AvD-Schatzkiste

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Sonntags-Bildgedanken

Archiv Sonntagsbildgedanken 2020/2021

01. 5. Fastensonntag
02. Palmsonntag
03. Gründonnerstag
04. Karfreitag
05. Karsamstag
06. Ostern
07. Ostermontag
08. Weißer Sonntag
09. 3. Ostersonntag
10. 1 Mai
11. Marienmonat Mai
12. 4. Ostersonntag
13. 5. Ostersonntag
14. 6. Ostersonntag
15. Christi Himmelfahrt
16. 7. Ostersonntag
17. Pfingstsonntag
18. Pfingstmontag
19. Dreifaltigkeitssonntag
20. 11. Sonntag im Jahreskreis
21. 12. Sonntag im Jahreskreis
22. 13. Sonntag im Jahreskreis
23. 14. Sonntag im Jahreskreis
24. 15. Sonntag im Jahreskreis
25. Jakobustag am 25. Juli
26. 16. Sonntag im Jahreskreis
27. 17. Sonntag im Jahreskreis
28. 18. Sonntag im Jahreskreis
29. 19. Sonntag im Jahreskreis
30. 20. Sonntag im Jahreskreis
31. 21. Sonntag im Jahreskreis
32. 22. Sonntag im Jahreskreis
33. 23. Sonntag im Jahreskreis
34. 24. Sonntag im Jahreskreis
35. 25. Sonntag im Jahreskreis
36. 26. Sonntag im Jahreskreis
37. 27. Sonntag im Jahreskreis Erntedank
38. 28. Sonntag im Jahreskreis
39. 29. Sonntag im Jahreskreis
40. 30. Sonntag im Jahreskreis
41. 31. Sonntag im Jahreskreis Allerheiligen
42. 32. Sonntag im Jahreskreis
43. 33. Sonntag im Jahreskreis
44. 34. Sonntag im Jahreskreis, Christkönigsfest
45. 1. Advent
46. 2. Advent
47. 3. Advent
48. 4. Advent
49. Heiligabend
50. Weihnachten
51. 1.Sonntag nach Weihnachten
52. Neujahr
53. 2. Sonntag nach Weihnachten
54. Heilige Dreikönige
55. Taufe des Herrn
56. 2. Sonntag im Jahreskreis
57. 3. Sonntag im Jahreskreis
58. 4. Sonntag im Jahreskreis
59. 5. Sonntag im Jahreskreis
60. 6. Sonntag im Jahreskreis
61. Aschermittwoch
62. 1. Sonntag der Fastenzeit
63. 2. Sonntag der Fastenzeit
64. 3. Sonntag der Fastenzeit
65. 4. Sonntag der Fastenzeit

Archiv Sonntagsbildgedanken 2021/2022

01. 5. Fastensonntag
02. Palmsonntag
03. Gründonnerstag und Karfreitag
04. Ostern
05. Weißer Sonntag
06. 3. Sonntag der Osterzeit
07. 4. Sonntag der Osterzeit
08. 5. Sonntag der Osterzeit
09. 6. Sonntag der Osterzeit
10. Christi Himmelfahrt

11. 7. Sonntag der Osterzeit
12. Pfingsten
13. Dreifaltigkeitssonntag
14. 10. Sonntag im Jahreskreis
15. 11. Sonntag im Jahreskreis
16. 12. Sonntag im Jahreskreis
17. 13. Sonntag im Jahreskreis
18. 14. Sonntag im Jahreskreis
19. 15. Sonntag im Jahreskreis
20. 16. Sonntag im Jahreskreis

21. 17. Sonntag im Jahreskreis
22. 18. Sonntag im Jahreskreis
23. 19. Sonntag im Jahreskreis
24. 20. Sonntag im Jahreskreis
25. 21. Sonntag im Jahreskreis
26. 22. Sonntag im Jahreskreis
27. 23. Sonntag im Jahreskreis
28. 24. Sonntag im Jahreskreis
29. 25. Sonntag im Jahreskreis
30. 26. Sonntag im Jahreskreis

31. 27. Sonntag im Jahreskreis
32. 28. Sonntag im Jahreskreis
33. 29. Sonntag im Jahreskreis
34. 30. Sonntag im Jahreskreis
35. 31. Sonntag im Jahreskreis
36. 32. Sonntag im Jahreskreis
37. 33. Sonntag im Jahreskreis
38. Christkönigsfest
39. 1. Advent
40. Sonntagsgedanken zum 01.12.2021

41. 2. Advent
42. Nikolaus-Tag
43. 3. Advent
44. 4. Advent
45. Heiligabend
46. Weihnachten (Fest der Hl. Familie)
47. Neujahr
48. Taufe des Herrn
49. 2. Sonntag im Jahreskreis
50. 3. Sonntag im Jahreskreis

51. 4. Sonntag im Jahreskreis
52. Mariä Lichtmess
53. 5. Sonntag im Jahreskreis
54. 6. Sonntag im Jahreskreis
55. 7. Sonntag im Jahreskreis
56. 8. Sonntag im Jahreskreis
57. 1. Sonntag der Fastenzeit
58. 2. Sonntag der Fastenzeit
59. 3. Sonntag der Fastenzeit
60. 4. Sonntag der Fastenzeit

21. 19. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar, Bild und Botschaft

179. Aus Glauben: Abraham. Kirchenfenster St. Pankratius Altkalkar Heinrich Dieckmann, Mönchengladbach, 1960

(2. Lesung 19. Sonntag C: Hebr 11, 1-2.8-19)

 

Im Bild

Die leuchtenden Fenster in St. Pankratius verbinden alttestamentliche und neutestamentliche Grundmotive. Das rechte Chorfenster stellt dem Auferstehungsbild oben unten das Isaaksopfer Abrahams entgegen: Im purpurnen Mantel, der auf die Bundeslade-Abdeckung und das Gewand Jesu deutet, wendet sich Abraham mittig dem die Bluttat verhindernden Engel links zu, während im unteren Fensterfeld der verfangene Widder und Isaak einander gegenüber stehen. Abraham legt schon „Hand“ an den Sohn und hat das Messer gezückt. Der Kopf ist ganz nach hinten verdreht: Es ist der Moment der „Umkehr“ seiner Gedanken, der Hinwendung zum Leben für den Sohn, der „Augenblick“ der göttlichen Begegnung: Abraham nimmt seinen Kopf aus der „Unterwelt“ des Todes und wendet sich zum Leben zu wie Christus im Bild darüber aus dem Grab dem Leben entgegengeht.

 

Die Botschaft

„Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.“ (Hebr 11,1) Das Wort Glauben ist auch eher ein Tätigkeitswort und enthält interessanterweise die gleichen Konsonanten wie loben, leben, lieben und laben. Glauben geschieht eigentlich in der Woche. Aber sonntags ist die Messe wie ein „Brennpunkt“: Bitte kreuzen Sie Ihre 10 wichtigsten Gründe zum Sonntagskirchgang an! Glauben ist auch am Sonntag ein „Auf(er)stehen“ aus dem Sorglos-Sessel bürgerlichen Trotts.

º   Ich kann da gut in Ruhe meine Gedanken sortieren.

º   Ich gebe meine Gebete in einen Pool von Betern der weltweiten Kirche.

º   Ich vertraue mich der Gemeinschaft der Heiligen des Himmels an..

º   Weil Gott mir was zu sagen hat, muss ich regelmäßig zu ihm.

º   Ich lasse mir Sonntag für Sonntag Themen auslegen, die meinen Horizont erweitern.

º   Ich lasse mich gern durch die feste, feierliche Form in meinen eigenen Gebeten führen.

º   Ich habe ziemliche Sorgen, die ich einmal pro Woche irgendwo aussprechen muss.

º   Ich bleibe im Alltag manches schuldig: Ich freue mich über den Zuspruch und den Trost.

º   Ich will einfach Jesus auf der Spur bleiben und finde so persönlich näher zu ihm.

º   Ich will durch treues Mittun und Engagement für die Gemeinde auch anderen etwas deutlich machen.

º   Ich finde es schön, sonntags vielen Millionen Menschen in sehr unterschiedlichen Ländern verbunden zu sein,

     die die gleichen Texte lesen wie wir und sich über die Erlösung freuen.

º   Ich will Gott am Sabbat/Sonntag in Ruhe für seine Schöpfung, seine Welt, meine guten Erlebnisse, meine Gesund-

     heit, meine Talente, meine Arbeit, meine Familie etc. danken.

º   Ich will mich öffnen und Gott Gelegenheit geben, in mein Leben hineinzukommen und durch mich in der Woche

     in der Welt wirksam zu werden..

º   Ich will für andere da beten. Ich darf viele Anliegen anderer mit schultern.

º   Die Kommunion/das Abendmahl festigt meine Erinnerung an und meine Verbindung zu Jesus und gibt mir Kraft

     für mein Beten und Leben in der Woche.

º   Ich sehe, dass bestimmte andere Leute auch glauben. Wir beten füreinander. Ich kann andere mittragen und sie

     mich. Allein kann ich auf Dauer nicht glauben.

º   Da wo die Auferstehung Jesu gefeiert wird, muss ich unbedingt für bestimmte Verstorbene beten und ihr Ge-

     dächtnis bewahren.

º   Man kann nicht immer nur Probleme wälzen. Ich finde, wer Gott nicht loben kann, der liebt ihn nicht.

º   Schön, dass es für die vielen Aktivitäten der Pfarrgemeinde in Caritas und Katechese, in Gruppen und Vereinen,

     bei Kindern und Großen und bei all den privaten und öffentlichen Gebetsformen den einen verbindenden

     Sonntagsgottesdienst gibt.

º   Am Sonntag halte ich den Kopf frei im Vielerlei des Alltags, in Sorge und Arbeit, im Rennen und Laufen.

º   Nicht immer ist mir zum Singen zumute, aber: Singen befreit! Vor Gott will ich singen!

º   Ich will der Frage nach meinem Tod und meinem Lebenssinn nicht aus dem Weg gehen.

º   Wo der große Gott selbst für uns da sein will, da darf ich nicht fehlen.

º   Wenn es diese Stunde am Sonntag nicht gäbe, würde der Sonntag schnell zum Alltag.

 

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22. 20. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar, Bild und Botschaft

180. Auf Jesus blicken. Kreuzweg in St. Nicolai Kalkar, Ferdinand Langenberg 1897/98, Eiche dunkel gefasst

(Evangelium 20. So. C: Jer 38, 4-10; Hebr 12, 1-4; Lk 12, 49-53)

 

Im Bild

Viele Besucher können die neugotische Qualität Langenbergs nicht unterscheiden von Ludwig Jupan oder Meister Arnt im Marien- oder Hochaltar. Detailfreudig und unter Verwendung mittelalterlicher Formen führt der Gocher Langenberg im Sinne des aufblühenden kirchlichen Lebens die 14 Kreuzwegstationen für St. Nicolai aus, wo er in vielen Altären Restaurierungen vornahm. Das Bild zur zweiten Station „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“ zeigt auf der Mittellinie die Hände Jesu unter dem Kreuz. Zwei Schergen rahmen die Szene. Rechts am Bildrand steht der Hauptmann. Auffällig sind seine Handbewegungen: Seine Linke greift zum Kreuz, seine Rechte weist in den Himmel wie vielleicht später bei der Kreuzigung: „Dieser ist Gottes Sohn!“ Geerdet wird die Szene durch den prägnanten Stiefel mittig oder das Körbchen mit Hammer und Nägeln, das in einem anderen Kreuzwegbild dem leidenden Jesus sogar von einem grinsenden Jungen gezeigt wird. Andererseits öffnen die beiden erhobenen Hände rechts und links oben das Bild zur Betonung seiner Mitte.

 

Die Botschaft

In der detailfreudigen Darstellung wirkt das Kreuz sinnigerweise hart und platt. Jesus blickt auf die Mitte der sich kreuzenden Balken, weist mit der einen Hand auf den kommenden Weg und ist mit der anderen empfangsbereit wie aus Gottes Hand. Für den Betrachter wird klar: Jesus und sein Kreuz werden von diesem „Augenblick“ zum Kernpunkt des Geschehens: „Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet!“ (Hebr 12, 1-3)

Dem Beter der Devotio moderna wurde dies im Mittelalter zur Meditationsanleitung: Betrachte, was der Herr für deine Sünden gelitten hat! Es hat auch bei Martin Luther im damals von vielen Legenden und dinglichen Vorstellungen geprägten Glauben (Reliquien, Ablässe, Heiligengeschichten) der Konzentration auf die Bibel bedurft. Mit der Vermittlung und durch den aufgekommenen Buchdruck schnell verbreiteten deutschen Bibelübersetzung wurde der Blick auf Jesus von Überzeichnungen befreit. Auch uns Heutigen tut der Blick auf Jesus und seine Kernthemen gut im allgemeinen Medienrummel um kirchliche Vergehen und Strukturgerangel: Lasst uns auf den wirklichen  und in der Bibel fassbaren Jesus blicken!

Ein schreckliches Hinrichtungsspektakel wird auf dem Kreuzweg inszeniert, die öffentlichkeitswirksame Bestrafungsvorführung zur Abschreckung weiterer unruhestiftender Volksanführer. Der für das Leben der Armen, der Kranken, der Sünder eintretende vitale Gottesmann soll der Länge nach mit drei dicken Nägeln total ausgestreckt auf ein totes Holz fixiert werden. Das feierlich drapierte Tuch und die perverse Scherz-Krone als einzige Bekleidungsstücke erhöhen später die wehrlose Nacktheit aufs Äußerste. Zahlreiche Blutströme kennzeichnen das austretende Leben, wobei rot im hebräischen Denken die Farbe der Schuld und der Sünde ist. Der halboffene Mund spricht am Ende sieben testamentarische Worte, bevor die Zunge leblos zwischen den Zähnen verbleibt. Der Kreuzweg Jesu stellt den Betrachter vor die eigene Todesfrage.

Was ist also ist das Kreuz, was ist der Gekreuzigte für uns: ein Frage-Zeichen, ein Lebens-Zeichen, ein demonstratives Schreckens-Zeichen, ein Sieges-Zeichen, ein Segens-Zeichen? Und was bewirkt der Anblick: Nicht-Auseinandersetzen-Wollen mit etwas so Schrecklichem? Die Erinnerung an die Details der Passionsgeschehnisse damals? Ein Heute-Besser-Wisser-Gefühl gegenüber Römern und Juden? Ein intensiveres Verstehen der Sendung und der tiefsten Ziele Jesu? Mitleid und Mitleidensbereitschaft? Trauer über die Fehlleistungen der Menschen in Sachen Liebe? Eine Auseinandersetzung mit dem drohenden Tod? Den Blick von der Erde zum Himmel? Das Mitgefühl für sinnloses Menschensterben weltweit? „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen!“, sagt er. (Joh 12, 32)

Am Morgen nehme ich das Kreuz an mich, wenn ich in meinem Zimmer zum Kreuz blicke und das Segenszeichen für mich und die Meinen, für alles in den kommenden Stunden bewusst über mich zeichne. Am Abend bejahe ich in gleichem Ritus die Nähe Gottes dankbar für alles Gelungene des Tages und für die Ruhe der Nacht. Sorgen wir für ein Kreuzesbild in unseren Häusern an markanten Stellen. Lasst uns immer wieder auf Jesus blicken.

 

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23. 21. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar, Bild und Botschaft

181. Meine Herrlichkeit unter den Nationen. Weltreligionen-Fenster von Egbert Lammers 1973 St. Lambertus Appeldorn, Alte Kirche

(Evangelium Jes 66, 18-21; Hebr 12, 5-7.11-13; Lk 13, 22-30)

 

Im Bild

Sehr versteckt zeigt das rechte Chorfenster in der Alten Kirche Appeldorn das Wirken des Geistes Gottes in allen Religionen und Völkern gemäß dem Ökumenismus-Dekret des II. Vatikanischen Konzils von 1965. Der alleinige Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche wurde dadurch abgemildert und das Wirken Gottes in allen Völkern und Religionen anerkannt: „Seine Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen, bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln.“ (Nostra aetate 1)

Wie das gegenüberliegende Fenster verschiedenste Engel der Bibel ausweist, sind hier die Engel Vermittler zwischen Dreifaltigkeit und Welt. Von oben: Sie weisen Adam und Eva und den drei Weisen den Weg, inspirieren Platon zu den Tugenden und Paulus zu seinen Briefen, auch Konfutius und Laotse erhalten Weisungen, Zarathustra erblickt die Sonne und Buddha das Rad der Lehre, Mose erhält die Tafeln mit den zehn Weisungen und Jesaja die glühenden Kohlen für seinen Mund: Alles erhebt sich über dem Urwasser und dem Wurzelwerk zum Baum des Lebens.

 

Die Botschaft

„Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken und komme, um alle Nationen und Sprachen zu versammeln, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen.“ (Jes 66, 18) Die einzelnen Engel, die den Religionsgründern bzw. den Propheten und großen Lehrern der verschiedenen Weltreligionen gegenüberstehen und ihnen Göttliches Licht überbringen, machen so den einen Ursprung allen göttlichen Lebens deutlich. Über den Urwassern vom Anfangschaos der Welt „erwächst“ wie in einzelnen Baumtrieben den Großen Erkenntnis und Weisung:

„So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.“ (Nostra aetate 2)

Das Volk Israel erlebte die Wegführung ins babylonische Exil: Ihre führenden Vertreter wurden weit nach Osten gebracht und mussten dem König von Babylon zu Diensten sein, hatten aber auch wie der Prophet Daniel das Problem, die eigene Identität zu wahren. Diesem gelang das mit einem dreimaligen Gebet am Tag aus einem Fenster mit Blickrichtung Jerusalem. Israel wird so auch die Weisheiten und Chancen anderer Religionen kennengelernt haben wie zur Zeit des II. Vatikanischen Konzils die Frage des Wahrheitsanspruchs christlicher bzw. katholischer Prinzipien gegenüber den Weltreligionen oder Weltphilosophien zur Debatte stand.

Heute entsteht der Eindruck, dass jeder sich seine eigene Gotteswahrheit zurechtbastelt und die moralischen Ansprüche oder Gottesprinzipien selbst zurechtzimmert. Die Kernsätze christlicher Botschaft zu kennen, bleibt vorrangig. Dennoch ist es gut, neben allen biblischen Wahrheiten die Erleuchtung in anderen Religionen zu entdecken. So sieht „Nostra aetate“ deutlich den Vorrang des jüdischen und muslimischen persönlichen Gottesbildes, des Schöpfers und Barmherzigen, in den asiatischen Religionen anerkennt es die Meditationstechniken und die Aszese bei der Bemühung um Erkenntnis. Auch betont das Konzil die Wertschätzung aller Religionen um Friedensbemühungen.

„Religio“ kommt von „Rückbindung“: Jede und jeder kann sich ansprechen lassen wie die Religionslehrer in den Bildern von dem Engel der göttlichen Weisung, die nach dem Wort der Lesung Jesajas allen Völkern „die Herrlichkeit Gottes unter den Nationen verkünden“.

 

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24. 22. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar: Bild und Botschaft

12. Jesus etwas abgelenkt. Maria, die Immerwährende Hilfe. Ikone im Altar von St. Pankratius Altkalkar ca. 1920

(Evangelium Lk 2,22-40 Darstellung des Herrn)

 

Im Bild

Bei ihren Volksmissionen verbreiteten die Redemptoristen diese Kopien des seit 1867 in ihrer römischen Kirche verehrte Gnadenbildes, einer ihnen vom Papst geschenkten Ikone des 14. Jahrhunderts von ca. 40x50 cm auf Nussbaumholz.

Maria im blauen Ober- und rotem Untergewand trägt den in Grün und Gold gewandeten Jesus. Beide mit Nimbus. Beide mit sehr stark mit Steinen geschmückten Kronen. Beide mit griechischen Buchstaben als „Mutter Gottes“ und „Jesus Christus“ bezeichnet. Auch Michael und Gabriel haben Namenskürzel neben sich. Sie zeigen dem überraschten Jesus das Kreuz und die Leidenswerkzeuge, dergestalt dass der barfüßige Jesus nicht von den Socken, aber „von der Sandale“ ist, die unten herabfällt.

Der Goldhintergrund spricht vom göttlichen Glanz. Die Bildstruktur ist mit Dreiecken einzufangen: Die beiden Engel und die Krone oben. Das Gesicht Marias, die Füße Jesu, die linke Hand Marias. Genauso wie Krone, rechte Schulter Marias und Fuß Jesu. Die Ausrichtung ihres rechten Arms auf das Kind und den Engel mit dem Kreuz verrät die Denkrichtung der Bildaussage. Mit der Gegenrichtung von der linken Hand zu ihrem Gesicht entsteht über dem Bild in Kreuzform ein „X“, ein griechisches „Chi“ für Christus.

Die ineinandergelegten Hände bilden die Bildmitte. Fast greift der erschreckte Jesus selbst nach der Hilfe der Mutter. Der Stern an ihrer Stirn erinnert an den Stern, „den sie hatten aufgehen sehen, (er) zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ (Mt 2,9) Weihnachtsstern und Baby, Kreuz und Leidenszeichen, Gold und Himmelskrone, sowie Mensch, Engel und Gottessohn zeigen die großen Dimensionen dieses Bildes auf. Aus der Drehbewegung des Blicks zu ihrem Sohn blickt die Mutter nachdenklich den Betrachter an.

 

Die Deutung

 

Maria, Trösterin der Betrübten!

Immerwährende Hilfe

 

1. Maria, willst du als Gefährtin

mir helfen? Mein Leben, es fährt hin
zu leblos, leicht, lieblos, ohn Herz-Sinn.

 

2. Maria, willst du Katechetin
mir werden? Mein Leben vergeht hin
so inhaltsleer, unklug, ohn Tiefsinn.

 

3. Maria, willst du viel Passion
mir geben? Wer mag heute schon
im Tragen und Leiden sehn Lohn?

 

4. Maria, willst du Energie
mir spenden? Oft weiß ich nicht wie:
Not, Sorge, Angst, Frust: Trag ich sie?

 

5. Maria, willst du Weggesellin

mir bleiben? Mein Weg wandelt weithin
ganz ziellos; ich kraftlos, oft leer bin.

 

6. Maria, willst du zur Geduld
mir raten? Hilf dank Gottes Huld!
Entreiß mich der Hast, Unruh, Schuld!

 

7. Maria, willst du innres Ohr
mir auftun? In allem zuvor
dem Gotteswort öffne mein Tor!

 

8. Maria, willst ein betend Herz
du geben? Das bleibt mir als Schmerz,

wie wenig ich blick himmelwärts.

 

9. Maria, willst du innre Ruh
mir stärken? Ich will immerzu
viel machen und leisten: Hilf du!

 

10. Maria, willst du Dankbarkeit
mir fördern? Die Ich-Haftigkeit
zerstreu! Mach zum Lob mich bereit!

 

11. Maria, willst du muntres Lied
mich lehren? Wer singt, der ja sieht,
wie viel durch Gott täglich schon blüht.

 

12. Maria, willst du Gottes Geist
vermitteln? Selbst offen du weißt,
wie kreativ Wege er weist.

 

13. Maria, willst du Gottes Himmel
uns öffnen? Im Diesseitsgetümmel
verlier’n wir Gott leicht im Gewimmel.

14. Maria, willst du Christi Leben
uns schenken? Dein Kind will zum Segen
ins wunde Herz wirksam sich legen.

 

15. Maria, willst Trösterin bleiben
du künftig? Wer könnte beschreiben
dies Glück und in Worte es kleiden?

 

Maria im Bild

 

Maria, du strahlst aus ein anderes Licht, das auf dich fiel überraschend.
Maria, du zeigst uns dein fröhlich Gesicht, trägst Jesus, vom Geist überschattet.

 

Maria, du hältst für uns hin dort dein Kind,
du hattest den kindlichen Glauben.
Maria, bei dir ich die Ruhe tief find.
Ich lass mir den Christus nicht rauben.

 

Maria, halt du mir dein Kind weiter vor,
wie stets es sonst war in den Jahren.
Maria, lass fröhlich mich singen im Chor
der Vielen, die hier bei dir waren.

 

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25. 23. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar, Bild und Botschaft

182. Auf Augenhöhe mit Jesus. St. Lambertus Appeldorn: Altar St. Antonius Abbas mit Katharina und Gertrud von Nivelles: Werkstatt Ferdinand Langenberg, Goch 1897

(Evangelium 23. So. C Weish 9, 13-19; Phil 9.10.12-17; Lk 14, 25-33

 

Im Bild

Der Gocher Neugotik-Bildschnitzer Ferdinand Langenberg setzt den heiligen Abt und Wüstenmönch Antonius (Fest 17.01.) zwar in den Mittelpunkt des Bildes, aber mit deutlichem Verweis (der Hände) auf den Gekreuzigten am linken Bildrand. Zudem sind die Versuchungen nicht als innerer Aufruhr, Hochkommen verschiedener menschlicher Triebe gedeutet: Die vier erschreckend anzusehenden Teufel wollen von vier Seiten kommend den Blick auf Jesus verhindern und das Gebet des Heiligen stören. Die hingehaltene Bibel zeigt im vollen Text lesbar den Psalm 1 in der lateinischen Sprache damaliger Liturgie.

Der kniende Wüstenmönch Antonius wird hier jung und barfuß im Gebet vor einem in den Felsen hinein gesetztes Kreuz im Seitenprofil dargestellt, was auf das Gebet am Dornbusch durch Mose (Ex 3, 14) hinweist. So wird der „Abt“ zum Anführer der Spiritualität für den Dialog mit Jesus, zum Dialog Gott. Auf Augenhöhe spricht er mit dem Gekreuzigten.

 

Die Botschaft

Vom Beten durch fremde (innere) Stimmen und äußere Einflüsse abgehalten zu werden ist unser aller Erfahrung. Der „Hinweis“ des Antonius gilt der Weisheit des Kreuzes: „Durch die Weisheit wurden sie gerettet.“ (Weish 9, 19) „Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14, 27)

Paulus: „Vielmehr verkünden wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt; denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Nein, wir verkünden, wie es in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Uns aber hat es Gott enthüllt durch den Geist.“ (1 Kor 2, 7-10)

Und: „Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ (Gal 6, 14)

Das Geheimnis des „Mitleidens Gottes“ mit der Welt sowie andersherum das Geheimnis, dass wir durch das vertiefte Betrachten des Kreuzes Jesu Gottes Weisheit und Ziel mit uns als Erlösung und Auferstehung begreifen dürfen, nur das hilft dem Menschen auf. So sind Katharina und Gertrud dem Antonius mit ihrem Lebensbeispiel an die Seite gestellt, die die verborgene Weisheit Gottes verstanden haben in der Erniedrigung des Sohnes Gottes beim Sklaventod am Kreuz.

So kann das Beten vor dem Kreuz mir helfen, vertieft zu beten und auch tiefer Jesus verbunden  zu bleiben:

- Ich kann das Kreuzzeichen bewusst und langsam machen.

- Ich vergegenwärtige mir, dass ich ein Segenszeichen auf mich lege, dass ich das Leiden Christi an mich nehme.

- Ich bleibe mir bewusst, dass Gottes Liebe sich mit dem Kreuzzeichen als ein großer Segen auf mich legt.

- Ich spreche Jesus an als den „der Erde und Himmel verbindet“, wenn er so zwischen Erde und Himmel hängt.

- Ich kann mir die Worte Jesu am Kreuz aus den Evangelien vergegenwärtigen, seine letzten Botschaften an uns.

- Ich kann mich vertiefen in das, was Jesus für die Welt ausgehalten hat.

- Ich kann einfach sprechen zu Jesus wie zu einem Freunde.

- Ich kann all die Worte und Taten Jesu vor dem Passionsgeschehen mir ins Gedächtnis holen.

- Ich kann Gott danken für die Weisheit des Sohnes, für sein gerechtes Wirken, für sein Vorbild

- Ich kann Jesus ansprechen als den im Himmel, der beim Vater ist und für uns eintritt.

- Ich kann mich mit den Leidenden und von schweren Kreuze Geschlagenen verbinden und Fürbitte halten.

- Ich kann selbst meine Kreuze annehmen, die ich täglich in meiner Umgebung zu tragen habe.

 

Wort und Weisung, Baum und Bach (Nach Psalm 1)

 

Gesegnet sei der Mann, der falschem Rat folgt nicht,

der meidet sünd’gen Weg, ist Spöttern nicht in Sicht,

der froh das Gotteswort bedenkt an jedem Ort.

Es wie ein Baum ihm geht, der kühl am Wasser steht.

Und zeitig bringt er Frucht, kein welkes Blatt man sucht.

Was er beginnt mit Mut, gelingt ihm richtig gut.

Den Frevlern’s nicht so geht: Wie Spreu vom Wind verweht!

Am End sie nicht bestehn: Als Sünder sie hingehn.

Gerechte kennt der Herr, den Weg hinauf führt er.

Des Frevlers Pfad geht fad geradewegs ins Grab …

 

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26. 24. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Bild und Botschaft

184. Der Gute Hirt. Beichtstuhl St. Regenfledis Hönnepel, Eiche geschnitzt, ca. 1900

(Evangelium 24. So. C Ez 32, 7--14; 1 Tim 1, 12-17; Lk 15, 1-32)

 

Im Bild

In der rechten Seitenkapelle der St. Regenfledis-Kirche in Hönnepel ist der Mittelsitz des Priesters über dem Beichtstuhl mit der Darstellung des knienden Guten Hirten geschmückt: Jesus zieht ein Schaf aus dem Dornengestrüpp. Der Schäferstab mit der Krümme zum Heranziehen der Lämmer ist über die Schulter gelehnt, den Hut trägt er auf dem Rücken. Die Geste drückt Fürsorge und Wertschätzung aus. Die Einzelbeichte im Beichtstuhl korrespondiert mit der Sorge um das eine Schaf, das auf Abwege geraten ist und der Fürsorge des Hirten bedarf, mehr als die neunundneunzig, die im Stall sind. (vgl. Mt 18, 13; Lk 15, 7)

 

Die Botschaft

Schön zu sehen, dass der gute Hirte in die Knie geht und sich dem verhakten Schaf zuwendet. Gott geht vor dem Menschen in die Knie. Die Logik des ältesten Christusbekenntnisses im Philipperhymnus: „Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2, 7-11)

Aus den „Dornen und Disteln“, die die Erde laut Genesis tragen soll, zieht der Hirt das gesuchte Schaf heraus. Wir verheddern uns oft im Gestrüpp der Informationen und Termine, der Meinungen und der Verführungen, der Ideen und der Möglichkeiten, des Wieder-zu-viel-Wollens, des Egoismus und der Wünsche, Grenzen zu übersteigen und Anderes zu erfahren. Wie oft wollen wir dem Mief des eigenen Stalles entfliehen. Wie oft wollen wir lieber allein sein für uns. Wie oft ist uns die Gemeinschaft zu schwer zu ertragen. Wie oft stehlen wir uns aus den vielen Regelungen und Ketten der Gesellschaft heraus, um „das Weite zu suchen“. Die Gleichnisse der Bibel sind von Jesus treffend einfach erzählt und dem damaligen Leben abgeschaut.

Der Hirt im Bild hat auch nicht „den Hut auf“, sondern kommt auf Augenhöhe schlicht und zugewandt herunter. Der Stab, auf den sich der Hirte nach Ps 23 stützt, ist der Gottesglaube, der Zuversicht gibt: „Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht!“ Ein Sünder, der sich mit Jesu Hilfe bekehrt, kann Zuversicht haben: „Er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen“ sogar in der Finsternis (neuer Sünde). Es lohnt sich, den Hirtenpsalm ganz zu lesen.

„Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.“ (Lk 15, 7) Jede Beichte ist eine Versöhnung mit dem Himmel und führt nachher zur Gemeinschaft mit den Menschen: Wer in der Beichte zu sich und seinem Zu-wenig-geliebt-haben stehen konnte, der darf sich himmlisch freuen. Und meist kommt er auch dem auf die Spur, dass Gott intensiv nach uns sucht, nicht wir nach Gott: „Ich kenne die meinen …“

Das Nachgehen wird uns in den Gemeinden zur Aufgabe. Die Lebensart des guten Hirten anzunehmen, ist Aufgabe der Pastoral, weil Pastor immerhin Hirte heißt. „Du bist  uns wichtig!“, sollten wir zu vielen in der Gemeinde sagen. Ehrenamtsgewinnung beginnt mit der Wertschätzung. Aber Gemeinde will ja nicht gleich jeden vereinnahmen … An die Ränder gehen wird weiterhin Kirche ins Stammbuch geschrieben.

 

Der Hirtenpsalm (Nach Psalm 23)

 

Der Herr ist mein Hirte, mir wird gar nichts fehlen.

Er führt mich ganz sicher, oft will ich´s verhehlen.

Er schenkt mir am Weg, überraschend zu sehn,

Eindrücke und Ruhe beim Wandern und Gehn.

 

Er führt mich durch Täler, auf Höhn und zum Bach,

er macht mich stets neu für die Schönheiten wach.

Und hab ich auch Sorge, quält Durst mich und Not,

er führt sehr gerecht mich in Leben und Tod.

 

Und muss ich auch wandern in Todschattenschlucht:

Im dunkelsten Dunkel weiß ich, wer mich sucht.

Er deckt mehr als reichlich mir täglich den Tisch

von Feldern, von Früchten, vom Fleisch und vom Fisch.

 

Der Becher ist immer mir bestens gefüllt.

Er salbt mich, ja innere Sehnsucht er stillt.

Sein Stock ist sehr stark und sein Stab ist stabil:

Der Herr ist mein Hirt, der mir bestens gefiel.

 

Nur Güte und Freude, die werd ich erleben.

Und Wohnung bei IHM will er ewig mir geben.

Die Ehre dem Vater, dem Sohn und dem Geist,

wie anfangs, so jetzt bis Zeit Ewigkeit heißt.

 

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27. 25. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick, Kalkar, Bild und Botschaft

183. Hirt und Märtyrer Lambertus. Fahne Appeldorn ca. 1892

(Evangelium 25. So C Am 8, 4-7; 1 Tim 2, 1-8; Lk 16, 1-13 oder Fest Lambertus Ez 34, 11-18; Joh 10, 11-14)

 

Im Bild

Während die Figur des heiligen Lambertus im Appeldorner Kirchenraum die Lanze des Martyriums hält und die Laterne vom (westf.) Brauch des Lambertus-Singens, zeigt die rote Schmuck-Fahne den bärtigen, fast grimmig blickenden Pfarrpatron in einem Achteck als Bischof in vollem Ornat vor dem Hintergrund der 1945 gesprengten neugotischen Vorkriegskirche Appeldorns sowie mit einem aufgeschlagenen lateinischen Text: „Kommt, lasst uns anbeten den Herrn, den König der Könige, denn er ist die Krone aller seiner Heiligen.“

 

Die Botschaft

Die Fahne scheint als Fronleichnamsfahne eingesetzt gewesen zu sein oder lud als Schmuckfahne im Kirchenraum zum Beten vor dem Tabernakel ein, wie es ein Priester und Bischof in seiner Gemeinde ja tun sollte. Somit folgt sie der wachsenden Kommunionfrömmigkeit der Zeit um 1900. Zugleich verweist sie auf den Märtyrertod des Lambertus im Maastrichter Kirchenraum während der Liturgie durch marodierende Söldner am 17.09. des Jahres 705. In Abhängigkeit vom Frankenkönig war er 672 dort Bischof geworden als Nachfolger des Bischofs Theodard. Zwischenzeitlich musste er sieben Jahre im Kloster Stavelot im Exil leben, bevor er in seine Bischofstadt zurück konnte. In Zusammenarbeit mit dem heiligen Willibrord ordnete er 20 Jahre lang seine Diözese. Sein Nachfolger wurde der heilige Hubertus, der den Bischofssitz (und das Grab des Lambertus) nach Lüttich verlegte. Bis heute ist das Maastal der katholische Teil Belgiens und der Niederlande. Beide werden dort bis heute hoch verehrt. Die Zeiten vor Karl dem Großen waren für die christlichen Missionare wilde Jahre mit lebensbedrohlichen Auseinandersetzungen zwischen den Mächtigen und der Armenfürsorge. Die Rückbindung an Rom und die Zusammenarbeit mit dem bekehrten fränkischen Herrscherhaus half, die heidnischen Stämme in den kleinen Dörfern von der Liebesbotschaft zu überzeugen.

Im Jahr 2022 erinnern wir in Appeldorn an den Kirchneubau vor 50 Jahren im Jahr 1972. Wenige Jahre nach dem Abschluss des II. Vatikanischen Konzils war eine große Aufbruchstimmung, die sich in vielen Veränderungen zeigte:

1. Wichtiges Thema war der Begriff des „Volkes Gottes auf dem Weg“ für die Kirche. Damit sollte abgesehen werden von der hierarchischen Kirchenstruktur, wie das I. Vatikanische Konzil die Vollmachten des Papstes herausgestellt hatte. Die Vielfalt der Leitungsaufgaben in der Kirche ist unter die Leitung der Führung Gottes gestellt: Er führt sein Volk. Damit sollte der Gottesblick in den Vordergrund rücken vor Leben nach kirchlichen Gesetzen. Die Entscheidung für Gott und die Christusnachfolge statt Abarbeiten bestimmter Kirchenregeln. Der Vorrang der Liebe vor dem Gesetz, der Verantwortung des Individuums und seines Gewissens vor der Obrigkeitshörigkeit. Und: Die Weggemeinschaft der Christen, der Pfarrgemeinden, der Bistümer, der Weltkirche auch mit den Religionen kam in den Blick.

2. Das Versammeln um den einen Altar auf fast gleicher Ebene wie in der Appeldorner Kirche stand für einen neuen Gemeinschaftsbegriff. Das Begreifen der Weiheämter als Dienste, die Entwicklung des dreistufigen Amtes Bischof-Priester-Diakon, die deutschsprachige Liturgie in allen Gebeten, die Einsetzung und Ausbildung von Frauen und Männern als Lektoren und Kommunionhelfern sowie dann auch Mädchen und Jungen als Ministranten, die neue Vielfalt der Instrumentalgruppen, Bands, Kinder- und Jugendchöre mit „Neuen Geistlichen Gesängen“ deutscher Sprache, die Handkommunion und vieles andere prägten einen neuen Gottesdienststil: „Tätige Teilnahme aller“ war angesagt statt „die Messe hören“, Mitwirken vieler verschiedener Dienste statt „der Messe beiwohnen“ oder „Gemeinschaftsmesse“ statt „der Priester hält die Messe“.

3. Die Papiere „Lumen Gentium“ und „Gaudium et Spes“ stellten die Aufgabe der Kirche als soziale Institution heraus im Dienst gerade an den Schwachen.„Kirche an der Seite der Armen“ war ein großer Impuls gerade aus lateinamerikanischer Sicht. Was heute mit den Zielen von Papst Franziskus neu eingefordert wird, hat seinen Ursprung in den Konzilsgedanken und hätte schon länger umgesetzt sein sollen.

4. Die Aufforderung auf der Lambertus-Fahne zur Gottesverehrung kann moderner nicht sein: Aller Strukturenstreit der Kirchenreformen geht in die Irre, wenn nicht Gott zur Sprache kommt in den Herzen und den Taten der Christen. Wo Gott gesucht wird, wo Jesus seine Kirche leitet, wo eine intensive Gottesnähe gelebt wird, wo der Einzelene seine Spiritualität lebt, wird sich Kirche zu allen Zeiten richtig ausrichten und neu finden.

 

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28. 26. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick. Kalkar, Bild und Botschaft

188. Seele in Abrahams Schoß. Hochaltar St. Peter und Paul Grieth. Ludwig Jupan, Eiche, um 1510

(Evangelium 26. So. C: Am 6, 1.4-7; 1 Tim 6, 11-16; Lk 16, 19-31)

 

Im Bild

Der Kalkarer Siebenschmerzenaltar kennt das selige Gesicht des Isai/Jesse, der in der Predella mit geschlossenen Augen auf zwei Kissen in Abrahams Schoß ruht. In Grieth raubt der Teufel rechts dem bösen Schächer Gismas die Seele und entführt sie, während links, also zu Jesu Rechten, ein Engel die Seele vom guten Schächer Dismas gen Himmel bringt. Zum Glück sind im Hauptstück des Griether Schnitzaltars die fliegenden Engel alle erhalten, die mit einem Kelch unter den Wunden Jesu das erlösende Blut auffangen. Ein gleich gearteter Engel transportiert in Form eines sitzenden Kindes mit gefalteten Händen die Seele des sterbenden Dismas nach links oben gen Himmel: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23, 43)

 

Die Botschaft

Eine ähnliche Gegenübersetzung geschieht im Lazarus-Gleichnis Jesu beim Sterben mit dem reichen Mann und dem armen Lazarus. Er findet sich in Abrahams Schoß, während der Reiche im Höllenfeuer Qualen leidet. Die Wallfahrtskirche von Conques/Fr. zeigt im Tympanon drei fröhliche kleine Seelen in einem von Abraham, der zur Rechten Jesu unter den mit einem Gewand bekleideten Erlösten im Himmelshaus sitzt, mit beiden  Händen gehaltenen Tuch in seinem Schoß. Die Buchmalereien und die frühen Darstellungen kannten solche Vorstellungen, die von den Schnitzern dann ins Bild gebracht wurden: Die Seele als unschuldige, kindliche Miniaturausgabe des Menschen.

Der reiche Prasser – der arme Lazarus: Jesu Bild ist schockierend, zumal er keine Rettung für den Reichen in der Hölle sieht. Der will aber immerhin noch die Lebenden warnen, worauf Jesus sarkastisch mit Blick auf die Prophetenermordungen der vergangenen Jahrhunderte auch für sich (!) keine Rettungsmöglichkeit zugunsten der Menschen sieht, da die Menschen es gewohnt sind, nicht auf die Warnnachrichten Gottes zu hören „auch wenn einer von den Toten wiederkommt …“

Für die frühchristliche Verkündigung und Annahme der christlichen Botschaft schien es schon zu Lukas Zeiten nach allen jüdischen Bundesschlüssen und Weissagungen der Geschichte keine positive Resonanz gegeben zu haben. Oder ist der Erzählduktus pädagogische Stimulation? Die Schwarz-Weiß-Malerei Jesu ist eine Steigerungsform seiner Predigt und keine naive Weise, die Menschen einzuschüchtern. Es geht um die verantwortliche Art des Umgangs mit dem Hab und Gut. Es geht aber auch um die Anerkennung Jesu selbst als Gottesbote und Erlöser.

Unsere Sprichwörter vom „Himmel auf Erden“, „Leben wie Gott in Frankreich“ sprechen vom Nutzen der Irdischen schönen Dinge. Ja es stimmt: „Der liebe Gott hat die schönen Dinge des Lebens nicht nur für die bösen Menschen gemacht!“ Nicht jeder Genießer ist schon gottlos. Aber ohne Dank zu essen und zu trinken ist einem Christen nicht angemessen. Zudem ist die Nutzung irdischer Güter gerade im Überfluss und Luxus mit der Aufgabe zum Teilen und zur Armenfürsorge belegt. Güter dieser Erde, die wir ja alle nicht selbst gekauft, bezahlt oder gemacht haben, sind uns geschenkt und geliehen zur treuhänderischen Verwaltung.

Aus den Kirchenväterkommentaren stammt dieses berühmte Zitat des Basilius von Cäsarea aus dem 4. Jh.:

Dem Hungrigen gehört das Brot, das du zurückhältst, dem Nackten das Kleidungsstück, das du im Schrank verwahrst, dem Barfüßigen der Schuh, der bei dir verfault, dem Bedürftigen das Silber, das du vergraben hast. Aber du bist mürrisch und unzugänglich, du gehst jeder Begegnung mit einem Armen aus dem Weg, damit du nicht genötigt wirst, auch nur ein Weniges abzugeben. Du kennst nur die eine Rede: Ich habe nichts und kann nichts geben, denn ich bin arm. Ja, arm bist du wirklich: arm an Liebe, arm an Gottesglauben, arm an ewiger Hoffnung.

Spannend ist die Verknüpfung zur Verbindung der sozialen Sorge der Christen mit dem Auferstehungsglauben und mit dem Bewusstsein von Ewigkeit und Heimat in Gott. Die Nutzung der irdischen Güter geschieht am besten unter der Prämisse, dass ich mir durch sie den Himmelsblick nicht verstellen lasse. Der Schächer Dismas im Bild schaut im Gegensatz zu seinem Gegenüber hinauf zu Jesus, dem Boten des Himmels.

Das Vater-unser lässt uns beten nur um das Brot für heute, obwohl wir meistens lieber beten würden: „Unser heutiges Brot gib uns täglich!“ … Zudem hat der Vater-unser eben nicht die Ich-Form, sondern erbittet allen das Gleiche, was ich selbst mir wünsche. Die Lazarus-Geschichte leitet an, die Freude an den irdischen schönen Dingen sehr deutlich und dankbar mit Gott zu verbinden. Sie blickt zweitens auch auf die Vorfreude auf das ewige Leben. Sie blickt drittens auf unseren Glauben an die Auferstehung Jesu und die Art und Weise, wie wir die klugen Jesus-Botschaften aufnehmen und umsetzen, damit wir nicht arm an Liebe, arm an Gottesglauben, arm an ewiger Hoffnung sind.

 

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29. 27. Sonntag im Jahreskreis

© Alois van Doornick. Kalkar, Bild und Botschaft

185. Unnütze Knechte. Laurentius. Predella des Georgsaltars St. Nicolai Kalkar, Öl auf Eiche, Derick Baegert 1490

(Evangelium 27. So. C Hab 1 ,2-3; 2, 2-4; 2 Tim 1, 6-8.13-14; Lk 17, 5-10)

 

Im Bild

Die Eucharistiefeier am Altar „mit allen Engeln und Heiligen“ kommt bei den Klappaltären in St. Nicolai durch die Brustbilder (der Nebenpatrone?) in der Predella der Altäre zum Ausdruck. Hohen Wert besitzen im Georgsaltar die fast porträthaft gemalten Köpfe: Laurentius hat die Kopfform des Petrus. Das rote Gewand des Märtyrers liegt über dem weißen Untergewand des getauften frühen Christen und Diakons der römischen Kirche. Der etwas seitlich gedrehte Kopf mit dem starken Nimbus schaut den Betrachter mit ernster Miene direkt an. Rechts ist der Eisenrost das Signet des auf dem Feuer verbrannten Glaubenszeugen. Das Blau der Treue bildet den Hintergrund. Der Maler der Bilder der Predella im Georgsaltar Derick Baegert aus Wesel hat um 1490 schon in Kalkar Verhandlungen über die Hochaltarflügel geführt, die dann sein Schwager Jan Joest mit Schülern ausführte.

 

Die Botschaft

Laurentius, gestorben am 10. August 258 in Rom nach verschiedenen Martyrien auf dem Rost, ist der einzige im Kanon genannte Diakon mit Stephanus. Sein Grab in Rom in San Laurenzo fuori le Muri birgt seine Reliquien bis auf den Kopf, der immerhin im Gladbacher Münster verehrt wird. Uedem St. Laurentius gehört immerhin zu den allerfrühesten Gemeinden hier im Umkreis. Bekannt ist das vermehrte Auftauchen von Sternschnuppen rund um den 10. August, die auch als „Laurentiustränen“ angesichts seines treuen Märtyrertodes gelten.

Zusammen mit Papst Sixtus, der einen Tag eher im Gottesdienst gewaltsam getötet wurde,  verwaltet er die Gemeinde von Rom. Sein Widerstand gegen den Kaiser nimmt in den Legenden humoreske Züge an: Als er gebeten wird, die „Schätze der römischen Kirche“ als Kassenverwalter der Christen herauszugeben, führt er die Armen der Stadt vor. Als er nach mehreren anderen Todesarten schließlich erst auf dem Feuerrost zum  Sterben kommt, bittet er den Henker noch mehr Holz aufzulegen und ihn auf dem Rost zu wenden.

Es ist gut, dass das Zweite Vatikanische Konzil denBeruf des Diakons als hauptamtlichen oder nebenamtlichen Seelsorger wieder neu zur Geltung gebracht hat. Dies deutet deutlich hin auf die drei Aufgaben der Kirche: Diakonie, Katechese und Liturgiefeier: Kirche muss den Armen dienen, muss den Kindern und Erwachsenen die Bibel- und die Glaubensinhalte verkündigen und muss Gott in verschiedensten Formen feiern, gerade in den Sakramenten.

In französischen Kirchen ist neben dem Pfarrer von Ars, der heiligen Therese von Lisieux häufig eine Büste des heiligen Vinzenz von Paul zu finden, ähnlich wie bei uns die des Antonius von Padua: Vinzenz gründete in Paris die Gemeindecaritas und bildete junge Priester genau darin aus, die Armen der Stadt bevorzugt zu behandeln: „In ihnen begegnen wir Christus“, sagte er. „Der Dienst an den Armen ist allem anderen vorzuziehen und ohne Aufschub zu leisten. Braucht ein Armer während einer Gebetszeit eine Arznei oder eine Hilfeleistung, so geht ruhig zu ihm und bietet Gott dar, was zu tun ist, als wäret ihr gerade beim Beten geblieben … Wenn ihr das Gebet verlasst, um einem Armen zu Diensten zu sein, so denkt daran, dass ihr diesen Dienst Gott erweist. Die Liebe steht höher als irgendwelche Regeln.“

Beim Gleichnis von den zehn Aussätzigen und dem zurückkehrenden Samariter schauen wir meist auf die Dankbarkeit, die wir dort sehen und bei den anderen vermissen. Die erste Deutung dieses Gleichnisses muss aber auf die Zuwendung Jesu zu den Kranken zielen. Vinzenz: „So wollen wir denn mit einer neuen Liebe des Herzens den Armen dienen. Lasst uns besonders die ganz Verlassenen aufsuchen; denn sie sind uns als unsere Herren und Meister gegeben.“

Praktisch ist das in unserer Pfarre der Dienst an der Tafel oder im Weltladen, der Krankenbesuch zuhause oder im Krankenhaus, die Betreuung des Altentages, das Bringen der Krankenkommunion, die gute Erziehung in den Kindergärten für alle Schichten, die Arbeit in der Beratungsstelle der Caritas, die finanzielle Unterstützung Mittelloser, die Unterstützung bei der Einrichtung von Sozialwohnungen, die Beachtung der Fremden in unserer Stadt, das freundliche Verhalten zu Asylsuchenden und Ausländern, das Grüßen nicht nur bei Bekannten: Wo liegt Ihre Aufgabe und Ihr Dienst in der Aufmerksamkeit für Bedürftige, Alleinstehende, Kranke, Zurückhaltende, Fremde, … ?

 

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