“

In diesem Bild spürt man den Geist der Devotio moderna zur geistlichen Vertiefung in biblisches Geschehen.

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25. 21. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

38. In der Wüste nicht allein. St. Antonius-Gemälde in Kalkar-Hanselaer, Meister Jan 1622. Foto: Jens Hofmann,  Bonn

(Evangelium 22 So. B Mk 7, 1-8.14-15-21-23)

 

Im Bild

So wie vorn Barbara und Katharina in das Patronat der ehemaligen Klever Stiftskirche auf dem Monreberg passen, könnte das Bild mit dem Monreberg im Hintergrund diese Herkunft haben, obwohl die beiden im Bild genannten Stifter Ard Poiters und Sibiester van Hemsekoy  in Kalkarer Urkunden bisher nicht aufgetaucht sind. Ein ovales Tondo ist in barocker Zier von vier Vignetten umgeben mit Szenen aus der Antonius-Legende: Gespräch mit dem Einsiedler Paulus, Sterbebett sowie das von bösen Geistern Hinweggehobenwerden des Leichnams. Im Zentralbild betet der Heilige vor einer Kapelle. Er ist erkennbar an seinen Zeichen: Bart für sein hohes Alter von 105 Jahren, Glocke für das Klingeln der Pestkranken, wenn Gesunde in ihre Nähe kamen; der Stab des Einsiedlers, oft als Taustab gestaltet; das Schwein für die Anrufung bei Schweinekrankheiten und wegen der Sorge der Antoniter um die Armen, die am 17. Januar Schweine schlachteten. Umgeben ist er von den Teufeln z.T. in Menschgestalt Stolz, Gier, Habsucht, Unzucht etc., die an ihm zerren. Aber Jesus hat Recht: Versuchbar ist der Mensch, wenn er seine inneren Einstellungen nicht im Griff hat. Ein gottgeprägtes, starkes (Ge-)Wissen schützt vor Fehlverhalten.

 

Die Botschaft

Kreuzstab, Bibel, Schwein

Antonius hilft himmlisch und irdisch

 

Deine Ruhe möcht ich haben,

heiliger Antonius.

Siebzig Jahre Wüstenstille

brachten dir nicht Überdruss.

Du kannst geben viele Gaben,

Armut brachte Reichtum dir.

Als dich Evangeliums Wille,

Gottes Ruf, traf, sprachst du: Hier!

 

Arme haben deine Habe

reichlich angenommen gern.

Mönch begehrtest du zu werden,

Wüste zog hinaus dich fern;

trugst das Kreuz hoch auf dem Stabe,

nahmst nichts als die Bibel mit,

als Einsiedler wollst gebärden

sinnend du dich Schritt für Schritt.

 

Stille Böses ließ aufsprießen

in dir und um dich herum.

Die Gefühle, die Gedanken,

nein, der Teufel blieb nicht stumm.

Gottes Kraft und Ruhe ließen
siegen dich im harten Mühn.

Was auch einbrach, nicht ins Wanken
kamst du. Gottes Geist konnt’ blühn.

 

Dir die Bibel liegt am Herzen,

liest fürs Leben mit Gewinn.

Sie ist Zentrum dir und Mitte,

Gott hörst du und findest Sinn.

Die Passion und Jesu Schmerzen
hältst du mit dem Kreuzstab hoch.

Dass ER Maßstab bleibt: Die Bitte
möchte gern erflehn ich doch,

 

dass bewahr ich Kreuzaufblicke,

spür Erlösung, „Plus“ und „Tau“*,

weiß um Gottes Geist von oben,

werd im Beten nicht zu lau.

Dass mir Bodenhaftung glücke,

dazu hilft der Blick aufs Schwein.

Schweinerei’n sind nicht zu loben,

Schwein scheint mehr der Mensch zu sein.

 

Dorfbewohner gaben Armen
Schweinefleisch, auch Kleidung, Brot.
Du hilfst uns zur Menschenliebe
alltags, nicht nur dort, wo Not.

Sankt Antonius, hab Erbarmen,

schenk uns hoch den Himmelsblick
und dass auf der Erde bliebe
jeder menschlich ein gut Stück

 

*) Tau – T: für gr. Tapeinos = Diener; bei Ezechiel und in der Offenbarung des Johannes ist „Tau“ das Zeichen der Geretteten auf der Stirn.

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26. 22. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

38. In der Wüste nicht allein. St. Antonius-Gemälde in Kalkar-Hanselaer, Meister Jan 1622. Foto: Jens Hofmann,  Bonn

(Evangelium 22 So. B Mk 7, 1-8.14-15-21-23)

 

Im Bild

So wie vorn Barbara und Katharina in das Patronat der ehemaligen Klever Stiftskirche auf dem Monreberg passen, könnte das Bild mit dem Monreberg im Hintergrund diese Herkunft haben, obwohl die beiden im Bild genannten Stifter Ard Poiters und Sibiester van Hemsekoy  in Kalkarer Urkunden bisher nicht aufgetaucht sind. Ein ovales Tondo ist in barocker Zier von vier Vignetten umgeben mit Szenen aus der Antonius-Legende: Gespräch mit dem Einsiedler Paulus, Sterbebett sowie das von bösen Geistern Hinweggehobenwerden des Leichnams. Im Zentralbild betet der Heilige vor einer Kapelle. Er ist erkennbar an seinen Zeichen: Bart für sein hohes Alter von 105 Jahren, Glocke für das Klingeln der Pestkranken, wenn Gesunde in ihre Nähe kamen; der Stab des Einsiedlers, oft als Taustab gestaltet; das Schwein für die Anrufung bei Schweinekrankheiten und wegen der Sorge der Antoniter um die Armen, die am 17. Januar Schweine schlachteten. Umgeben ist er von den Teufeln z.T. in Menschgestalt Stolz, Gier, Habsucht, Unzucht etc., die an ihm zerren. Aber Jesus hat Recht: Versuchbar ist der Mensch, wenn er seine inneren Einstellungen nicht im Griff hat. Ein gottgeprägtes, starkes (Ge-)Wissen schützt vor Fehlverhalten.

 

Die Botschaft

Kreuzstab, Bibel, Schwein

Antonius hilft himmlisch und irdisch

 

Deine Ruhe möcht ich haben,

heiliger Antonius.

Siebzig Jahre Wüstenstille

brachten dir nicht Überdruss.

Du kannst geben viele Gaben,

Armut brachte Reichtum dir.

Als dich Evangeliums Wille,

Gottes Ruf, traf, sprachst du: Hier!

 

Arme haben deine Habe

reichlich angenommen gern.

Mönch begehrtest du zu werden,

Wüste zog hinaus dich fern;

trugst das Kreuz hoch auf dem Stabe,

nahmst nichts als die Bibel mit,

als Einsiedler wollst gebärden

sinnend du dich Schritt für Schritt.

 

Stille Böses ließ aufsprießen

in dir und um dich herum.

Die Gefühle, die Gedanken,

nein, der Teufel blieb nicht stumm.

Gottes Kraft und Ruhe ließen
siegen dich im harten Mühn.

Was auch einbrach, nicht ins Wanken
kamst du. Gottes Geist konnt’ blühn.

 

Dir die Bibel liegt am Herzen,

liest fürs Leben mit Gewinn.

Sie ist Zentrum dir und Mitte,

Gott hörst du und findest Sinn.

Die Passion und Jesu Schmerzen
hältst du mit dem Kreuzstab hoch.

Dass ER Maßstab bleibt: Die Bitte
möchte gern erflehn ich doch,

 

dass bewahr ich Kreuzaufblicke,

spür Erlösung, „Plus“ und „Tau“*,

weiß um Gottes Geist von oben,

werd im Beten nicht zu lau.

Dass mir Bodenhaftung glücke,

dazu hilft der Blick aufs Schwein.

Schweinerei’n sind nicht zu loben,

Schwein scheint mehr der Mensch zu sein.

 

Dorfbewohner gaben Armen
Schweinefleisch, auch Kleidung, Brot.
Du hilfst uns zur Menschenliebe
alltags, nicht nur dort, wo Not.

Sankt Antonius, hab Erbarmen,

schenk uns hoch den Himmelsblick
und dass auf der Erde bliebe
jeder menschlich ein gut Stück

 

*) Tau – T: für gr. Tapeinos = Diener;

bei Ezechiel und in der Offenbarung des Johannes ist „Tau“ das Zeichen der Geretteten auf der Stirn.

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27. 23. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

137. Befreit. Antonius-Altar St. Nicolai Kalkar um 1460, unbekannter Maler (Wesel vor Derick Baegert?)

Bild: LVR

(Evangelium 23. So. B: Mk 7, 31-37; Jes 35, 4-7; Jak 2, 1-5 Heilung der Blinden, Tauben und Lahmen)

Im Bild

Auf dem rechten Flügel des Antonius-Altars in St. Nicolai breitet Antonius in Gemeinschaft mit dem Eremiten Paulus eine segnende Hand über zwei gefesselte Kranke aus, aus deren Auge, Ohr und Mund kleine Teufel entweichen. Diese blicken mit Zorn auf den Mönchsvater. Trotz der Fesseln erheben die Kranken ihre Hände betend zum Heiligen und laden dadurch die Bildbetrachter ein, den Heiligen zu verehren und anzurufen.

Die Botschaft

„Ich sitze fest.“ – „Ich bin von der Krankheit gefangen.“ Manche Kranke heutiger Zeiten fühlen sich „ans Bett gefesselt“. Dies gilt nicht nur für körperlich Kranke, sondern genauso viel für psychisch Angeschlagene. Dass psychische Krankheiten schwerer zu fassen und zu heilen sind als körperliche, wussten frühere Zeiten, kannten aber weniger die Ursachen oder benannten sie mit „Dämonen“, Teufeln, Hexen …

Die Szene erinnert stark an das Gespräch der Dämonen mit Jesus bei der Heilung des Besessenen von Gerasa in Mk 5 oder an die Heilung des Taubstummen in Mk 7, 31-37: „danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.“ Im Bild wird die Fessel der Krankheit konkret dargestellt, was aber auch darauf verweist, dass man sich in früheren Zeiten oft nicht anders helfen konnte, als psychisch Kranke und Aggressive zu fesseln zum Schutz für die Gesunden und zum Selbstschutz für die Kranken, damit sie sich nicht verletzten oder ins Feuer stürzten: Deutlich wird dies in Mk 9, 14ff geschildert. Das Kapitel endet: „Diese Art kann nur durch Gebet (- an anderer Stelle - und Fasten) ausgetrieben werden.“

In der Lebensbeschreibung des Heiligen Antonius, der in der Wüste Ägyptens nach Bezwingen der auf ihn einwirkenden teuflischen Versuchungen zum Beter, Bibelleser, Berater und Begründer des Mönchtums wird, heißt es:

„Mit den Leidenden litt er und betete gemeinsam mit ihnen. Oft und in vielem erhörte ihn der Herr. Wenn er erhört wurde, rühmte er sich nicht, und wenn er nicht erhört wurde, murrte er nicht, sondern immer dankte er dem Herrn. Er bat die Leidenden, Geduld zu haben und zu verstehen, dass die Heilung weder von ihm noch überhaupt von den Menschen ausgeht, sondern allein von Gott, der sie vollbringt, wann er will und an wem er will. Die Leidenden nahmen schon die Worte des Greises wie Heilung auf und lernten, nicht kleinmütig sondern tapfer zu sein. Den Geheilten aber wurde zu verstehen gegeben, dass sie nicht Antonios, sondern Gott zu danken hätten.“ (aus: Hans Hanakam, Antonios der Große, Stern der Wüste, Freiburg 1989, S. 45f.)

„Der Heilige Geist lehrt den Verstand, alle Krankheiten der Seele zu heilen; lehrt ihn, aus ihr zu entfernen eine jede Leidenschaft, die sie wegen der natürlichen Beschaffenheit des Leibes befallen hat. … Der Geist leitet die Augen an, gut und lauter zu blicken und von Ungehörigem frei zu sein. Sodann auch die Ohren, damit sie friedvoll hören. Ferner einigt der Geist den Mund … Ferner die Tätigkeit der Hände … so verleiht Ihnen nun der Geist durch Gebet die nötige Kraft zur Lauterkeit und zu Werken der Barmherzigkeit … Darauf läutert der Geist das Essen und Trinken des Leibes, auch wenn dieser darin einst unersättlich war …“

Antonius zitiert 1 Kor 10, 31: „Ob ihr also esst odertrinkt oder was immer ihr tut, - tut alles zur Ehre Gottes!“ und Kol 3, 5: Darum tötet, was irdisch an euch ist: Die Unzucht, die Leidenschaft, die Begierde nach dem Bösen …“ „So soll der ganze Leib verwandelt werden und sich der Herrschaft des Geistes unterstellen …“ (ebd. S. 139 ff.)

- Das Evangelium in Mk 7, 31 ff. beschreibt, dass Menschen aus der Umgebung die Kranken zu Jesus brachten und damit ihren Glauben Jesus zeigten: Das solidarische Beten für die Kranken sollte zu unserem Alltag, zu unseren Fürbitten, zu unserem Abendgebet gehören. Dabei dürfen wir Gott auch Namen nennen …

- Jesus bittet darum, die Heilung nicht herum zu erzählen: Er will nicht vor der Zeit für sein Tun verhaftet oder als Gotteslästerer verleumdet oder gekreuzigt werden. Die heilende Wirkung Gottes an unserer Seele oder an anderen Menschen bedarf keiner Selbstdarstellung, keines Wunderberichts, keiner Berichterstattung: Gott wirkt im Stillen mehr als wir uns ausdenken. Den Armen zuerst gilt das Reich, der Reichtum Gottes!

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28. 24. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

138. Der leidende Menschensohn. „Christus auf dem kalten Stein“ oder „Christus in der Rast/Not“, St. Nicolai Kalkar, Meister des Kalkarer Annenaltars um 1520?. Bis 1804 im Dominikanerkloster Kalkar

(24. So. B: Jes 50, 5-9a; Mk 8, 27-35)

 

Im Bild

Verwandt dieser in Burgund und Brabant um 1500 im Geist der devotio moderna vielfach anzutreffenden Vorkreuzigungsszene sind das aus Kalkar nach Nymwegen-Neerbosch gelangte, noch farbig originale Passionskreuz aus der Dominikanerkirche sowie der gleichfalls von dort stammende Annenaltar in St. Nicolai, wonach der unbekannte Schnitzer monumentaler Figuren seinen Namen hat. Selten ist der sonst in sich zusammengesunken sitzende und meist gefesselte Christus so aufrecht und auf eine Felswand gestützt dargestellt worden. Die hohe Expressivität der Passion kommt renaissancehaft zum Ausdruck in der den Kopf nicht berührenden Rechten, in der schmerzverzerrten, verdrehten Linken sowie im Gesichtsausdruck unter der doppelten Dornenkrone. Hintergrund dieser Figur ist auch der auf dem Mist sitzende, von Tod, Krankheit und Verlusten an Geld und Freundschaft geplagte klagende und mit seinen Freunden lamentierende Hjob.

Im Zuge der leider um 1900 abgewaschenen, sicher auch blutreichen Farbgebung wurde die linke Hand durch eine brave mit einem Rohrstock ersetzt, was Guido de Werd 1997 rückgängig machen konnte. Diese Figur ist der äußerst betrachtenswerte Mittelpunkt der von Ferdinand Langenberg um 1900 ausdrucksvoll gestalteten Kreuzwegkapelle in der nördlichen Turmkapelle von St. Nicolai.

 

Die Botschaft

Steht er oder sitzt er? Setzt er sich oder steht er gerade auf? Oder ist hier genau das Aufbegehren und das Auf–(er)-stehen gegen das von Menschen zugefügte Leid das Thema? Fast nackt und seiner Kleider beraubt scheint der geschundene, dornenbekrönte Christus auf seine unausweichliche Kreuztragung und Kreuzigung zu warten. In sich gekehrt und völlig geschwächt stützt er sich am Felsen ab. „Jesus wird seiner Kleider beraubt. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst“ möchte man wie bei der Kreuzwegbetrachtung beten. Aber dies ist mehr als man auf traditionellen Kreuzwegtafeln sieht.

Eindrücklich beschreibt Thomas von Kempen (1380-1471) in seinen Betrachtungen des Leidensweges Jesu den inneren Schmerz des Herrn über die Schuld der Menschen: „Bedenk es, o Seele, was dein Herr gelitten hat …“

Petrus hat in seiner Naivität einen solchen Passions-Heiland nicht auf dem Schirm, müsste aber die eindrucksvollen Texte der „Gottesknechtslieder“ aus Jesaja kennen, die wir in den Kartagen lesen: „Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.“ (Jes 50, 6f.) Wenn Jesus eine „Happy-end“-Vorstellung bei Petrus als Teufelswerk kennzeichnet, spricht er deutliche Worte.

Solche Texte, mitten im Sommer gelesen, stellen sich uns quer und verhageln uns vielleicht unsere liebliche Jesus-Vorstellung. Aber sein Kreuz ist gerade unser „Plus“! Auch mitten im Sommer sollten wir z.B. beim Abendgebet auf das Zeichen unserer Erlösung, besser auf die Leidensbereitschaft unsres Erlösers schauen. „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“ Nicht umsonst ist das Kreuz das am häufigsten gezeigte Christusbild. Welch ein Pluspunkt!

 

Nach „Ich will dich lieben“, GL 358

1. Der Ölbergweg führt dich ins Dunkel, / das Abendmahl liegt hinter dir. Du rufst nach Gott, aufs Knie gesunken, / den Deinen sagst du: „Bleibt bei mir! Bleibt hier und betet, wacht, schlaft nicht!“ / Vielleicht zeigt Gott im Leiden Licht.

3. Du, Gottesknecht, stehst da geschlagen, / die Worte schmerzen schlimmer dich. Du stehst allein und ohne Klagen / dort vor Pilatus im Gericht. Der Judaskuss, Petrus Verrat / dich wohl noch mehr getroffen hat.

4. Dass alles Heil, das du gegeben, / vergessen hat der Menge Spott, dass du hingibst dein ganzes Leben, / nichts zählt, man will nur deinen Tod, dass deine Güt nicht achte ich, / schmerzt an der Geißelsäule dich.

7. Den Kreuzesbalken nimmst du an dich, / das Kreuz nimmst an du ganz bewusst, und so nimmst du auch leidend an mich: / Du spürst, was du erreichen musst. Auch mein Heil trägst du mit hinauf, / wenn du nach Golgota schaust aus.

10. Dein Kreuz steckt tief in unsrer Erde, / dein Kreuz ragt in den Himmel weit.  Ach, dass die Welt zu dir sich kehrte, / säh deine Menschenfreundlichkeit, säh die Passion, die Leidenschaft, / mit der den Kreuzweg du geschafft!

 

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29. 25. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

103. Das Kind im Manne. Hochaltar St. Nicolai, Meister Arnt van Zwolle 1490, Eiche

(Evangelium: 25. So. B Weish 2, 1a.12.17-20; Mk 9, 30-37)

Im Bild

Meister Arnt und Meister Lodewich haben im eiche-geschnitzten Hochaltar von St. Nicolai im Passionsgeschehen sieben Kinder aufgenommen, die am Kreuzweggeschehen teilnehmen. Vier begleiten die weinenden Frauen. Der Bildausschnitt zeigt zwei weitere mit dem Rücken zum Betrachter unterhalb der Ohnmachtsszene Marias, die am Rand des Weges zuschauen. Ein siebtes steht am Beginn des Zuges frontal gezeigt in ganzer Größe zwischen der Kreuz tragenden Gruppe und den voranreitenden, prächtig inszenierten Pilatus und Kajaphas. Dieses adrett gekleidete Kind erhebt seine Rechte zum Steinwurf auf den Verurteilten. Dass sogar Kinder aufgehetzt wurden gegen den Erlöser, ist in der Kunst nur an wenigen Stellen dargestellt. Ist unsere Zeit besser, wenn wir Kindern den natürlichen Jesusglauben vorenthalten und Jesus zur Bedeutungslosigkeit verurteilen und „neu kreuzigen“?

Die Botschaft

Menschenskind in Bethlehem

Wen bringst du nicht alles in Bewegung

Maria und Josef und die Hirten und die Könige

Die Bibelschreiber und die Zeitrechnung

Die Krippenbauer und die Weihnachtsfeiern

Die Beter und die Weihnachtseinkäufer

Die Maler und die Theologen

Die Friedenswilligen und die Weltkirche

Die Familien und die Engel

Und mich, Menschenskind

Ich? Kindbewegt? Kindangeregt?

Ich? Zum Kind geführt? Vom Kind verführt?

Ich? Kinderleicht? Mit Kindesaugen?

Ich? Kindlich lächeln? Kindlich Herz?

Menschenskind. Gottesgeschenk. Spiegelbild

Rollentausch Gotteskind Menschenkind

Und er stellte ein Kind in ihre Mitte

Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder

Wer das Himmelreich nicht aufnimmt wie ein Kind

Ich? Fassen mit Kinderhänden

Ich? Schauen mit großen Augen

Ich? Dich in die Arme nehmen

Ich? Staunend dich hören

Ich? Dankbar lächeln

Ich? Fröhlich dir singen

Ich? Spielend begreifen?

Ich? Kindlich beten?

Menschenskind sucht Menschenkind

Sucht Kindmenschen. Sucht Kindohren

Sucht Kindaugen. Sucht Kindherzen

Sucht Gotteskinder. Er das Menschenkind

Menschenskinder, wer hat die Kinder gemordet

Wer hat den Kinderglauben sterben lassen

Wer tötete das Kind im Manne

Wer tilgte die Kinderträume

Wer stahl die Wahrheit aus dem Kindermund

Wer nahm mir den kindlichen Sinn, Menschenskinder

  • Aus dem Mund der Kinder schaffst du dir Lob. (Ps 8, 3)
  • Als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. (Spr 8, 30)
  • Ich war ein begabtes Kind und hatte eine gute Seele erhalten. (Weish 8, 19)
  • Wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir. (Ps 131, 2)
  • Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Ich will euch in der Furcht des Herrn unterweisen. (Ps 34, 12)
  • Du hast mit starkem Arm dein Volk erlöst, die Kinder Jakobs und Josefs. (Ps 77, 16)
  • Denn er hat die Riegel deiner Tore fest gemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet. (Ps 147, 13)
  • Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen. (Ps 149, 2)

Menschenskind, ich darf wieder Kind sein

Ich darf ein Kind sein

Ich darf sein Kind sein

Kinder bringen Große zusammen

Kinder sagen die Wahrheit

Kinder verstehen alles

Kinder haben großen Hunger

Kinder können selig schlafen

Kinder sind seine Kinder

Kinder sind etwas ganz Großes

Gotteskinder. Menschenskinder!

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

 

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30. 26. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

110. Gemeinsam für Jesus. Der Apostel Johannes am Sakramentshaus in St. Nicolai Kalkar, Steinfigur um 1450,

neue Fassung von 1850 (Evangelium 26. So. B Mk 9, 38-48)

 

Im Bild

Der in der Tradition der Kirche immer identifizierte jugendliche Apostel und Evangelist Johannes findet sich in der Nicolai-Kirche häufig: Im Kreuzweg von Ferdinand Langenberg, in den Bildern von Jan Joest und Derick Baegert, in der Predella des Marienaltars und natürlich in voller Größe im Johannes-Altar von Arnt van Tricht. Guido de Werd spricht bei dieser ältesten Darstellung von einer burgundischen Steinmetztradition aus der Zeit um 1400, die hier noch um 1450 zum Tragen kommt. Maria und Johannes rahmen über dem Tabernakel im Sakramentshaus wie unter dem Kreuz die Figur des Christus als Weltenheiland (Salvator). Die reiche Fassung des 19. Jh. scheint die farbenfrohe Präsentation des Mittelalters nachzuempfinden. Der jugendliche „Lieblingsjünger“ des Johannesevangeliums mit den schön gelockten Haaren zeichnet ein Segenskreuz über einen reich verzierten Kelch, mit dem ihm nach dem Bericht der „legenda aurea“ des Jacobus de Voragine ein Gifttrunk gereicht wurde. Das Kreuz Christi bewahrt ihn und eine Schlange entweicht dem Kelch, wie man es deutlicher im Altar des Arnt van Tricht sieht. Die Tatsache, dass er mit der Linken den Kelch unter Benutzung des Gewandes als „Velum“ ergreift, weist einerseits auf das kostbare goldene Gefäß (wie ähnlich beim Ergreifen von kostbaren Bibeln) und andererseits auf den eucharistischen Kelch mit dem Blut Christi der Messfeier.

 

Die Botschaft

Wenn man im Neuen Testament Stellen zum Apostel Johannes finden will, muss man schon genau hinschauen: Der Täufer Johannes wird auch von Jesus selbst gern zitiert und mit Lob für sein Zeugnis Vorgestellt. Den Sohn des Zebedäus und der Salome und Bruder des Jakobus des Älteren findet man beim Thema Verklärung und beim Streit um die ersten Plätze im Himmel, wo die beiden als „Donnersöhne“ von den anderen schief angesehen werden. Im ganzen Johannesevangelium wird sein Name nicht genannt, weshalb viele den Evangelisten selbst dahinter vermuten. Da dort immer vom „Jünger, den Jesus liebte“ gesprochen wird, der bis unter dem Kreuz treu bleibt, bekommt er zudem in der Bilddarstellung immer auch ein junges Gesicht, da das Johannesevangelium erst um das Jahr 100 n. Chr. herausgegeben wurde.

Dass bei Markus im 9. Kapitel Johannes es ist, der das Problem der Dämonenvertreibung durch von Jesus nicht Autorisierte vorträgt, habe ich bisher übersehen: Und Jesus zeigt ein weites Herz und kann dies von anderen zulassen, wenn es in seinem Namen geschieht: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns!“ Andererseits zeigt er sich streng bei der Eigenkontrolle des Jüngers, wenn er in sich geteilt ist oder der Jünger-Einsatz halbherzig bleibt.

Jesus macht sehr deutlich: Das Dämonische gibt es in jedem von uns. Böse sind nicht nur die anderen. Auch im noch so frommen Christenmenschen sehen wir das Böse am Werk. Wir sind sehr schnell innerlich zerrissen, wir sind dann mit dem Kopf „nicht bei der Sache“, neigen zu abwertenden Gesten mit den Händen, zu „Seitenblicken“ mit den Augen, zu „Fehltritten“ mit den Füßen, zu „bösen Gedanken“ im Herzen: Jesu Aufforderung, lieber ohne bestimmte Körperteile in den Himmel einzugehen, klingt drastisch, ist aber deutlich: So bleibt der Rat zur intensiven Eigenwahrnehmung im Gebet.

„Herr, du kennst mich. Ich bin weder ganz gut noch ganz schlecht, weder gottlos noch gerecht. Bei mir folgt auf das Vergehen die Buße und auf die Vergebung wieder die Sünde. Das ist nicht gut. Herr, ich hoffe auf dein Heil, obwohl ich dir nicht treu gedient habe. An einem einzigen Tag ändere ich mich tausendmal. Sei barmherzig, Herr, mit meinem Wankelmut.“

Wir schauen noch einmal auf die Schlange im Kelch: Das Sinnbild wird mir überdeutlich. In der größten Nähe zum „Allerheiligsten“ verbirgt sich vielleicht noch stärker die Versuchung zum Verrat. Nur das Kreuz Jesu entlarvt das Böse. Erst beim Abendmahl offenbart sich der Verrat des Judas, bei der Zuspitzung der Gefangennahme Jesu die Verleugnung des Petrus. Aber auch unter dem Kreuz die Zustimmung des Hauptmanns: Dieser ist Gottes Sohn! Christen besitzen die Jesusfreundschaft nicht. Der „Ent-scheidung“ bedarf es täglich. „Unter-Scheidung“ und „Scheidung“!

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