AvD-Schatzkiste

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Sonntagsgedanken

6. Sonntag der Osterzeit im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

9. Das ganz andere Kreuz. St. Hubertus Kehrum, 1968

(Evangelium 6. Ostersonntag A, Joh 14,15-21 Abschiedsreden Jesu)

 

Im Bild

Die kleine Gemeinde Kehrum hat aus der Not-Erfahrung der Barackengottesdienste der Nachkriegszeit dann in den fünfziger Jahren in energischer Eigenleistung eine eigene moderne Pfarrkirche gebaut, die zur Konzilsaufbruchszeit 1968 eingeweiht wurde. Sie erhielt 1995 sogar den Pfarreistatus. An der sehr hoch aufragenden Stirnwand hängt, seitlich vom Fenster fast österlich belichtet, der schlicht-helle, lebensgroße Kruzifixus auf einem schwarzen Kreuz als neben dem Tabernakel einziger Blickfang.

Christus trägt ein „ganz ohne Naht gewebtes Gewand“ und richtet sich wenn auch mit geschlossenen Augen geradewegs mit erhobenen Händen an seine Gemeinde. Die Dornenkrone ist durch einen Stirnreif ersetzt. Die nackten Fußspitzen strecken sich parallel nach unten wie auf manchen Himmelfahrtsbildern. Das Antependium vor dem Altar symbolisiert die Anbetung des siegenden Lammes mit dem „Chi-Rho“ des Christus-Symbols in seinen ersten beiden griechischen Buchstaben.

 

Die Botschaft

Viele Kreuze unserer Kirchen sind als „Messopferkreuze“ oder als Passionskreuze präsentiert, um den konkreten „Leib Christi“ und das „Blut Christi“ manchmal sehr drastisch darzustellen. Einige Gemeinden verwenden tatsächlich Rotwein. Oft geht auch der Blick Christi (und seine Seitenwunde) zu denen „zu seiner Rechten“, um ihnen seine Erlösung zukommen zu lassen: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid“ (Mt 25, 34).

In Kehrum blickt nicht der Gekreuzigte, sondern der „Herr“ auf seine Gemeinde. Wie in Joh 21, 7 sollen die Christen ihn als Auferstandenen ansehen: „Es ist der Herr!“ Es ist in der Kreuz-Form fast die priesterliche Gebärde von: „Der Herr sei mit Euch!“ Und es ist nicht unsinnig, wenn wir jetzt antworten: „Und mit deinem Geiste!“ und dabei uns dankbar freuen an dem Geist, den ER uns versprochen hat. Der ist in Kehrum am Ambo gewaltig groß dargestellt: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.“ (Joh 14, 16-19)

An das Versprechen des Herrn seiner zugewandten Näheim tröstenden Geist und in der Ankündigung seiner real zu erwartenden Wiederkunft erinnert dieses Kreuz. „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 20b) Intensiv spürbar ist aber auch die Verwundbarkeit dieser sich total öffnenden Gebärde, wie beim „Lamm“. Auch hat es etwas von „Himmelfahrt“ oder von einem „zwischen Himmel und Erde“ als Brücke, Angelpunkt oder Vermittlung: „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ (Joh 12, 32)

In der Kehrumer Kirche wird unprätentiös deutlich, wer der Leiter der Gemeinde ist, das „Haupt“. Zudem dürfen wir die Geist-Zusage in unserer Gemeinde Heilig-Geist hier offen spüren. Neben der Verletzlichkeit dieser offenen Geste dürfen wir aber auch die Weisung nach oben nicht übersehen. Es ist die Einladung, mit zu kommen. Mit zum Vater zu gehen. Es ist der Ruf nach himmlischer Gemeinschaft im „Haus des Herrn“: „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten.“ (Joh 14, 2) So ergeben sich verschiedene Blickrichtungen:

 

1. Kann ich leben aus dem Psalmwort „Ich will mich freuen am Herrn“ (Ps 104, 34): Was darf er wirklich beherrschen außer am Sonntag? Wie dankbar bin ich, persönlich begleitet und geführt zu sein? „Mein Herr und mein Gott!“

2. Welchen Geist haben wir in unserem Gemeindeleben? Sprechen wir uns den Wunsch und den Segen auch im Alltag zu: „Der Herr sei mit dir!“ Jesus begleite dich, beschütze dich, tröste dich, inspiriere dich zur Liebe …

3. Welche Sehnsucht haben wir, der einladenden Handbewegung Jesu zu folgen: Kommt! Kommt zusammen zur Messe! Kommt mit in die Vatergemeinschaft! Oder gar: Kommt mit mir in meinen und euren Himmel!

4. Das Tuch vor dem Altar: „Würdig ist das Lamm, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Lob und Herrlichkeit.“ (Off 5,12) „Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ (Offb 7,12) Das Lamm als Leuchte der Stadt: Sind wir als viel beschäftigte Leute zu bestimmten Zeiten ausdrücklich einzeln oder gemeinsam den Herrn anbetende, preisende, lobende, dankende Gemeinde? „Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offb 21, 23)

 

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Mai im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

10. Du kleidest mich in Gewänder des Heils. St. Hubertus Kehrum. Pietà. Hans Dinnendahl (1901-1966), Bronzeabguss vom Original Lindenholz mit Messingbeschlägen, Telgte 1932

(Maria; Pieta; Lk 1,42-55: Magnificat, Lobgesang Marias)

 

Im Bild

Wenige wissen, dass diese ausgefallene Pietà von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ erst verboten, dann aber beschlagnahmt und zur Darstellung deutscher Sakralkunst zu Ausstellungen nach Chicago und ins spanische Vittoria gebracht wurde. Sehr spät nach dem Krieg kam diese Figur wurmstichig aus Spanien zur Familie nach Telgte zurück und steht als Abguss in Bronze seit gut 20 Jahren im Kirchenraum von St. Hubertus Kehrum. Für mich ein großes Kunstwerk. Ein Andachtsbild. Hans Dinnendahl, dessen Skulpturen Ernst Barlach nicht nachstehen, hat gerade in Kriegszeiten durch seine schlichten Kreuze, Madonnen und Heiligenfiguren die Frömmigkeit geprägt. Ich darf solche besitzen.

Die Trauer der Gottesmutter und die starke Erlöserkraft kommen im Gegensatz der geschwärzten Partien und des goldenen und silbernen Metalls zum Ausdruck. Christus zeigt seine Wunden fast demonstrativ. Maria nimmt mit einem innigen Kuss Abschied von ihrem 33-jährigen Sohn. Wie in den alten „sedes-sapientiae“-Darstellungen und den ab 1300 ältesten Vesperbildern bildet sie für den König Christus den Thron für die „Weisheit Gottes“: Christus als „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6).

Wegen der Gewinnung der lebensgroßen Skulptur aus einem Stamm mag diese mittelalterlichen oder barocken kleineren Vesperbildern gegenüber aufrecht und steif wirken, bekommt aber in der klaren Linienführung eine konzentrierte, innige Aussage: Maria trotzt allem als starke, aufrechte Frau, so wie sie unter dem Kreuz stand.

 

Die Botschaft

„Die Frauen in seiner Nachfolge, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, sahen das Grab und wie der Leichnam bestattet wurde.“ (Lk 23,55) Mehr schildert die Bibel nicht, schon gar nicht, dass es diesen körpernahen Abschied bei der Bestattung durch Joseph von Arimathäa gab. Markus nennt dabei sogar nur die anderen beiden Marien.

Das deutsche Wort „Vesperbild“ für die Trauer am Karfreitag-Abend bringt den Inhalt des Ausdrucks „Pietà“, Ehrfurcht, nicht ins Wort: Es ist eine andere Ehrfurcht, die Maria befällt als damals, als sie ihren Sohn zum ersten Mal auf dem Schoß zur Verehrung vor Hirten und Königen präsentierte. Die Rückkehr Jesu zum „Mutterschoß“ der Erde kann nicht deutlicher dargestellt sein. Und es ist eine Ehrfurcht der „Kara“, der Totenklage des Gottesvolkes.

Sieht der deutsche Künstler im Schuld-schwarz Jesu die Übernahme der menschlichen Sünde: „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.“ (Jes 53,1) Auch Marias Körper kommt in dieser Farbe daher. Der Mensch in Sünde! Der alte Adam. Die alte Eva.

Dürfen wir im Blick auf die Aufnahme Marias als erste der Menschen in den Himmel denken an Jes 61,10: „Von Herzen freue ich mich am HERRN. Meine Seele jubelt über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantelder Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt“? Gilt nicht auch: „Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht! Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt!“ (Bar 5,1-3)? Bei Paulus folgt nach der Diskussion um die Auferstehung dies: „Wenn sich aber dieses Verwesliche mit Unverweslichkeit bekleidet und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift: Verschlungen ist der Tod vom Sieg (1 Kor 15,54)“.

Wenn mittelalterliche Christen der „devotio moderna“ in Ehrfurcht die „Pietà“ am Karfreitag-Abend meditierten, dann sahen sie für die Menschheit an der Gottesmutter das Hoffnungszeichen: „Wer siegt, wird ebenso mit weißen Gewändernbekleidet werden. Nie werde ich seinen Namen aus dem Buch des Lebens streichen, sondern ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln (Offb 3,5)“. Und Maria singt selbst im Magnificat Lk 1,46ff: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ Der Kolosserbrief ruft uns zudem auf, dass wir selbst etwas dazu tun können: „Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!“ (Kol 3,12-14)

Ich singe gern dieses Lied: „Lobe den Herrn meine Seele und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht. Amen.“ (GL/MS 807) Und manchmal spüre ich dann schon das neue Gewand.

 

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5. Sonntag der Osterzeit im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

15. „Er geht euch voraus.“ Pfingstliche Kirchenfenster in St. Barnabas Kalkar-Niedermörmter,

Trude Dinnendahl-Benning 1957

(5. Ostersonntag A: Apg 6, 1-7; 1 Petr 2, 4-9; Joh 14,1-12: Weg, Wahrheit, Leben.)

Im Bild

Wie die beiden hinteren Schöpfungsbilder durch die Hände Gottes verbunden sind, bekommen diese drei Bilder von der Auferstehung, Geistsendung in die Kirche und der Führung seiner Gemeinde durch den Herrn in Wort (Bibel) und Sakrament (Kelch) durch die Bewegungslinien den Drang nach vorn. Mittig ist im Kirchenraum als Ruhepunkt das Kreuzfenster. Gleichwohl sind die Schöpfungsfarben hineingenommen in die Zukunftsbewegung. Der Auferstandene mit der Siegesfahne weist seiner Kirche den Weg vorwärts. Maria steht inmitten des „Volkes Gottes“, wo jeder mit dem Feuer des Geistes ausgestattet wird. Dieser Gedanke beherrschte auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil so sehr die Neuerungsthemen. Der Geist übernimmt die Führung. Christus erhebt segnend seine Hand über dem Kelch, die Bibel und den angegangenen Weg. Ist es ein Weg wie über die Wellen und das Wasser? Gibt es neben dem Rückenwind auch Gegenwind schräg von vorn? Geht es einfach ins Blaue? Wohin?

 

Die Deutung

Wirkt der Christus vorne wie eine Fronleichnamsmonstranz? Sind die drei Fenster von rechts gesehen die Festfolge von Ostern/Himmelfahrt, dann Pfingsten und dann zehn Tage später beim Fronleichnamsfest Christus im Wort und Sakrament auf den Straßen der Welt? Füße und Gewand wirken von der Monstranz wie der Fuß, die umgebenden Schleier wie das Goldgefäß rund um das „Allerheiligste“? Gut, dass hier Bibel und Kelch, Wort und Sakrament gleichermaßen gezeigt sind. Manche Gemeinden tragen beides mit im Festzug. So wie es in der Heilig-Geist-Kirche in Emmerich einen Altar des Wortes und einen Altar des Brotes gibt im Zeichen der Liturgiereform damals: Wortgottesdienst und Eucharistiefeier sind die beiden gleichwertigen Teile der Messe. Das Buch mit dem Grün der Hoffnung und der Kelch mit dem (Blut-)Rot der Liebe.

Kann der Feuerball hinter Jesus die Morgensonne sein und das zu seinen Füßen am Ufer des Sees ein Netz? Joh 21, 4.6: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ – Missionsauftrag, Menschen fangen: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, und ihr werdet etwas finden.“

Wir haben Vorgängerinnen und Vorgänger im Glauben und wir haben einen, dem wir nachfolgen. Wir haben viele Wege, die wir nutzen könnten, aber nur einen, der sagt: „Ich bin der Weg!“ Wir haben viele Ideen, denen wir nachgehen könnten, aber nur einen, der sagt: „Ich bin die Wahrheit!“ Wir haben dieses eine Leben, dessen Begrenztheit wir kennen, an der wir leiden und die wir mit viel Freuden genießen, aber nur einen, der sagt: „Ich bin das Leben!“

Die Gemeinde in Niedermörmter hat beim Gottesdienst diese bereits begonnene Bewegung bei ihren Sonntagsgebeten immer im Blick: „Es ist der Herr!“ (Joh 21, 7) Sie darf auf dieser Welle mitschwimmen. Sie darf diesem Rückenwind folgen. Sie darf auf diese Vorfahren bauen. Die Gemeinde hat lange daran gelitten, dass am 1. März 1945 Deutsche die hochaufragende, innen wunderschön ausgestaltete Kirche vor den heranrückenden Engländern gesprengt haben. Jetzt ist die Kirche eher ein einfaches Zelt. Was braucht es für die Zukunftswanderung im 21. Jahrhundert? Ein neues Lied singt: „Im Meer der Zeit nicht untergehn, im Meer der Zeit den Tag bestehn, den Tag bestehn und weiter, weiter, weiter gehn.“ (GL/MS 836) Wir brauchen im Alltag nur weniges an Zuversicht: „Ein kleiner Traum, ein kleiner Schritt, ein kleiner Bissen Brot, ein kleiner Traum, ein kleiner Schritt, bleib du bei mir, mein Gott.“

 

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1. Mai im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

14. Heimeliges Familienidyll? Josef-Altar St. Barnabas Kalkar-Niedermörmter. Heinrich Holtmann, Kevelaer 1915

(Josef; 19.03.; 1.05. Mt 13,54-58))

 

Im Bild

Der frühe Kevelaerer Stummelschüler Heinrich „Holt“-mann hat das Bildthema der Schreinerei schon in seinem Namen. Es handelt sich hier um die geschlossenen Flügel eines vielleicht von seinem Bruder Jakob geschnitzten Josef-Altars, der die Kriegssprengung durch die Deutschen überstanden hat. Die Gesichter scheinen Porträts aus dem Künstlerumfeld zu sein.

In einer weiß-rot gefliesten Werkstatt ist die heilige Familie zusammen: Josef arbeitet an einer Hobelbank, wo auch Späne fliegen, und wendet sich seinem zu ihm aufschauenden Sohn Jesus zu. Der kniet selbst auf dem Boden und hält ein Stück Holz wie einen senkrechten Kreuzesbalken sowie einen Zirkel. Seine blaugewandete Mutter sitzt mit weißem Schleier unter einem italienisch anmutendem Fenster mit zwei hufeisenförmigen Öffnungen. Aus einem offenen Buch, mit dem geneigten Haupt und der weisenden Hand scheint sie ihm gerade etwas zu erklären. Die Hand deutet gleichzeitig auf den Vater. Ein frühlingshafter Ausblick auf eine Narzissen-Wiese wird möglich. Aus der Säule zwischen den Fenstern, dem Gesicht und der Hand Marias zielt eine Linie auf den Sohn: Der Neuanfang mit Maria und ihrem Sohn zwischen dem durch die Fenster repräsentierten Alten und dem Neuen Testament dürfte damit anklingen.

Unser deutsches Wort vom „Vaterhaus“ und die jüdisch-christliche Männerlastigkeit im Haushaltsvorstand, übernommen auch stark durch die französischen Standesamtsgesetze um 1800 kommen hier deutlich ins Bild, wenn der Vater um Haupteslänge die beiden anderen überragt und für sich eine ganze Bildhälfte einnimmt. Wird hier ein Sohnes-Gehorsam zementiert nach dem Motto: „Solange du deine Füße unter meine Hobelbank steckst“?

 

Die Deutung

In der weltweit sehr anerkannten Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ wandte sich Papst Leo XIII. 1891 gegen die Sozialisten und trat für den einzelnen Arbeiter ein: Der Mensch habe das Recht auf Arbeit und Unterhalt der eigenen Familie. In der Arbeiterfrage drängte er die Tendenz staatlicher Gesetze zum Vorrang des Gemeinbesitzes zurück zugunsten des Rechts auf Privateigentum und Pflege des Familienwesens. In RN Nr. 11 ist sogar die Rede von der „Verletzung väterlicher Autorität“, was Spöttern vielleicht sogar zu besonderen Rückschlüssen auf die Männerdomäne im „Papst“-amt Anlass gäbe …

Nach amerikanischem Vorbild von Arbeiteraufständen 1886 kam es auch zu einem deutschen 1.-Mai-Feiertag bis auch NRW in die Verfassung schrieb: „Der 1. Mai als Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde ist gesetzlicher Feiertag.“ Dies wurde sehr spät 1955 durch Pius XII. kirchlich festgelegt als „Fest Josef des Arbeiters“. Bisher war Josef in der Kunst als Davidsohn wie ein Gildenmeister seiner Zunft dargestellt worden. Die Nazarener stellten ihn entweder mit Lilie wegen der Jungfrauschaft Marias oder als Helfer zu einem guten Tod dar und dann immer mehr der Arbeiterfrage entsprechend wie hier als Zimmermann mit Hobel, Winkel und Beitel.

Groß wird im Bild der Wert der eigenständigen Arbeit dargestellt, die dem höher betonten Wert des Broterwerbs in einer noch aufgabengeteilten Familie galt. Man mag darin den Ausdruck der Rollenverteilung gespiegelt sehen. Erstes Ziel ist hier aber die Anrufung und Verehrung des heiligen Josefs in Fragen der Arbeit, der Familie und des guten Todes. Die Blickrichtung der Eltern gehen auf das Kind. Immerhin erinnert wie auf mittelalterlichen Vorlagen das Buch auf dem Schoß der jungen Mutter an „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Der damaligen Zeit entsprechend wird aber hier bildlich-wörtlich das „und er war ihnen untertan“, des Evangeliums vom Sonntag der Heiligen Familie tief nachklingen,  wo heute zwar „gehorsam“ steht: Familienpädagogik der Zeiten des Ersten Weltkriegs lässt grüßen. Auch aus solchen Traditionen stammt z.B. der Missbrauch des Heiligen Nikolaus, um Kinder „brav“ zu halten. Uns bleibt beim Betrachten: 1. Der Wert und das Glück, Arbeit zu haben, Erfolge verbuchen zu können, etwas Sichtbares hervorbringen zu können. 2. Verantwortung für eine Familie übernehmen zu dürfen und für seine Lieben sorgen zu können. 3. Die Heiligen um Fürbitte anrufen zu können in Problemen des Alltags, der Beziehungen und des Todes.

 

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4. Sonntag der Osterzeit im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

40. Ich bin Weg, Brot, Tür, Weinstock, Licht, Leben … Lass uns bleibend in dir bleiben. Leben aus den sieben Ich-bin-Selbstvorstellungen Jesu im Johannesevangelium. Eingangstür St. Clemens Wissel

(4. Ostersonntag A: Apg 2, 14.36-41; 1 Petr 2, 20b-25; Joh 10,1-10)

 

Im Bild

Die geöffnete Tür der fast 1000 Jahre alten Stiftskirche St. Clemens in Kalkar-Wissel haben schon viele betreten. Vielleicht war neben der Elternhausvermittlung, dem privaten Beten und christlicher Lektüre, neben vorbildlichen Christen und religiösen Gesprächen der Eintritt durch diese Tür ein „Gotteszugang“. Jesus sagt: „Ich bin die Tür“.

 

Die Deutung

Irgendwann ist mir klargeworden, dass Jesus bei den sieben Selbstvorstellungen mit den klassischen „Ich bin“-Worten im Johannesevangelium eigentlich sich selbst in den gewählten Bildern sehr zurücknimmt: Eine Tür eröffnet den Zugang zu wie vielen und wie großen Räumen und Geschehen, ein Licht leuchtet einen vielfältigen Raum aus, ein Weg lässt Landschaften begehen und erleben, ein Brot reicht für viele Menschen, ein Hirt begleitet ein Leben lang tausende Schafe. Wie viele leckere Beeren für Außenstehende wachsen an immer neuen Rebenzweigen vom alten Stamm Jesus. Wir bekommen durch Jesu Zurückhaltung eine riesige Freiheit zur Selbstgestaltung dieser Welttage, eine wunderbare Vielfalt von Lebensentdeckungen, eine ungeahnte Dimension von Gott. Was wäre, wenn wir statt Brot Nahrung, statt Licht Ausleuchtung, statt Tür Zugang, statt Reben Rebzweige denken? In Exerzitien ist ein Lied entstanden und eine Zwiegespräche zwischen mir und Jesus.

 

Kehrvers:           Sag uns, Jesus, wer du bist! Zeig mir, wie du durch mich liebst!

Du sprichst: Ich bin da für dich. Bleibe in uns, wirk durch mich!

 

Ich bin das Brot des Lebens. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.. (Joh 6, 48.51b)

Ich: „Gekreuzigter, dein Leib stärke den Leib der Kirche!“ – ER: „Ich bin euch wirksame Himmelsnahrung.“

1. Du bist das Brot, im Abendmahl gegeben, vom Himmel kommend, weckend uns zum Leben,

verbindend Christen im Erinn’rungsbunde, hingebend wirkend, stärkend in der Runde.

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, … wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8, 12)

Ich: „Mein Herr und mein Gott, leuchte lebendig aus uns!“  – ER: „Ich bin eure Weltausleuchtung.“

2. Du bist das Licht, Welt göttlich auszuleuchten, dass Menschen Dunkles nicht neu weiter zeugten, dass Heiligkeit und Güte aus uns leuchten, wie deiner Zeugen Werke es anzeigten.

Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. (Joh 10, 9)

Ich: „Rabbi, wir lehren gern dein Lieben.“ – ER: „Ich bin euer Gotteszugang.“

3. Du bist die Tür, Zugang zu Gottes Räumen, lässt sehn uns mehr als in den kühnsten Träumen.

Statt breiter Straß’ dein Pfort’ lass uns beschreiten, wo in dir weit sich Horizonte weiten.

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11, 25)

Ich: „Gottes Sohn, Lebensfülle schafft dein Geist.“ – ER: „Ich bin euer Ewigkeitsaufbruch.“

4. Du bist die Auferstehung und das Leben: Uns Todverstrickte mahnend mögst anregen,

durch Liebe-Üben Auferstehn zu wagen; wirst wandelnd uns einst Gott entgegentragen.

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. (Joh 10, 14)

Ich: „Heiland, sei heilsam wirksam durch uns!“ – ER: „Ich bin euch Freund und Leitfigur.“

5. Du bist der Hirte weltweit vieler Schafe, birgst in Gemeinschaft, drohst uns nicht mit Strafe.

Du setzt in Freiheit uns auf gute Weiden, selbst Lamm im Lebenseinsatz, Kreuz und Leiden.

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh 14, 6)

Ich: „Meister, wir gehen mit dir.“ – ER: „Ich bin euer Himmelspfad.“

6. Du bist der Weg, den viele schon begingen, führst weit in Welten, hin zu Himmelsdingen.

Du bist uns Vorbild, Freund und Fundament, dass Gottes Wahrheit, Leben man erkennt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. (Joh 15, 5)

Ich: „Immanuel: Bleibe und bete in uns!“ – ER: „Ich bin euer tragender Stamm.“

7. Du bist der Weinstock, wir dazu die Äste. Wir sind Zuschauer nicht noch irgend Gäste:

Du willst uns brauchen, gute Frucht zu zeugen, die Glaube, Hoffnung, Liebe der Welt zeigen.

 

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3. Sonntag der Osterzeit im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

13. Eine verborgene Wirklichkeit. Altarraumfenster St. Lambertus Kalkar-Appeldorn. Egbert Lammers 1973

(3. Ostersonntag A: Apg 2, 14.22b-33; 1 Petr 1, 17-21; Joh 21, 1-14; Lk 24, 13-35)

 

Im Bild

In der spannenden Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ließ Pastor Johannes Sieverding 1973 Egbert Lammers ebenso spannende Fenster in den Chorraum der alten sowie in den Teil der neuen Lambertus-Kirche bringen. Öde und dürre Äste erscheinen dort in schwarz-weißen Fenstern. Das Leuchten der Farben der Altarraumfenster nimmt die Gemeinde fast nicht wahr. Ist im Kirchenraum die Dürre der Wüstensträucher, im Chorraum der leuchtende brennende Dornbusch (Ex 3) dargestellt? Wird hier wie im Appeldorner Wandteppich an das Wort „Jahwe“ „Ich bin da!“ erinnert? Jedenfalls leuchten aus den von einer Sonne überstrahlten verzweigten Flammenzungen zwei Kränze: Einer besteht aus Ähren, der andere aus Trauben. Der Linke mit Ähren enthält mittig einen ganzen Laib Brot, der rechte in der Mitte einen breiten Kelch. Das Evangelium der Emmaus-Jünger klingt nach: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lk 24,32)

 

Die Deutung

Liebe Kommunionkinder, liebe Eltern! Am 3. Ostersonntag hielten wir bisher immer Kommunionfeiern. Ihr dürft dabei Jesus neu entdecken. Jesus aber nicht so, wie ihr ihn in den Geschichten der Bibel kennengelernt habt. Jesus in neuer Form. So wie er euch euer Leben lang beschenken will. Ihr spürt die brennende Freude in euch schon. Manche Erwachsene in der Gemeinde haben Jesus schon über 60 Jahre jeden Sonntag im Heiligen Brot empfangen. Ich darf als Priester Jesus schon über 40 Jahre in den Zeichen von Brot und Wein in mir spüren. Man sagt, in Appeldorn wurde schon 1000 Jahre lang die heilige Messe gefeiert.

 

In Appeldorn habe ich dieses Fenster jetzt erst richtig gesehen. Man muss es suchen. Es liegt am Altar „um die Ecke“. Man muss um die Ecke herumgehen und mit den Augen stark suchen, um in den lodernden Zweigen die beiden Kränze aus Kornähren und Weinranken überhaupt zu sehen, und darin dann das Brot und den Kelch.

So ist das mit der Kommunion auch: Das heilige Brot, ja Leib und Blut Christi sind verborgene Gestalten, verwandelte Zeichen. Jesus hat sie uns am letzten Abend mit neuem Sinn ans Herz gelegt. Diebeiden traurigen Jünger, die er nach seinem Tod in Emmaus getroffen hat, spürten im Herzen dann beim Verstehen ein Brennen.

Im Feuer hat sich Gott gezeigt dem Mose (Ex 3). Im Feuer haben die Jünger am Pfingsttag den Heiligen Geist gespürt (Apg 1). Wir können für alles, was Jesus gesagt und getan hat, Feuer und Flamme sein. Aber so oft müssen wir ihn auch suchen. Wir finden im Alltag nicht so leicht zu ihm. Wir haben immer so viel zu tun. Er drängt sich nicht auf. Wir müssen manches Mal erst „um die Ecke gehen“, auf Suche gehen nach seinem Licht, nach ein wenig Erleuchtung im Herzen. An einen ruhigen Platz zuhause oder in den stillen Raum der Kirche. Dort können wir die Stimme von Jesus in uns hören. Oder in euren schönen Liedern. Oder in den Worten der Bibel. Oder wenn viele gemeinsam ihren Glauben und ihre Freude als Christen zeigen. Mit viel Musik, einem Chor oder vielen Kindern. Oder eben in dem ganz besonderen Zeichen, das er uns an seinem letzten Abend extra gegeben hat: Brot und Wein. Wenn wir es miteinander so teilen und beten wie er mit seinen Freunden beim Abendmahl und mit den Emmaus-Jüngern.

Der kleine Jechiel kam nach längerer Zeit enttäuscht zu seinem Großvater: „Ich habe mich beim Verstecken-Spielen ganz lange versteckt, aber keiner will mich suchen.“ „Ja,“ sagte der Großvater, und schaute nach oben. „Das sagt Gott auch: Ich verberge mich, und keiner will mich suchen!“ – Willst du Gott suchen? Willst du Jesus suchen?

Wenn wir das Kreuzzeichen machen beim Beten, dann möchten wir mit der Hand sozusagen Gott zu uns holen, dass er unser Denken beschützt, dass er bei uns bleibt, das wir andere gut be-„handeln“. Und wir sagen dann: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes: Gott ist so vielfältig. Gott ist so groß. Gott ist überall um uns herum. Gott können wir nicht immer verstehen. Gott ist so anders, als wir uns vorstellen können. Aber gleichzeitig möchte er sich uns zeigen, wenn wir ihn nur suchen. Ich ver-suche das jeden Tag: Jesus anzusprechen, mit Gott Kontakt aufzunehmen. Aus gutem Geist zu leben. Das Heilige Brot hat die Christen dazu über 2.000 Jahre stark gemacht. Bittet ihn auch zuhause: Jesus, erzähle uns von Gott! Jesus, zeig dich uns! Jesus mach uns fit für gute Sachen!

 

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2. Sonntag der Osterzeit (weißer Sonntag) im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

7. Zu „seiner Rechten und zu seiner Linken“: Prominente Kalkarer Eheleute in Emmaus mit am Tisch

Messgewand in de Schatzkammer von St. Nicolai Kalkar aus der Fam. van Riswick, ca. 1530.

(Ostermontag A: Apg 2, 14.22b-33; 1 Kor 15, 1-8.11; Lk 24,13-35)

 

Im Bild

Dieses unterste Bild eines Kaselstabes beweist eine hohe Nadelkunst. Die Detailfreudigkeit auf engem Raum zwischen zwei Säulen ist groß. Die Muschelzierde lässt die Renaissancezeit erkennen genau wie die wunderbaren Gewänder. Jesus sitzt mit den beiden Emmaus-Jüngern in einem kachelgefliesten Raum an einem weißgedeckten Tisch auf einer getäfelten Rückenbank zentral. Die hochgebundene Hutkrempe und das braune (oder purpurne?) Gewand zeigt den Pilger, wie der rechte Jünger unten auch mit Pilgerhut und (Mini-)Rucksack ausgestattet ist. Der andere wirkt wie ein Kaufmann, beide einander zugewandt im freudigen Gespräch, beide voll einig wirkend, beide „gut betucht“, beide auf schräg gestellten halbhohen Holzsitzen.

Auf dem Tisch sind in der Bildmitte eine runde Brotschale, zwei Silberbecher, ein Messer, Brötchen, evtl. Obst, vor Jesus ein Brettchen. In die Rolle der Bewirtenden (und Augenzeugen) kommen links eine Frau mit einer blauen Schale und ein rothaariger Mann mit einer Kanne, seine Hand locker auf die Bank legend. Die fromme Erzählung bekommt Alltagstauglichkeit. Die vier mehr als gut bürgerlich gekleideten Personen stellen den schlicht gewandeten Jesus deutlich durch ihre Haltung in die Mitte, die beiden Jünger deuten je mit ihrer linken Hand auf Jesus, der gerade einen Brotfladen in zwei Stücke zerreißt.

 

Die Botschaft

Ich habe dieses Bild gerne zur Grundlage der Silberhochzeitspredigt verwandt. Hat das reiche Ehepaar van Riswick das Messgewand für seine (Silber-) Hochzeitsmesse gestiftet und sich am unteren Gewandsaum schnell beim Emmaus-Mahl mitverewigen lassen? Es ist ja der Moment gezeigt, dass die beiden staunenden Jünger ihnerkannten, als er das Brot brach. Diesen Abendmahlsrückbezug kann und muss man als Thema sehen. Aber wenn Maria äußert „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? (Lk 1, 34), dann kommt das eheliche einander „erkennen“ hinzu. Nicht nur, dass die Bibel davon spricht, dass man einen Mann, eine Frau als Lebenspartner erkennt. Sie spricht auch gerade bei der körperlichen Gemeinschaft von Mann und Frau als einander „erkennen“ (Mt 1, 25). Immerhin stellen die beiden Stifter oben Jesus mitten zwischen sich als Bindeglied, was nicht unbedingt alle Paare so selbstverständlich teilen können (und bei den Beiden ebenso auch vorgetäuscht sein kann).

Aber immerhin: Beim Ehepaar und bei den Jüngern geht es um Freundschaft, um innere Zugehörigkeit, um den Bick der Liebe, der keine Beweise duldet, ein inneres Wissen: Das ist es! Ein staunendes „Wahr-nehmen“. Die Emmaus-Jünger entdeckten etwas sehr Vertrautes und Stimmiges, wie es Verliebte auch empfinden. Ich freue mich immer, wenn die Bibel poetische Liebestexte zur Glaubensbildung nutzt: Unsere Religion ist keine Gebote-Erfüllungs-Fima und kein Lebensgrundsatzprogramm, sondern zeigt Menschen und ihr mutiges Vertrauen: „Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutage-Treten von Tatsachen, die man nicht sieht.“ (Hebr 11, 1)

Wir Deutschen sind zu sachorientiert oder zu oft auf Anweisungen aus, statt Beziehungen zu fühlen, Werte zu empfinden, zwischen den Zeilen zu lesen, das Herz sprechen zu lassen, loben zu können, ein inneres Auge zu haben, tiefer zu blicken, auf andere offen zuzugehen, neugierig sein zu können, sich an Schönem und Erfolgen bei anderen freuen können, sich spontan hinreißen zu lassen, sich packen lassen, lieben … Wenn „Religion“ von „sich zurückbinden an“ kommt: Die beiden Jünger greifen sofort den Faden der Jesus-Gemeinschaft auf und wollen dies wie früher mit den anderen teilen: „Brannte uns nicht das Herz?“ Zwei Verliebte binden sich freiwillig auf Jahrzehnte zurück an die Anfangserkenntnis. Wo spürten wir selbst diese kostbare Liebesenergie, „Feuer und Flamme sein“?

Die liturgische Feier am Ostermontag zeigt gleich die Nagelprobe zur Abendmahlsverbrüderung der Freunde Jesu. Ist unsere Eucharistie immer liebevoll und dankbar davon geprägt: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir (als Passion Gottes für seine Welt) und deine Auferstehung preisen (nicht beweisen) wir, bis du kommst (nicht bis wir gehen) in Herrlichkeit.“ Haben wir Hunger nach diesem Liebesmahl, diesem Lebensbrot, dieser intensiven Bindung?

Ich kenne Eheleute, die verabschieden sich morgens mit „Küsschen und Kreuzchen“: Sie segnen sich gegenseitig für den Tag. Sie „wissen“, dass die Christusbeziehung ein „Plus“ für ihr Leben ist. Es ist ihnen wichtig, dass da einer öfter „dazwischenfunkt“ und sie nie allein lässt. Auch wenn man ihn nicht „sehen“ kann. Liebende sehen weiter!

 

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Ostern im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

5. Am achten Tag: Sieben Schöpfungstage, ein Ostermorgen. St. Barnabas Kalkar-Niedermörmter. Kirchenfenster 1957 von Trude Dinnendahl-Benning (1907-2004), (Osternacht A: Gen 1,1-2,2; Röm 6, 3-11; Mt 28, 1-10)

 

Im Bild

Dass in beiden Fenstern je eine „Hand Gottes“ die verschiedenen Schöpfungsanteile präsentiert, sah ich erst auf den zweiten Blick: Licht, Erde-Wasser, Gestirne samt Erdball sowie Lebewesen und Pflanzen zu Wasser, Land und Luft. Aus einer Kreisbewegung, einem weißen Mittelfeld treten die Dinge „ans Licht“: Der Urknall ist fast hörbar. Große moderne Farbigkeit, die mit dem Gold des linken Bildes auch eine Betonung zum Menschen hin setzt.

Im Zentrum interessanterweise dort nicht Adam, sondern Eva. Die genaue Bildmitte ist über ihrem Schoß, dort wo die Verbindung der Hände wie zum Eheschluss liegen. Der größere starke Adam ist aber nach links gerückt und Eva mit Goldgrund gezeigt. Und er mit seiner offenen Linken klammert sogar nicht einmal … Alle Tiere in einer „Startbewegung“ aus der Hand Gottes heraus, nur das Paar wie beim „Ruhetag“, dem Herrentag, dankbar ausruhend im Blick auf den Schöpfer.

 

Die Botschaft: „und siehe, es war sehr gut!“

Wenn unsere Gemeinde am Samstagabend die Kirche betritt, leuchten die Fenster in der Abendsonne. Sie betrachtet zunächst von hinten beginnend, was sie dann im Credo bekennt: „den Schöpfer des Himmels und der Erde“. Die weiteren Fenster zeigen den Gekreuzigten, den Auferstandenen, die aufbrechende Kirche mit Maria und vorne Christus seiner Kirche vorangehend mit Bibel und Kelch. Konzilsgeprägt ist „das Volk Gottes auf dem Weg“ thematisiert. Für mich hatten die beiden ersten Fenster bisher etwas eher Kindliches, vielleicht müsste ich besser sagen Spielerisches. Das erinnert an die Rolle der Weisheit in Sprüche 8, 29f.: „… als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.“ Nicht umsonst sprechen wir vom unschuldigen Spiel der Kinder, das mit Paradiescharakter den Sündenfall nicht zu kennen scheint: Wie wertvoll ist uns die „unberührte Natur“ gerade in unseren Tagen von digitalen Medien und Umweltkrisen! Wie gut tut es, dem Schöpfer in den Frühlingstagen nachzuspüren und sich am Licht, am Aufblühen, am Lachen und der erhöhten Freundlichkeit der Menschen zu erfreuen. Jeder Sonntag wird bei Christen nach dem „Sabbat“ als achter Schöpfungstag gefeiert: Der Mensch bricht neu auf in Dankbarkeit über das Geschenkte. Der kostbare erste Tag der Woche hilft zur Rückbindung aller Arbeit und Freizeit an den Schöpfer und zur Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus.

 

Eva im Zentrum des linken Bildes: Die deutsche Sprache kennt ja „Mutter Erde“, „Mutter Kirche“. „Adam“ heißt „aus Erde“, während „Eva“ immerhin „Leben“ bedeutet. Aus der Mitte der Hand Gottes, aus dem Mutterschoß: Leben! In einer männerbetonten Kirche habe ich meine Freude an diesem Bild: Der Mensch sollte schauen auf die „Geburtsstunden“: Die Geburtsstunde der Welt, den Geburtstag des eigenen Lebens, ja und auf die Geburt in die Auferstehung aus dem Tod in eine andere Welt: Leben! Auferstehung! Die große Farbigkeit der Schöpfungsdarstellung ist ein Vorbild für das Ewige: Vielleicht werden sich alle Farben wieder zu Weiß addieren wie im „Ur(knall)sprung“. Die beiden Hände stehen für mich hinter allem. Wie es über manchem Friedhofsportal steht: „Aus Gottes Hand, in Gottes Hand“. Aus seinen Händen empfingen wir unser Leben, in seine Hände legen wir unsere Lieben: zur Freiheit geboren! Gott sagt: „Ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“ (Jes 49, 15f.)

 

Die Form der Hände ist total offen und ganz auf die Erde hin ausgerichtet: Das ist die Sprache der Freigabe, der großen Freiheit der Geschöpfe. Mancher empfindet sich zur Freiheit verdammt und wäre lieber festen Spielregeln unterworfen. „Alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Röm 13, 9). Die Erde könnte ein Paradies sein, spielend schön, wenn wir Gott und die Nächsten lieben. Der auferstandene Jesus hat dahin einen Weg gezeigt. Nicht umsonst verdunkelten sich Sonne und Mond beim Tod Jesu: Die Auferstehung Jesu besiegt alles an der Schöpfung Sterbliche. Die Liebe überwindet den Tod. Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott. (Joh 15, 9; 1 Joh 4, 12-16) Gut, Ostern mit Liebe alles Leben von Anfang an zu betrachten!

 

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Karfreitag im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

4. Gedränge unterm Kreuz: Hochaltar in St. Peter und Paul Grieth. Ludwig Jupan 1510

(Karfreitag A: Jes 52, 13-53; Hebr 4, 14-16; Joh 19,18ff.)

 

Im Bild

Eng verwoben agieren 20 Personen, zehn Pferde und ein kleiner Hund unter den drei Kreuzen des herausragenden Griether Mittelbildes. Vier kleine Engel fangen zudem in Kelchen das Blut Jesu auf. Ein kleiner Teufel entweicht nach rechts beim unversöhnlichen Schächer, während beim guten Schächer der Engel die Seele in Form eines Kindes gen Himmel trägt.

Im Pferdegewimmel der Mittelszene führt einer dem blinden Longinus die Lanze beim Öffnen der Seite Jesu. Von rechts hebt jemand den durststillenden Schwamm. Unten ist links Veronika (mit Freundin?) und die Gruppe der drei Marien (Mk 15) mit dem sehr jugendlichen Johannes, der zu seinem Freund Jesus aufblickt und gleichzeitig wie in einem umgekehrten Vesperbild die zusammengebrochene Maria mit Maria Magdalena stützt. Diese ist durch die Kleidung hervorgehoben wie auch der nach oben weisende Hauptmann. Das Mittelalter ließ häufig noch die Juden beim Kreuzigungsgeschehen „zu seiner Linken“, während das Erlöserblut für die Ge-„rechten“ zu seiner Rechten fließt. Der Totenkopf unten weist mit dem Adamsgrab auf die Adam-Christus-Deutungen von Paulus und der kleine Hund in der Mitte auf den Verrat.

 

Die Botschaft

Zusammen mit dem Leib Jesu und den Blutskelchen sind solche demonstrativen Kreuzigungsszenen über dem Altar der Messfeier auch Sichtbarmachung des Abendmahlswortes Jesu: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“ Unsere Eucharistie, die wir in Brot und eigentlich Rotwein feiern, ist jedes Mal unser Aufblick zum Retter am Kreuz, unsere Rückbesinnung auf seinen Lebens-Einsatz, unsere Blickrichtung aus tödlichem Weltverhaftetsein zum Himmel, unsere große Dankfeier „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir allmächtiger Vater zu danken für Jesus, deinen Sohn.“

 

Es ist mit dem Lanzenstich des dabei sehend werdenden blinden Longinus genau der Moment festgehalten, in dem aus der Seite das Erlöserblut auf „die zu seiner Rechten“ herabkommt. Spätestens die untere Szene ist geteilt: Links die Frauen, rechts die johlende und verspottende jüdische Menge: „Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.“ (Lk 23, 35) Uns Heutige sollte die Links-Rechts-Trennung, die Schwarz-Weiß-Malerei auch immer wieder Anlass zu abgewogener Bewertung und auch Rückbesinnung auf eigene Schwächen sein. Wie oft lassen wir unseren Freund Jesus aus unserem Leben verschwinden, wie oft vertreiben wir ihn aus unseren Gesprächen, wie schnell kommt er „nicht vor“, wie oft stirbt Jesus bei uns den Tod der Gottvergessenheit entweder durch Oberflächlichkeit oder durch Angst vor dem Gespött von Menschen?

 

Die ausdrucksvolle Legende aus dem apokryphen Nikodemus-Evangelium vom „Schweißtuch der Veronika“ bringt einmal mehr den Mut von Frauen und die Sprache der Gefühle ein in eine (mit so vielen Pferden aus der Ritterwelt) machtprotzenden Männerszene. Unsere Aufgabe in diesen intensiven Passionstagen ist auch, dass wir uns das „Angesicht“ Jesu, unseren „Eindruck“ von ihm in diesen Kar- und Ostertagen mitnehmen für das Kommende.

Wie viele Mütter haben schon auf das unsägliche Leid der Schmerzensmutter Maria geschaut, die ihren 33-jährigen Sohn so als Verbrecher entwürdigt und so jung qualvoll sterben sieht. Die Schmerzerfahrenheit Marias hilft vielen in ähnlichen Tragiken heute, trotzdem einen Weg zum Glauben an Jesus zu finden und an seinen Vater: Einen Aufblick aus allem Niederdrückenden, einen Trost in Krankheit, einen Anker beim Verlust von Kindern, eine Solidarität mit einer großen Frau im herben Unglück.

Der „Lieblingsjünger“ Johannes wird Maria als fürsorge-verpflichteter Sohn zugeordnet und fast von den Aktivitäten der Frauen verdrängt. Warum engagieren sich Männer so wenig? Warum zeigen Männer so dürftig Glaubenseinsatz? Unsere Gemeinden dürfen das Zeugnis der Frauen in der Öffentlichkeit nicht schmälern. Die Blickrichtung des Johannes muss jeden Abend die unsere sein: Ein Kreuz im Zimmer als Ruhepol, als Kontaktpunkt, als Erinnerungsstütze. Die Welt hat einen Brückenbauer. Ich habe einen Erlöser, einen Verwandler, Verbinder, einen Ewigkeitsgaranten.

 

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Gründonnerstag im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

3. Niedrige Arbeiten für andere oder frommer Kirchenkult:

Pascha in Ägypten, St. Regenfledis, Kommunionbank ca. 1920

Die Fußwaschung Jesu, St. Nicolai, Meister Arnt, 1485.

(Gründonnerstag: Ex 12, 1-8.11-14; 1 Kor 11, 23-28; Joh 13,1-15)

 

Die Bilder

1. Die seltene Darstellung vom Auszug aus Ägypten: Verschont wird das jüdische Haus, das das Blut des geschlachteten Lammes am Vorabend des Aufbruchs an den Türpfosten (links) gestrichen hat.

2. Der Sklavendienst Jesu einer erfrischenden Fußwaschung für den protestierenden Petrus vor den Augen der anderen elf Jünger. Die rechte Predella im Hochaltar von St. Nicolai mit den herrlichen Gewändern und wunderbaren Köpfen aus der Stadt und dem Dominikanerkloster stammt ganz aus der Hand vom Kalkarer Meister Arnt. Anders der grober geschnitzte „Einzug in Jerusalem“ mit dem großen Esel links vom zentralen Abendmahlsbild.

 

Die Botschaft

Die doppelte Abendmahlsrunde im Hochaltar von St. Nicolai hat seinen Grund: Links das „Hosanna! Hochgelobt sei, der da kommt“ aus der Messe, rechts die Aufforderung zum untersten Sklaven-Dienst füreinander. Da will Jesus ein „ausländischer Fremdarbeiter“ sein: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“, meint Bischof Gaillot. „Ihr wart Sklaven in Ägypten!“ Jesus erinnert mit seinem Sklavendienst an die liebevolle Fürsorge für Arme und Schwache als den notwendigen Christen-Liebesdienst neben tollen Messfeiern mit wunderbaren Hosanna-Chören. Christen haben drei Säulen des Gemeindelebens: 1. Weitergabe des Glaubens in Katechese und Verkündigung, 2. sozial-caritative Sorge und 3. lebensnahe Liturgie in der „Kommunion“ aller Generationen mit Christus am Sonntag.

Gerade der Gründonnertag erinnert an die Befreiungstat Gottes aus „knechtlicher Arbeit“ in Ägypten, den reinigenden Weg mit den Zehn Geboten unter Mose durch die Wüste und die Freiheit im „Gelobten Land“. Die Botschaft: Frei fühlen dürfen sich die „Gerechten“, die Gott und die Menschen im Blick halten und die sich mit ihrer Schuld und ihrer Gottvergessenheit an den Erlöser wenden. Rot ist in Israel die Farbe der Schuld, wie bei uns schwarz, außer beim Konto. Rot wird bei Jesus am Kreuz zur Farbe der Liebe: Rotwein beim Abendmahl und Blut am Holz des Kreuzes sind Jesu Signale für die Freiheit des Menschen: Frei von todbringender Schuld, frei von der Endgültigkeit des Todes im gelobten Land des Paradieses. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ ist die Umsetzung dieser Befreiungstat Jesu in Gemeinschaft. Das gilt für die soziale Sorge wie für die „Kommunion“ der Gläubigen. Gottes Dienst an uns feiern wir im Gottesdienst. Aber unser Menschendienst von Montag bis Samstag ist genau so viel Gottesdienst.

 

Es ist Pascha – Vorübergang des Herrn

Wie zogen aus sie aus Sklaverei Stand? Wie brach man auf auf den Weg unbekannt?

Wie kamen frei sie, ganz frei in ihr Land? Wie wurd’ Israel neu, neu mit Gottes Hand?

Grund war das Lamm, einjährig, ganz fehlerfrei, Bitterkraut, Brot und der Wein war‘n dabei,

abends gegessen zum Aufbruch bereit, Blut nachts am Türholz: So Gott sie befreit.

 

Ungesäuert Brot, ja so sollte es sein. Wein rot wie Blut und das Blut rot wie Wein:

„Wenn eure Schuld rot wie Scharlach auch wär, weiß wie der Schnee, so macht neu euch der Herr.“ (vgl. Jes 1,18)

Vierzig Jahr‘ Wege durch Wüste und Sand, abtrünnig wird Gottes Volk dort im Land.

Goldenes Kalb ist ihm lieber als Ziel. Sündig man sondert sich ab von Gott viel.

 

Fastenzeit: Weg, vierzig Tage lang Zeit, finden den Gott, der zum Leben befreit,

lösen von Fehl, wem ich was fehlen ließ, Aufbruch aus Schuld, was ich wem schuldig blieb.

Wie löst er aus uns aus Ichhaftigkeit? Wie geht hinein er in Tod, Kreuz und Leid?

Wie steht er auf, lebt auf neu aus dem Grab? Wie bleibt er hier, hier, wo uns er sich gab?

 

Blut an dem Kreuzholz: Gott so uns befreit. Lamm, hingeschlachtet in solch Schlechtigkeit.

Gott in dem Brot, das in unserem Leib, Blutgeld im Wein, dass nicht sündig ich bleib.

Weiß wie der Ostertag wird uns das Herz, Christi Vorübergang kreuzt meinen Schmerz:

Paschabrot ess ich, im Bund trink den Wein: Kann mein Erlöser belebender sein?

 

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Palmsonntag im Jahreskreis A

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

2. Passion: Gefangennahme Jesu, St. Nicolai, Jan Joest 1509

(Palmsonntag A: Jes 50, 4-7; Phil 2, 6-11; Mt 26, 14 – 27, 66)

 

Im Bild

Weit vor Rembrandt malt Jan Joest eine der frühesten „Nachtstücke“: In der Stunde der Sünde der Menschen geht das Licht von den Laternen und von der Gestalt Jesu selbst aus: „Ich bin das Licht der Welt!“ Die Mittelsenkrechte des Bildes trennt Jesus vom Verräter Judas. Der hat nicht nur rote Haare, sondern auch ein schamrotes Gesicht. In jedem der ausdrucksvollen, ineinander verkeilten Köpfe geht anderes vor. Alles ist Unruhe, Jesus ist die Ruhe selbst im Königspurpur. Die buntesten Farben der Gewänder und die fratzenhaftesten Gesichter vom kleinen Kind über den jungen Malchus bis zu den Soldaten und Petrus im Blau der Treue und im Rot des „Liebst du mich mehr als diese?“. Malchus mit blutendem Ohr schützt sich vor dem zweiten Schlag des Petrus, eine Bewegung wie beim ebenso verhinderten Abraham-Opfer Isaaks. Wie auf dem Pfingstbild weist der nackte Fuß am unteren Bildrand auf das zentrale Geschehen oben. Im Bild ist Jesus als gerade aufgerichtete Person die größte Gestalt. Er verbiegt sich nicht. Der Hauptmann rechts, in farblicher Opposition zu Petrus, steht deutlich abgesetzt. Er weist mit der linken Hand „hinterrücks“ nach unten und mit der rechten auf Jesus. Ist das ein „Dieser ist Gottes Sohn“?

 

Die Botschaft

Es ist die Stunde des Verrats. Hier kippt das „Hosanna, hochgelobt sei, der da kommt!“ zum „Weg mit ihm! Kreuzige ihn!“. Jesus strahlt den Frieden der Bergpredigt aus. „Dem, der dich auf die eine Wange küsst, halt auch die andere hin“ (Lk 6,29), könnte er sagen. „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen!“ (Mt 26, 52) „Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen!“ Seine Freundessorge! „Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und lehrte.“ Seine Sendung vom Vater! Die wehrlose Liebe bleibt sich in dieser Stunde treu.

Es ist die Nacht der Entscheidung. Für den „Hohen Rat“, der beratschlagt. Für Judas, der das Geld zurückgibt und sich erhängt. Für die Jünger, die fliehen. Für Petrus, der den Hahn hört und weint. Markus berichtet gar von einem, der ihm folgen will, aber den Häschern beim Fliehen sein Gewand zurücklassen muss.

Wo stehe ich? Wie entscheide ich mich im Blick auf Jesus? Wenn ich das Bild senkrecht in vier Streifen teile, bekomme ich für meine Entscheidung vier Positionen: 1. Petrus, 2. Jesus, 3. Judas und die Häscher und 4. der abseits stehende Hauptmann. Wo stehe ich mit meinem Glauben? Wo will ich mich sehen?

1. Bin ich wie Petrus, der „mit Gewalt“ und nur „für die Leute“ beweisen will, dass ich doch der treue Christ bin. Der aber schnell kneift, wenn das Christsein etwas kostet? Freue ich mich trotzdem daran, dass Jesus vielleicht auch mich „als Bock zum Gärtner“ machen will wie den wankelmütigen „Felsen“? Höre ich von Jesus die Anfrage nicht auch für mich: „Liebst du mich, liebst du mich mehr als diese hier?“ (Joh 21, 15) Lebe/Liebe ich entschieden genug?

2. Habe ich die Gelassenheit Jesu selbst, das Gottvertrauen, das Gotteskind-Gefühl, bin ich „Christ“, habe ich den absoluten Friedenswillen des Mannes am Ölberg? Rachegefühle, Angst um mein Ego, Gegenwehr mit gleichen Waffen, aufkommenden Zorn über die treulosen Mitmenschen: Kann ich so etwas souverän lassen? Kann ich dem „Psalm“ von Hanns Dieter Hüsch zustimmen: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit, Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit.“ Kann ich so „gerade stehen“ für eine gelassene, aggressionsfreie Liebe?

3. Der Judas aus Karioth und der mit der Hauptstadt Jerusalem übrig gebliebene Lebensraum der zwölf Stämme Israels „Judäa“ mit den daraus hervorgegangenen Juden sind namensgleich. Juden stehen bis ins Mittelalter hinein deutlich als „Messias-Mörder“ da. Ich sollte mich nicht unbewusst dem anschließen: Aber auch ich bin wankelmütig wie Petrus oder verrate die Zuwendung Jesu wie Judas. Meine Lieblosigkeit und Verantwortungslosigkeit anderen gegenüber müssen Jesus im übertragenen Sinn Schläge zusetzen. Mein geringes Bemühen um Beten und Glaubenstaten lassen mich nicht besser dastehen als die biblischen Gestalten damals. Wieviel Verrat ist da in meinem Leben?

4. Naja, und wie der Vierte da rechts am Rand: Ich kann aus dem Fernsehsessel gut andere kritisieren und mich heraushalten. Aber ich bin „Hauptmann“: Ich steuere in meiner Verantwortung viel, mehr als ich oft von mir denke.

Bleibt es dabei: „Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt?“ Nicht kennen wollt? – „Seht den Menschen!“

 

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AvD-Schatzkiste

Ehe+Jubliäen

Archiv Sonntagsgedanken

Archiv Sonntagsbildgedanken 2020/2021

01. 5. Fastensonntag
02. Palmsonntag
03. Gründonnerstag
04. Karfreitag
05. Karsamstag
06. Ostern
07. Ostermontag
08. Weißer Sonntag
09. 3. Ostersonntag
10. 1 Mai
11. Marienmonat Mai
12. 4. Ostersonntag
13. 5. Ostersonntag
14. 6. Ostersonntag
15. Christi Himmelfahrt
16. 7. Ostersonntag
17. Pfingstsonntag
18. Pfingstmontag
19. Dreifaltigkeitssonntag
20. 11. Sonntag im Jahreskreis
21. 12. Sonntag im Jahreskreis
22. 13. Sonntag im Jahreskreis
23. 14. Sonntag im Jahreskreis
24. 15. Sonntag im Jahreskreis
25. Jakobustag am 25. Juli
26. 16. Sonntag im Jahreskreis
27. 17. Sonntag im Jahreskreis
28. 18. Sonntag im Jahreskreis
29. 19. Sonntag im Jahreskreis
30. 20. Sonntag im Jahreskreis
31. 21. Sonntag im Jahreskreis
32. 22. Sonntag im Jahreskreis
33. 23. Sonntag im Jahreskreis
34. 24. Sonntag im Jahreskreis
35. 25. Sonntag im Jahreskreis
36. 26. Sonntag im Jahreskreis
37. 27. Sonntag im Jahreskreis Erntedank
38. 28. Sonntag im Jahreskreis
39. 29. Sonntag im Jahreskreis
40. 30. Sonntag im Jahreskreis
41. 31. Sonntag im Jahreskreis Allerheiligen
42. 32. Sonntag im Jahreskreis
43. 33. Sonntag im Jahreskreis
44. 34. Sonntag im Jahreskreis, Christkönigsfest
45. 1. Advent
46. 2. Advent
47. 3. Advent
48. 4. Advent
49. Heiligabend
50. Weihnachten
51. 1.Sonntag nach Weihnachten
52. Neujahr
53. 2. Sonntag nach Weihnachten
54. Heilige Dreikönige
55. Taufe des Herrn
56. 2. Sonntag im Jahreskreis
57. 3. Sonntag im Jahreskreis
58. 4. Sonntag im Jahreskreis
59. 5. Sonntag im Jahreskreis
60. 6. Sonntag im Jahreskreis
61. Aschermittwoch
62. 1. Sonntag der Fastenzeit
63. 2. Sonntag der Fastenzeit
64. 3. Sonntag der Fastenzeit
65. 4. Sonntag der Fastenzeit

Archiv Sonntagsbildgedanken 2021/2022

01. 5. Fastensonntag
02. Palmsonntag
03. Gründonnerstag und Karfreitag
04. Ostern
05. Weißer Sonntag
06. 3. Sonntag der Osterzeit
07. 4. Sonntag der Osterzeit
08. 5. Sonntag der Osterzeit
09. 6. Sonntag der Osterzeit
10. Christi Himmelfahrt

11. 7. Sonntag der Osterzeit
12. Pfingsten
13. Dreifaltigkeitssonntag
14. 10. Sonntag im Jahreskreis
15. 11. Sonntag im Jahreskreis
16. 12. Sonntag im Jahreskreis
17. 13. Sonntag im Jahreskreis
18. 14. Sonntag im Jahreskreis
19. 15. Sonntag im Jahreskreis
20. 16. Sonntag im Jahreskreis

21. 17. Sonntag im Jahreskreis
22. 18. Sonntag im Jahreskreis
23. 19. Sonntag im Jahreskreis
24. 20. Sonntag im Jahreskreis
25. 21. Sonntag im Jahreskreis
26. 22. Sonntag im Jahreskreis
27. 23. Sonntag im Jahreskreis
28. 24. Sonntag im Jahreskreis
29. 25. Sonntag im Jahreskreis
30. 26. Sonntag im Jahreskreis

31. 27. Sonntag im Jahreskreis
32. 28. Sonntag im Jahreskreis
33. 29. Sonntag im Jahreskreis
34. 30. Sonntag im Jahreskreis
35. 31. Sonntag im Jahreskreis
36. 32. Sonntag im Jahreskreis
37. 33. Sonntag im Jahreskreis
38. Christkönigsfest
39. 1. Advent
40. Sonntagsgedanken zum 01.12.2021

41. 2. Advent
42. Nikolaus-Tag
43. 3. Advent
44. 4. Advent
45. Heiligabend
46. Weihnachten (Fest der Hl. Familie)
47. Neujahr
48. Taufe des Herrn
49. 2. Sonntag im Jahreskreis
50. 3. Sonntag im Jahreskreis

51. 4. Sonntag im Jahreskreis
52. Mariä Lichtmess
53. 5. Sonntag im Jahreskreis
54. 6. Sonntag im Jahreskreis
55. 7. Sonntag im Jahreskreis
56. 8. Sonntag im Jahreskreis
57. 1. Sonntag der Fastenzeit
58. 2. Sonntag der Fastenzeit
59. 3. Sonntag der Fastenzeit
60. 4. Sonntag der Fastenzeit