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Sonntags-Bildgedanken

11. Marienmonat Mai

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

10. Du kleidest mich in Gewänder des Heils. St. Hubertus Kehrum. Pietà. Hans Dinnendahl (1901-1966),

Lindenholz mit Messingbeschlägen, Telgte 1932

(Evangelium Lk 1,42-55: Magnificat, Lobgesang Marias)

 

Im Bild

Wenige wissen, dass diese ausgefallene Pietà von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ erst verboten, dann aber beschlagnahmt und zur Darstellung deutscher Sakralkunst zu Ausstellungen nach Chicago und ins spanische Vittoria gebracht wurde. Sehr spät nach dem Krieg kam diese Figur wurmstichig aus Spanien zur Familie nach Telgte zurück und steht nun restauriert seit gut 20 Jahren im Kirchenraum von St. Hubertus Kehrum. Für mich ein großes Kunstwerk. Ein Andachtsbild. Hans Dinnendahl, dessen Skulpturen Ernst Barlach nicht nachstehen, hat gerade in Kriegszeiten durch seine schlichten Kreuze, Madonnen und Heiligenfiguren die Frömmigkeit geprägt. Ich darf solche besitzen.

Die Trauer der Gottesmutter und die starke Erlöserkraft kommen im Gegensatz der geschwärzten Eiche und des goldenen und silbernen Metalls zum Ausdruck. Christus zeigt seine Wunden fast demonstrativ. Maria nimmt mit einem innigen Kuss Abschied von ihrem 33-jährigen Sohn. Wie in den alten „sedes-sapientiae“-Darstellungen und den ab 1300 ältesten Vesperbildern bildet sie für den König Christus den Thron für die „Weisheit Gottes“: Christus als „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6).

Wegen der Gewinnung der lebensgroßen Skulptur aus einem Stamm mag diese mittelalterlichen oder barocken kleineren Vesperbildern gegenüber aufrecht und steif wirken, bekommt aber in der klaren Linienführung eine konzentrierte, innige Aussage: Maria trotzt allem als starke, aufrechte Frau, so wie sie unter dem Kreuz stand.

 

Die Deutung

„Die Frauen in seiner Nachfolge, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, sahen das Grab und wie der Leichnam bestattet wurde.“ (Lk 23,55) Mehr schildert die Bibel nicht, schon gar nicht, dass es diesen körpernahen Abschied bei der Bestattung durch Joseph von Arimathäa gab. Markus nennt dabei sogar nur die anderen beiden Marien.

Das deutsche Wort „Vesperbild“ für die Trauer am Karfreitag-Abend bringt den Inhalt des Ausdrucks „Pietà“, Ehrfurcht, nicht ins Wort: Es ist eine andere Ehrfurcht, die Maria befällt als damals, als sie ihren Sohn zum ersten Mal auf dem Schoß zur Verehrung vor Hirten und Königen präsentierte. Die Rückkehr Jesu zum „Mutterschoß“ der Erde kann nicht deutlicher dargestellt sein. Und es ist eine Ehrfurcht der „Kara“, der Totenklage des Gottesvolkes.

Sieht der deutsche Künstler im Schuld-schwarz Jesu die Übernahme der menschlichen Sünde: „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.“ (Jes 53,1) Auch Marias Körper kommt in dieser Farbe daher. Der Mensch in Sünde! Der alte Adam. Die alte Eva.

Dürfen wir im Blick auf die Aufnahme Marias als erste der Menschen in den Himmel denken an Jes 61,10: „Von Herzen freue ich mich am HERRN. Meine Seele jubelt über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantelder Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt“? Gilt nicht auch: „Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht! Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt!“ (Bar 5,1-3)? Bei Paulus folgt nach der Diskussion um die Auferstehung dies: „Wenn sich aber dieses Verwesliche mit Unverweslichkeit bekleidet und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift: Verschlungen ist der Tod vom Sieg (1 Kor 15,54)“.

Wenn mittelalterliche Christen der „devotio moderna“ in Ehrfurcht die „Pietà“ am Karfreitag-Abend meditierten, dann sahen sie für die Menschheit an der Gottesmutter das Hoffnungszeichen: „Wer siegt, wird ebenso mit weißen Gewändernbekleidet werden. Nie werde ich seinen Namen aus dem Buch des Lebens streichen, sondern ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln (Offb 3,5)“. Und Maria singt selbst im Magnificat Lk 1,46ff: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ Der Kolosserbrief ruft uns zudem auf, dass wir selbst etwas dazu tun können: „Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!“ (Kol 3,12-14)

Ich singe gern dieses Lied: „Lobe den Herrn meine Seele und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht. Amen.“ (GL/MS 807) Und manchmal spüre ich dann schon das neue Gewand.

 

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12. 4. Ostersonntag

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

40. Ich bin Weg, Brot, Tür, Weinstock, Licht, Leben … Lass uns bleibend in dir bleiben

Leben aus den sieben Ich-bin-Selbstvorstellungen Jesu im Johannesevangelium

(Evangelium Joh 10,1-10;  4. Ostersonntag A)

 

Im Bild

Die geöffnete Tür der fast 1000 Jahre alten Stiftskirche St. Clemens in Kalkar-Wissel haben schon viele betreten. Vielleicht war neben der Elternhausvermittlung, dem privaten Beten und christlicher Lektüre, neben vorbildlichen Christen und religiösen Gesprächen der Eintritt durch diese Tür ein „Gotteszugang“. Jesus sagt: „Ich bin die Tür“.

 

Die Deutung

Irgendwann ist mir klargeworden, dass Jesus bei den sieben Selbstvorstellungen mit den klassischen „Ich bin“-Worten im Johannesevangelium eigentlich sich selbst in den gewählten Bildern sehr zurücknimmt: Eine Tür eröffnet den Zugang zu wie vielen und wie großen Räumen und Geschehen, ein Licht leuchtet einen vielfältigen Raum aus, ein Weg lässt Landschaften begehen und erleben, ein Brot reicht für viele Menschen, ein Hirt begleitet ein Leben lang tausende Schafe. Wie viele leckere Beeren für Außenstehende wachsen an immer neuen Rebenzweigen vom alten Stamm Jesus. Wir bekommen durch Jesu Zurückhaltung eine riesige Freiheit zur Selbstgestaltung dieser Welttage, eine wunderbare Vielfalt von Lebensentdeckungen, eine ungeahnte Dimension von Gott. Was wäre, wenn wir statt Brot Nahrung, statt Licht Ausleuchtung, statt Tür Zugang, statt Reben Rebzweige denken? In Exerzitien ist ein Lied entstanden und eine Zwiegespräche zwischen mir und Jesus.

 

Kehrvers:

Sag uns, Jesus, wer du bist! Zeig mir, wie du durch mich liebst!

Du sprichst: Ich bin da für dich. Bleibe in uns, wirk durch mich!

 

Ich bin das Brot des Lebens. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.. (Joh 6,48.51b)

Ich: „Gekreuzigter, dein Leib stärke den Leib der Kirche!“ – ER: „Ich bin euch wirksame Himmelsnahrung.“

 

1.Du bist das Brot, im Abendmahl gegeben, vom Himmel kommend, weckend uns zum Leben, verbindend Christen im Erinn’rungsbunde, hingebend wirkend, stärkend in der Runde.

 

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, … wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

Ich: „Mein Herr und mein Gott, leuchte lebendig aus uns!“  – ER: „Ich bin eure Weltausleuchtung.“

 

2. Du bist das Licht, Welt göttlich auszuleuchten, dass Menschen Dunkles nicht neu weiter zeugten, dass Heiligkeit und Güte aus uns leuchten, wie deiner Zeugen Werke es anzeigten.

 

Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. (Joh 10,9)

Ich: „Rabbi, wir lehren gern dein Lieben.“ – ER: „Ich bin euer Gotteszugang.“

 

3. Du bist die Tür, Zugang zu Gottes Räumen, lässt sehn uns mehr als in den kühnsten Träumen.

Statt breiter Straß’ dein Pfort’ lass uns beschreiten, wo in dir weit sich Horizonte weiten.

 

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11,25)

Ich: „Gottes Sohn, Lebensfülle schafft dein Geist.“ – ER: „Ich bin euer Ewigkeitsaufbruch.“

 

4. Du bist die Auferstehung und das Leben: Uns Todverstrickte mahnend mögst anregen,

durch Liebe-Üben Auferstehn zu wagen; wirst wandelnd uns einst Gott entgegentragen.

 

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. (Joh 10,14)

Ich: „Heiland, sei heilsam wirksam durch uns!“ – ER: „Ich bin euch Freund und Leitfigur.“

 

5. Du bist der Hirte weltweit vieler Schafe, birgst in Gemeinschaft, drohst uns nicht mit Strafe.

Du setzt in Freiheit uns auf gute Weiden, selbst Lamm im Lebenseinsatz, Kreuz und Leiden.

 

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh 14,6)

Ich: „Meister, wir gehen mit dir.“ – ER: „Ich bin euer Himmelspfad.“

 

6. Du bist der Weg, den viele schon begingen, führst weit in Welten, hin zu Himmelsdingen.

Du bist uns Vorbild, Freund und Fundament, dass Gottes Wahrheit, Leben man erkennt.

 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. (Joh 15,5)

Ich: „Immanuel: Bleibe und bete in uns!“ – ER: „Ich bin euer tragender Stamm.“

 

7. Du bist der Weinstock, wir dazu die Äste. Wir sind Zuschauer nicht noch irgend Gäste:

Du willst uns brauchen, gute Frucht zu zeugen, die Glaube, Hoffnung, Liebe der Welt zeigen.

 

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13. 5.Ostersonntag

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

15. „Er geht euch voraus.“ Pfingstliche Kirchenfenster in St. Barnabas Kalkar-Niedermörmter

(Evangelium Joh 14,1-12: Weg, Wahrheit, Leben. 5. Ostersonntag A)

Im Bild

Wie die beiden hinteren Schöpfungsbilder durch die Hände Gottes verbunden sind, bekommen diese drei Bilder von der Auferstehung, Geistsendung in die Kirche und der Führung seiner Gemeinde durch den Herrn in Wort (Bibel) und Sakrament (Kelch) durch die Bewegungslinien den Drang nach vorn. Mittig ist im Kirchenraum als Ruhepunkt das Kreuzfenster. Gleichwohl sind die Schöpfungsfarben hineingenommen in die Zukunftsbewegung. Der Auferstandene mit der Siegesfahne weist seiner Kirche den Weg vorwärts. Maria steht inmitten des „Volkes Gottes“, wo jeder mit dem Feuer des Geistes ausgestattet wird. Dieser Gedanke beherrschte auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil so sehr die Neuerungsthemen. Der Geist übernimmt die Führung. Christus erhebt segnend seine Hand über dem Kelch, die Bibel und den angegangenen Weg. Ist es ein Weg wie über die Wellen und das Wasser? Gibt es neben dem Rückenwind auch Gegenwind schräg von vorn? Geht es einfach ins Blaue? Wohin?

 

Die Deutung

Wirkt der Christus vorne wie eine Fronleichnamsmonstranz? Sind die drei Fenster von rechts gesehen die Festfolge von Ostern/Himmelfahrt, dann Pfingsten und dann zehn Tage später beim Fronleichnamsfest Christus im Wort und Sakrament auf den Straßen der Welt? Füße und Gewand wirken von der Monstranz wie der Fuß, die umgebenden Schleier wie das Goldgefäß rund um das „Allerheiligste“? Gut, dass hier Bibel und Kelch, Wort und Sakrament gleichermaßen gezeigt sind. Manche Gemeinden tragen beides mit im Festzug. So wie es in der Heilig-Geist-Kirche in Emmerich einen Altar des Wortes und einen Altar des Brotes gibt im Zeichen der Liturgiereform damals: Wortgottesdienst und Eucharistiefeier sind die beiden gleichwertigen Teile der Messe. Das Buch mit dem Grün der Hoffnung und der Kelch mit dem (Blut-)Rot der Liebe.

Kann der Feuerball hinter Jesus die Morgensonne sein und das zu seinen Füßen am Ufer des Sees ein Netz? Joh 21,4.6: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ – Missionsauftrag, Menschen fangen: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, und ihr werdet etwas finden.“

Wir haben Vorgängerinnen und Vorgänger im Glauben und wir haben einen, dem wir nachfolgen. Wir haben viele Wege, die wir nutzen könnten, aber nur einen, der sagt: „Ich bin der Weg!“ Wir haben viele Ideen, denen wir nachgehen könnten, aber nur einen, der sagt: „Ich bin die Wahrheit!“ Wir haben dieses eine Leben, dessen Begrenztheit wir kennen, an der wir leiden und die wir mit viel Freuden genießen, aber nur einen, der sagt: „Ich bin das Leben!“

Die Gemeinde in Niedermörmter hat beim Gottesdienst diese bereits begonnene Bewegung bei ihren Sonntagsgebeten immer im Blick: „Es ist der Herr!“ (Joh 21,7) Sie darf auf dieser Welle mitschwimmen. Sie darf diesem Rückenwind folgen. Sie darf auf diese Vorfahren bauen. Die Gemeinde hat lange daran gelitten, dass am 1. März 1945 Deutsche die hochaufragende, innen wunderschön ausgestaltete Kirche vor den heranrückenden Engländern gesprengt haben. Jetzt ist die Kirche eher ein einfaches Zelt. Was braucht es für die Zukunftswanderung im 21. Jahrhundert? Ein neues Lied singt: „Im Meer der Zeit nicht untergehn, im Meer der Zeit den Tag bestehn, den Tag bestehn und weiter, weiter, weiter gehn.“ (GL/MS 836) Wir brauchen im Alltag nur weniges an Zuversicht: „Ein kleiner Traum, ein kleiner Schritt, ein kleiner Bissen Brot, ein kleiner Traum, ein kleiner Schritt, bleib du bei mir, mein Gott.“

 

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14. 6. Ostersonntag

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

9. Das ganz andere Kreuz. St. Hubertus Kehrum, 1964

(Evangelium 6. Ostersonntag A, Joh 14,15-21 Abschiedsreden Jesu)

 

Im Bild

Die kleine Gemeinde Kehrum hat aus der Not-Erfahrung der Barackengottesdienste der Nachkriegszeit dann in den fünfziger Jahren in energischer Eigenleistung eine eigene moderne Pfarrkirche gebaut, die zur Konzilsaufbruchszeit 1968 eingeweiht wurde. Sie erhielt 1995 sogar den Pfarreistatus. An der sehr hoch aufragenden Stirnwand hängt, seitlich vom Fenster fast österlich belichtet, der schlicht-helle, lebensgroße Kruzifixus auf einem schwarzen Kreuz als neben dem Tabernakel einziger Blickfang.

Christus trägt ein „ganz ohne Naht gewebtes Gewand“ und richtet sich wenn auch mit geschlossenen Augen geradewegs mit erhobenen Händen an seine Gemeinde. Die Dornenkrone ist durch einen Stirnreif ersetzt. Die nackten Fußspitzen strecken sich parallel nach unten wie auf manchen Himmelfahrtsbildern. Das Antependium vor dem Altar symbolisiert die Anbetung des siegenden Lammes mit dem „Chi-Rho“ des Christus-Symbols in seinen ersten beiden griechischen Buchstaben.

 

Die Deutung

Viele Kreuze unserer Kirchen sind als „Messopferkreuze“ oder als Passionskreuze präsentiert, um den konkreten „Leib Christi“ und das „Blut Christi“ manchmal sehr drastisch darzustellen. Einige Gemeinden verwenden tatsächlich Rotwein. Oft geht auch der Blick Christi (und seine Seitenwunde) zu denen „zu seiner Rechten“, um ihnen seine Erlösung zukommen zu lassen: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid“ (Mt 25,34).

In Kehrum blickt nicht der Gekreuzigte, sondern der „Herr“ auf seine Gemeinde. Wie in Joh 21,7 sollen die Christen ihn als Auferstandenen ansehen: „Es ist der Herr!“ Es ist in der Kreuz-Form fast die priesterliche Gebärde von: „Der Herr sei mit Euch!“ Und es ist nicht unsinnig, wenn wir jetzt antworten: „Und mit deinem Geiste!“ und dabei uns dankbar freuen an dem Geist, den ER uns versprochen hat. Der ist in Kehrum am Ambo gewaltig groß dargestellt: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.“ (Joh 14,16-19)

An das Versprechen des Herrn seiner zugewandten Näheim tröstenden Geist und in der Ankündigung seiner real zu erwartenden Wiederkunft erinnert dieses Kreuz. „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20b) Intensiv spürbar ist aber auch die Verwundbarkeit dieser sich total öffnenden Gebärde, wie beim „Lamm“. Auch hat es etwas von „Himmelfahrt“ oder von einem „zwischen Himmel und Erde“ als Brücke, Angelpunkt oder Vermittlung: „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32)

In der Kehrumer Kirche wird unprätentiös deutlich, wer der Leiter der Gemeinde ist, das „Haupt“. Zudem dürfen wir die Geist-Zusage in unserer Gemeinde Heilig-Geist hier offen spüren. Neben der Verletzlichkeit dieser offenen Geste dürfen wir aber auch die Weisung nach oben nicht übersehen. Es ist die Einladung, mit zu kommen. Mit zum Vater zu gehen. Es ist der Ruf nach himmlischer Gemeinschaft im „Haus des Herrn“: „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten.“ (Joh 14,2) So ergeben sich verschiedene Blickrichtungen:

 

1. Kann ich leben aus dem Psalmwort „Ich will mich freuen am Herrn“ (Ps 104, 34): Was darf er wirklich beherrschen außer am Sonntag? Wie dankbar bin ich, persönlich begleitet und geführt zu sein? „Mein Herr und mein Gott!“

2. Welchen Geist haben wir in unserem Gemeindeleben? Sprechen wir uns den Wunsch und den Segen auch im Alltag zu: „Der Herr sei mit dir!“ Jesus begleite dich, beschütze dich, tröste dich, inspiriere dich zur Liebe …

3. Welche Sehnsucht haben wir, der einladenden Handbewegung Jesu zu folgen: Kommt! Kommt zusammen! Kommt mit in die Vatergemeinschaft! Oder gar: Kommt mit mir in meinen und euren Himmel!

4. Das Tuch vor dem Altar: „Würdig ist das Lamm, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Lob und Herrlichkeit.“ (Off 5,12) „Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ (Offb 7,12) Das Lamm als Leuchte der Stadt: Sind wir als viel beschäftigte Leute zu bestimmten Zeiten ausdrücklich einzeln oder gemeinsam den Herrn anbetende, preisende, lobende, dankende Gemeinde? „Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offb 21,23)

 

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15. Christi Himmelfahrt

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

45. Senkrechtstarter? Himmelfahrt Christi. Chorwand in St. Peter und Paul Grieth. Heinrich Brey (1872-1960), Öl-Protein-Malerei. 1903; restauriert 1987

(Evangelium Mt 28,1-8.16-20; Mk 16,1-8; Lk 24,1-12.50-52; Agg 1,9-11)

 

Im Bild

Als Schlusspunkt der neugotischen Ausgestaltung der Griether Pfarrkirche beauftragte man den sehr jungen Künstler Heinrich Brey aus Geldern-Kapellen mit den Chorwänden, der als Lehrling zwei Jahre zuvor schon zwei Statuen bemalt hatte. Neben dieser Darstellung schuf er auch die Ranken zwischen den Pfeilern und die heute ebenso wiederhergestellten Motive der „Lauretanischen Litanei“ mit ihren bildhaften Marienanrufungen. Man muss sich das Original der zwischenzeitlich übermalt gewesenen Bilder intensiver vorstellen. Das offene Grab und das Erschrecken der Soldaten ist mittelalterlichen Bildern nachempfunden, auch der Anweg der drei Frauen aus dem Hintergrund. Christus ist mit Siegesfahne auf einem Strahlenhintergrund vor einer Gebirgslandschaft mit Matterhorn-Assoziationen auffahrend sichtbar. Das „Alleluja, glänzt in Strahlen“ (GL 779,2) wurde damals schon gesungen (Gesangbuch 1897, Nr. 61,2). Christus segnet zum Abschied bibelgemäß, zeigt aber auch wie bei Thomas seine Wunden. Der Engel oben im ausgiebig differenzierten Rankenwerk hält ein Wappenschild, das damals entweder ein Schriftwort (wie „Er ist nicht hier“ oder „Er geht euch voraus“) oder schlicht die drei Türme des Griether Wappens zeigte.

 

Die Deutung

Schon damals wird man sich Christus nicht als „Senkrechtstarter“ vorgestellt haben. Die Dreiteilung des Bildes spricht von drei Realitäten: 1. Für jeden Menschen ist das Grab die zu erwartende Tatsache, so lieblich die Lebenslandschaft auch ist. 2. Der Christus hing wie hier davor am Kreuz auch zwischen Erde und Himmel, um eine Brücke zu bilden oder eine starke Leiter oder einen Stab, an dem wir uns halten können. Der Karfreitagshymnus von der Kreuzverehrung („O du hochheilig Kreuze“, um 1600) spielt eine nicht unwesentliche Rolle: Kreuz, Wunden, Siegeszeichen, Stab sind vorhanden, damit Christus des „Himmels Schlüssel“ sein kann und wir Kinder Gottes in Frieden sterben können. Auch ist hier neben dem Altar wieder an den hoch gezeigten „Leib Christi“ der Eucharistie zu denken, der hier plastisch sichtbar ist.

3. Maler und Gemeinde damals waren bibelfest genug, um an das Hebräerwort zu denken: …aber den, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt.“ (Hebr. 2,9) Der Hebräerbrief mahnt darin die Glaubenskonsequenz und die eigene Heilssorge an: „Darum müssen wir umso aufmerksamer auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht vom rechten Kurs abgetrieben werden. Denn wenn schon das durch Engel verkündete Wort verpflichtend war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam die gerechte Vergeltung fand, wie sollen dann wir entrinnen, wenn wir uns um ein so erhabenes Heil nicht kümmern, das zuerst durch den Herrn verkündet und uns von denen, die es gehört hatten, bestätigt wurde? (Hebr 2,1-3) Während Paulus am Beginn des Römerbriefs von „sie sind unentschuldbar“ (Röm 1,20) spricht, rühmt er am Ende: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.(Röm 14,8f.) Er, der „von der Erde erhöht, alle zu sich ziehen will“ (vgl. Joh 12,32): Glauben wir ihm seinen Himmel? Unvorstellbar sind die drei Dinge: Das Grab, der erhöhte Christus und die Himmelswelt. Aber da ER sie uns vorstellt, da wir nicht an „eine höhere Macht“, sondern an ein persönliches Gegenüber glauben, dürfen wir dankbar Sonntag für Sonntag persönlich in der Kirche erscheinen und uns von Gott persönlich beschenken und ansprechen lassen.

 

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16. 7. Ostersonntag

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

56. Christus segnend, sendend, sorgend, bestärkend, grüßend, weisend … Der Salvator am Sakramentshaus in St. Nicolai Kalkar, Stein, farbig gefasst, ca. 1450. (Abschiedsreden Jesu Joh 14-16; Joh 17, 1-11; 7. Ostersonntag 2020)

 

Im Bild

Über der Tabernakeltür an diesem wahrscheinlich ältesten erhaltenen niederrheinischen Sakramentshaus befinden sich diese drei auf der mittleren Höhe des nebenstehenden Passionsaltars. Neben dem „schönen Johannes“, dem Apostel und laut Johannes Lieblingsjünger Jesu, und der Gottesmutter mit dem Kind nimmt sich die Christusfigur etwas plumper und gedrungener aus, was aber auch dem engen Raum geschuldet sein kann. An den Säulen und Fialen am hochstrebenden Sakramentshaus finden sich unten der Täufer Johannes und der Pfarrpatron Nikolaus. Die interessante, ideenreiche Farbigkeit ist im 19. Jh. ergänzt, aber vielleicht doch nicht ganz verändert worden. Der segnende Christus ist in einen außen blauen und innen roten Chormantel gehüllt, zeigt die Hand- und Seitenwunde und hält eine Siegesfahne an einem farbig gefassten Stab. Statt der Dornenkrone trägt der bärtige, langhaarige Erlöser einen blau-goldenen Turban. Er steht barfuß auf der Erde. Seine Augen sind gegenüber den benachbarten Heiligen eher schmal. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass der Christus früher oder von einem anderen Künstler gestaltet wurde als die lieblicher wirkenden Maria und Johannes wie auch die rechts und links in den Nischen folgenden Engelgestalten. Das ganze Ensemble gehört zur frühesten Einrichtung der Nicolai-Kirche vielleicht zur Kirchweihe am 3. Mai 1450 nach der Abtrennung von St. Pankratius und der Pfarrerhebung Kalkars 1441. So stehen sie da: Der souveräne Erlöser mit festem Blick und die sanften und lebensfrohen Maria und Johannes. Verweist das gezeigte Kind auf den Leib Christi und der Kelch auf das Blut Christi? Ist Offb 12,10 gezeigt: „Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten“?

 

Die Botschaft

Es sind die gleichen drei, die die Kleine Herde am Kreuz bildeten: Sieh hier deine Mutter, die schon die Königskrone trägt. Sieh hier dein Sohn, der dem Giftkelch durch das segnende Kreuz entkommen ist, wie es die Legende über den Jünger Johannes beschreibt. Über dem Tabernakel mit dem „Himmelsbrot“ wacht der Erlöser, wacht die Himmelskönigin, wachen die heiligen Apostel und verweisen vom Irdischen auf das Himmlische, vom Zeitlichen auf das Ewige, vom Tod auf das Leben. Sie sind bekleidet mit dem Blau des Himmels und dem Rot der Liebe. Sie bilden ein Pendant zum Schmerz, zum Verrat, zum Todbringenden im Passionsaltar mit der Ablehnung des Christus, mit der Lüge des Petrus und dem Verrat des Judas, mit dem Weglaufen der Freunde und dem einsamen Schmerz der Mutter. Diese Drei kommen den Menschen nah und wollen Ansprechpartner sein. Sie wollen den offenen Himmel nicht nur „darstellen“ und anbieten, sondern auch handfest dazu ermutigen und verhelfen.

Christus bleibt mit seinen Wunden der von dieser wunderlichen Welt verwundete, der von den Menschen angegriffene, der am irdischen Leid teilnehmende, der sich selbst höchstpersönlich und körperlich Einsetzende Und sein Blick bleibt hängen zwischen Himmel und Erde. Er betet:

„Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,1-8).

 

Jesus, du bist ein Segen. Jesus, du bist mein Zugriff aufs Ewige. Du hast dich leibhaftig für uns engagiert. Du hast handfeste Freunde gewonnen, nicht besonders liebe und kluge, auch solche mit Fehlern. Das lässt hoffen. Jesus, so oft bestärkst du mich mit deinem guten Wort, mit deiner guten Nahrung, findest einen Weg buchstäblich in mein Inneres. Du in mir. Und ich in dir? Du willst gerade stehen für meine Abwege. Erlöser, findest du für mich eine Lösung?

 

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17. Pfingstsonntag

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

18. Wohin das hinführt mit dem Geist, wird der sehen, der aufbricht und mitgeht

Fenster in St. Barnabas in Kalkar-Niedermörmter 1960 Joachim Klos (1931-2007) und 1957 von Trude Dinnendahl-Benning (1907-2004)

(Schriftwort Brief an die Galater 5,13-26; Pfingsten)

 

Im Bild

St. Barnabas in Niedermörmter hat zwei moderne Heilig-Geist-Fenster. Im Turmvorraum teilt ein Fensterkreuz das Bild in vier Quadrate. Die beiden linken mit dem Grundton Blau für Himmel oder (Tauf-)Wasser scheinen sich in den beiden rechten wie verzerrt und zerrissen zu spiegeln. Sie laufen auf einen unteren Punkt zu.

Der Sturzflug der Himmels-Geist-Taube befruchtet, bestrahlt, betröpfelt oder befeuert die Erde: Geist Gottes als erhellendes Licht, als zündendes Feuer, als befruchtendes Wasser für die zerrissene Welt und die zerstrittenen Menschen.

Der Apostel Paulus benennt die beiden verschiedenen Welten als Leben aus dem Fleisch (Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage) und Leben aus dem Geist (Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung).

 

Im Kirchenfenster rechts führt die Geisttaube mit Rückenwind die gerade mit Geistfeuer ausgestatteten Jünger und die Mutter Maria einen neuen Weg aus dem Dunkel in das Licht, aus der erstarrten Statik in farbenfrohe Bewegung. Auch hier sind zwei verschiedene Welten. Jesus sagt zum Abschied (Joh 16,13): „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.“

 

Die Botschaft

Lassen wir uns als Gemeinde vom Geist Gottes führen, rufen, verändern, lotsen, reizen, ziehen, locken, beWEGen, erneuern, gewinnen, erleuchten, ermutigen, entflammen, erfüllen, anstacheln, erfreuen, begeistern, aktivieren, senden?

 

 

Pfingsten will der Geist mich fragen

 

Pfingsten will der Geist mich fragen:

Will ich aufzubrechen wagen,
Alltagstrott vielleicht doch lassen,

mich mit Seiner Spur befassen,

mich zu Menschen hin bewegen,
ihrer Sorgen, Nöte wegen
meine kleine Welt verlassen,

Gottes Hinweise erfassen,
meinem engen Haus entfliehen,

nicht Aufgaben mich entziehen,

die ich längst in mir schon kenne,

sie mir jetzt als Ziel benenne,

neuen Schritt beherzt gleich gehe,

weil ich tief in mir verstehe:

 

Gott will nicht in Enge lassen

mich, nicht Dunkel soll mich fassen,

seiner Führung will ich trauen,

eh‘r nach vorn als rückwärts schauen,

ehr der andren Glück anstreben,

nehmen weniger, mehr geben,

hoffen mehr als Trübsal blasen,

mein Talent nicht gleich vergraben,

Einsatz zeigen, Freude haben,

Mut zusprechen, Trost verbreiten,

Nähe in den Traurigkeiten,

kreativ den Tag gestalten,

liebevoll mich stets verhalten,

Leib und Seele mir gut pflegen,

mich zu andrem Tun bewegen,

hören auf die innre Stimme,

täglich frisch noch neu beginne:

 

Komm, du Gottesgeist, bewirke
Neues mit mir. Neu bestärke
uns als Christi Geistgemeinde

gegen Zeitgeist, dunkle Feinde,

dass erleuchtet wir so gehen,

uns als Jesu Freunde sehen

und sein Licht am Tag verbreiten,

gegen alles Dunkle streiten

und uns darin froh verbinden,

dass wir einst in dir uns finden.

 

Heilig-Geist-Fensterkreuz in St. Barnabas

 

Immer beginnen und schließen wir im Kreuzeszeichen.

Im Glasbild sind unklar Ungeist rechts und klar Geist links.

Das Fenster zeigt in der Rahmung das Kreuz.

Was von dem Vielen Verwirrenden muss weichen?

Was bringt durcheinander mir den Tag, die Beziehung?

Was schüttelt und rüttelt mich durcheinander?

 

Gottes Geist will die Erde erneuern.

Das Wasser der Taufe will die Menschen befruchten.

Jesus hörte bei seiner Taufe: Du bist Gottes Sohn.

 

Ist das Kreuz mit dem Plus meine Orientierung?

Lasse ich mir durch den Geist mein Leben erfrischen?

Befruchte ich durch meinen Taufglauben andere?

 

Die Fastenzeit beginnt

mit der Taufe Jesu

und endet mit dem Kreuz

und der Auferstehung.

Heiliger Geist:

Erfrische im Frühling uns al

 

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18. Pfingstmontag

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

39. Gottes Einbruch unser Aufbruch. Mittleres Chorfenster St.-Regenfledis-Kirche in Kalkar-Hönnepel. Entwurf Friedrich Stummel Kevelaer 1908

(Evangelium: Pfingsten und Apg 1,13f.; 2,1-13)

 

Im Bild

Das äußerlich brave Pfingstbild bietet Sprengstoff: Die Geisttaube scheint nach oben entkommen zu wollen. Im Strahlennimbus über einem blauen Himmel Gottvater rechts segnend mit Zepter und Weltkugel und interessanterweise der päpstlichen Tiara. Sein Gewand als Schöpfer grün, während Jesus anbetend und als Anwalt der Seinen beim Vater sitzt mit Königskrone im Rot der Liebe, das sich unten rechts beim Lieblingsjünger Johannes unten wiederfindet. Die Jünger unten mit verschiedenen Blickrichtungen und Kopfhaltungen alle betend oder zeigend. Petrus unten links (mit der charakteristischen Stirnlocke als Gegenpart zum charismatischen jugendlichen Johannes? Dass Maria, im Blau der Treue und weiß der Himmelskönigin halb „hinterm Pfeiler“ sitzt hat seinen Grund: Auch das aufgeschlagene Buch auf ihrem Schoß kennzeichnet das Empfangen des Heiligen Geistes: So schließt sich die Linie von der Taube oben nach tief unten: „Und das Wort ist Fleisch geworden …“ (Joh 1,8) Auf vielen mittelalterlichen Bildern ist sie im Pfingstgeschehen anders als hier ohne Feuerzunge: Sie hat den Geist damals schon empfangen. Ihr gegenüber könnte im Braun des Pilgers Jakobus sitzen, um die drei häufiger mit Jesus Verbundenen zu zeigen vom Tabor oder Ölberg.

 

 

Die Botschaft

Wohin willst du nur gelangen,

Friedenstaube, Freiheits-Geist?

Hältst dich nicht in Gott gefangen,

brichst zum Aufbruch aus zumeist.

 

Nord, Süd, West, Ost ausgerichtet

bist du, suchst in aller Welt
Menschen, denen sich verdichtet

Gottes Wort ins Herz gestellt.

 

Für wen du den Vater bittest

menschenliebend, Jesus, treu,

Kreuzes-König, der du littest:

Wann wird diese Erde neu?

 

Welten-Vater, Hoffnung, Leben:

Gnade, Segen euer Tun.

Liebesfülle ist gegeben

äußernd dreifach, einfach gut.

 

Gottes großes Geist-Sturm-Feuer

sprengt das enge Kirchenhaus.

Auf die alten Kirchensäulen

wirkt sich Gottes Reichtum aus:

 

Jünger still noch betend schauen,

sie schon weisen, tuscheln, sehn

an Maria Gottvertrauen,

und beginnen zu verstehn:

 

In Marias Schoß schon wirkte

Gottes Geist im Anbeginn.

Gottes Geisteinfall schon stärkte

die Jungfrau mit Muttersinn.

 

Und das Wort ist Fleisch geworden

wirkend geistreich unter uns:

sprengt dreifaltig allerorten

Enge, sät die Liebeskunst

 

in die Herzen, drängt zu Taten

jeden, der noch zagend träumt.

Glaubensnot lässt uns nicht warten,

Viel zu lang wurd es versäumt,

 

Bibel lesen, täglich danken,

Gottes Weltensorge sehn,

zu den Armen, Sündern, Kranken,

Ahnungslosen hin zu gehn:

 

Dass Gott Vater ist den Menschen

und ein Bruder uns im Sohn

geist-dynamisch: Wie denn wünschen

sollen wir uns Gott denn schon?

 

In den Schoß ist uns gefallen

Gottes Sohn vom Himmel her.

Nie mög in der Welt verhallen

Gottes Liebesdrängen mehr.

 

Uns will Gottes Geist anfeuern,

senden will auch dich der Sohn.

Segen können wir viel steuern

mit dem Vater weltweit schon.

 

Lass dir sprengen auf den Rahmen,

deinen engen Horizont!

Lang schon dir Ideen kamen:

Warum hast du’s nicht gekonnt?

 

Gott will dreifach in uns legen

geistreich, schöpf’risch, liebevoll

sich, –  uns einfach neu bewegen,

was die Welt befreien soll.


 

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